Netflix-Serie
Deswegen sind wir verrückt nach dem «Tiger King»

In diesen schwierigen Zeiten sorgt Joe Exotic für bizarre Abwechslung. «Großkatzen und ihre Raubtiere» heißt die momentan schwer gehypte Mini-Serie auf Netflix.

Donnerstag, 09.04.2020, 09:53 Uhr
Joe Exotic ist der «Tiger King». Foto: dpa

Berlin (dpa) - Dieser enorme Erfolg dürfte viele überrascht haben. Denn die Serie «Tiger King: Murder, Mayhem and Madness» über exzentrische Großkatzen-Liebhaber hat sich bei Netflix innerhalb kürzester Zeit zu einem Riesen-Hit entwickelt.

Laut Branchenangaben soll es eine der derzeit am meisten gestreamten Serien weltweit sein. Der Hype in den sozialen Netzwerken ist enorm. Im Internet überschlagen sich die Fans vor Begeisterung, auch Promis wie Kim Kardashian und Gwyneth Paltrow meldeten sich zu Wort. Tatsächlich ist «Großkatzen und ihre Raubtiere», so der deutsche Titel, eine unfassbar unterhaltsame und schräge Ablenkung in Corona-Zeiten - ein Phänomen!

Warum so viele so verrückt nach dieser True-Crime-Mini-Serie sind? Eigentlich soll hier davon erzählt werden, wie Joe Exotic, der Besitzer eines privaten Zoos im US-Bundesstaat Oklahoma, wegen versuchten Mordes vor Gericht landete. Das allerdings bietet nur den Rahmen für eine Geschichte, die einen mit jeder der sieben Episoden weiter überrascht und sprachlos auf dem Sofa sitzen lässt.

Der Mordvorwurf ist von Folge eins an bekannt. Der «Tiger King», wie sich Exotic auch nennt, ist als schwuler Waffennarr mit blond gefärbtem Vokuhila aber auch ein extrem schillernder Protagonist: ein Countrysänger, der im Laufe der Jahre mehrere, deutlich jüngere Ehemänner hat - parallel. Außerdem will er Präsident der USA werden und tritt dann tatsächlich als Gouverneurskandidat an. Seinen Kampagnenmanager dafür findet er in der Waffenabteilung eines Walmart-Supermarktes.

Hinzu kommen all die Nebenfiguren: Ein verurteilter Drogenbaron, der Vorbild für Al Pacinos «Scarface» gewesen sein soll, sowie Bhagavan «Doc» Antle, ein weiterer Großkatzenzüchter. Der inszeniert sich deutlich intellektueller, fällt aber auch wegen seiner zahlreichen Partnerinnen und seiner ebenfalls dubiosen Tierzuchtpraktiken auf. Überhaupt fragt man sich, wie in den USA so viele Tiger gezüchtet und unter solchen Bedingungen gehalten werden können. Die Schattenseiten dieses Geschäfts sind erschütternd.

Joe Exotics Gegenspielerin wiederum ist Carole Baskin, die sich mit Blumenkranz im Haar als Tierschützerin geriert. Doch schnell erfährt man von den Gerüchten um ihren verschwundenen Ehemann und dessen verängstigter Ex-Frau samt Töchtern. Wenn kurz darauf Joe Exotic in einem seiner trashigen Musik-Clips auftaucht und ein Carole-Baskin-Double Fleisch an die Tiger verfüttern lässt, fällt einem vor Lachen die Chipstüte aus der Hand!

Sicher, dieser Humor wird nicht allen gefallen. Doch viele sind schnell elektrisiert von diesem bizarrem Ritt. Angeblich plant Netflix bereits eine Bonus-Folge. Gerüchten zufolge könnte es außerdem bald sogar eine Realverfilmung geben. «Friends»-Star Lisa Kudrow wird als Carole gehandelt - und Joe Exotic persönlich meldete sich aus dem Gefängnis: Er wünscht sich, dass Brad Pitt ihn spielt.

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