TV-Tipp
Ein starkes Team: Tod einer Studentin

Alles eine Frage der Psychologie? Die ZDF-Krimireihe «Ein starkes Team» dreht diesmal sich um den plötzlichen Tod einer Studentin.

Samstag, 06.06.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 06.06.2020, 05:03 Uhr
Sebastian Klöckner (Matthi Faust) begutachtet die Leiche der Studentin Katja Hellmann (Carmen Zehentmeier). Foto: Katrin Knoke

Berlin (dpa) - «Sie kannte nur ihre Bücher und ihre Arbeit», sagen Zeugen über die tote Psychologie-Studentin Katja Hellmann. Die Leiche ist bei einer Uni-Party tot im Fahrstuhl gefunden worden. Jemand hat Katja eine Flasche über den Kopf geschlagen. Spuren? Fehlanzeige.

Doch wer hatte es auf die ehrgeizige 20-Jährige abgesehen? Ihr eifersüchtiger Ex-Freund Lars? Ihr exzentrischer Professor, der sich sehr für sie interessierte? Missgünstige Kommilitonen? Oder steckt Katjas dauerbekiffte und chronisch unterfinanzierte Stiefschwester Claudia dahinter, mit der sie eine Wohnung geteilt hat?

Das Sommerloch wirft seine Schatten voraus, die großen Sender holen wieder Krimis aus ihren Archiven. «Tod einer Studentin», am Samstag um 20.15 Uhr im Zweiten, lief zum ersten Mal 2018. Das Ermittler-Duo Linett Wachow und Otto Garber (Stefanie Stappenbeck und Florian Martens) muss sich hier mit so vielen Verdächtigen auseinandersetzen, dass der Zuschauer schnell den Überblick zu verlieren droht.

Die Fährte führt zunächst zu Katjas Stiefschwester. Nach dem Tod ihrer Mutter sei Katja nach Berlin gekommen für einen Neuanfang. Freunde habe sie keine gehabt, erzählt Claudia. Ihren Ex-Freund Lars hat Katja kurz vor ihrem Tod verlassen. Er lebt auf dem Land und arbeitet in der Kneipe von Katjas Stiefvater Friedrich. «Katja und ich wollten für immer zusammenbleiben. Das haben wir uns geschworen», sagt der aufgewühlte Ex-Freund. Eine Eifersuchtstat? Doch ein wasserdichtes Alibi lässt den Verdacht im Sande verlaufen.

Schon bald nehmen die Ermittler den eitlen Psychologie-Professor Peter Prochaska und seine Arbeitsgruppe ins Visier. Der exzentrische Gelehrte gilt als umstritten für seine Forschungsmethoden, weshalb seine Frau Lisa ihm immer wieder auf die Finger schauen muss.

Katja war nicht nur eine sehr ehrgeizige Studentin, sondern wissenschaftliche Hilfskraft an Prochaskas Lehrstuhl. Dort leitete sie die exklusive Arbeitsgruppe, deren Teilnehmer der Professor nach strengen Kriterien auswählte. Auf Katjas Computer finden die Ermittler detaillierte Aufzeichnungen über das Privatleben ihrer Kommilitonen. Alles deutet darauf hin, dass das Opfer selbst eine Stalkerin war. Doch wie sich herausstellt, war Katja nur die Erfüllungsgehilfin eines perfiden sozialen Experimentes des Professors, auf Kosten der nichtsahnenden Arbeitsgruppe.

Die Folge steht ganz im Zeichen der sogenannten «Kognitiven Dissonanz», einem unangenehmen Gefühlszustand, der - vereinfacht gesagt - durch unvereinbare Gefühle und Gedanken entsteht. Etwa durch den Wunsch von Prochaskas Probanden, ihre alles entscheidende Prüfung zu bestehen und dafür die Grenzen des Legalen zu verlassen, wenn der psychologische Druck nur groß genug ist.

Von diesem interessanten Punkt ausgehend, verheddert sich das Drehbuch zunehmend in einer Abfolge unübersichtlicher Ereignisse. Figuren sind mit Klischees überladen. Darstellerische Glanzpunkte setzen hingegen Aglaia Szyszkowitz und Max von Pufendorf als gemeines Akademiker-Paar.

Den Routiniers Florian Martens und Stefanie Stappenbeck gelingt es, die gelegentlich etwas bemühten Dialoge mit Witz aufzulockern, etwa wenn Garber über die Vorzüge der DDR-Produkte Ketwurst und Moskauer Eis sinniert. Fans der Serie erfahren außerdem, wie die beliebte Nebenfigur «Sputnik» zu ihrem Namen gekommen ist.

© dpa-infocom, dpa:200603-99-288730/4

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