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Der Galapagos-Krimi - Ein Drama unter deutschen Aussteigern

Der Traum deutscher Auswanderer von einem naturverbundenen Leben auf einer unbewohnten Insel verwandelt sich in eine Hölle, die sie selbst geschaffen haben. Eine packende ZDF-Doku rekonstruiert die tödlichen Ereignisse auf den Galapagosinseln in den 1930er Jahren.

Sonntag, 05.07.2020, 00:01 Uhr aktualisiert: 05.07.2020, 05:01 Uhr
Die Baronin Wagner und ihre Liebhaber bildeten eine der drei Parteien, die auf der Galapagosinsel Floreana in Konflikt gerieten. Foto: Jügen Stumpfhaus

Berlin (dpa) - Auswandern auf eine tropische Insel, im Einklang leben mit der Natur: Viele Menschen träumen davon. Ende der 1920er Jahre verwirklicht sich ein deutsches Ehepaar diesen Traum.

Auf der Suche nach einem Leben frei von Zwängen und Konventionen lassen sich der Berliner Zahnarzt Dr. Friedrich Ritter und seine Lebensgefährtin Dore Strauch auf der unbewohnten Galapagosinsel Floreana nieder. Andere Auswanderer folgen ihnen. Doch das Paradies wird für sie zur Hölle, die sie sich selbst geschaffen haben.

Die Doku «Der Galapagos-Krimi - Ein Drama unter deutschen Aussteigern» am Sonntag um 19.30 Uhr im ZDF entführt die Zuschauer an einen der schönsten Fleckchen Erde, an dem sich Grausiges zugetragen haben soll. Mitte der 1930er Jahre kam es auf der Insel zu Vorfällen, die ein weltweites Medienecho zur Folge hatten. Von den acht Personen, die auf der Insel lebten, wurden damals zwei seit Monaten vermisst. Zwei weitere starben unter mysteriösen Umständen. Haben sich unter den deutschen Auswanderern Morde ereignet?

Der damals schon weltberühmte Schriftsteller Georges Simenon, Schöpfer des «Kommissar Maigret», fuhr im Januar 1935 im Auftrag einer Pariser Zeitung zu den Galapagosinseln, um Licht ins Dunkel der rätselhaften Ereignisse zu bringen. Mithilfe seiner Texte sowie der Lebenserinnerungen von Dore Strauch und der Auswanderin Margret Wittmer und einer Vielzahl von Fotos und Filmaufnahmen, die ein US-Milliardär von den historischen Protagonisten herstellte, rekonstruiert der knapp 45-minütige Film die damaligen Ereignisse.

Was die Doku von Jürgen Stumpfhaus aus der Reihe «Terra X» so packend macht, ist das Wechselspiel von Traum und Wirklichkeit: Auf der einen Seite sind beeindruckende Natur- und Landschaftsaufnahmen zu sehen, die die Sehnsucht der Auswanderer nach Idylle, Harmonie und einem Leben im Einklang mit der Natur greifbar machen. Auf der anderen Seite zeigt die Doku die Brutalität der Wildnis und die Abgründe zwischenmenschlicher Beziehungen - und bedient sich dafür zahlreicher Originalaufnahmen, die Gänsehaut auslösen. «Der Galapagos-Krimi» ist eine kurzweilige und spannende Doku, die von Menschen erzählt, die ihren Träumen folgten und dabei die bittere Erfahrung machen mussten, dass man ein Paradies in etwas Böses verwandeln kann.

© dpa-infocom, dpa:200701-99-633411/2

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