Kulturmagazin
25 Jahre «Kulturzeit»: Deutschsprachiges Fernsehfeuilleton

Eine der ältesten 3sat-Sendungen hat Geburtstag: Am 2. Oktober wird die «Kulturzeit» ein Vierteljahrhundert alt. Kaum eine TV-Produktion verbindet so sehr Deutschland, Österreich und die Schweiz.

Donnerstag, 01.10.2020, 12:40 Uhr aktualisiert: 01.10.2020, 12:43 Uhr
Deutschland, Österreich und die Schweiz: «Kulturzeit» feiert Jubiläum. Foto: Rico Rossival

Mainz/Wien/Zürich (dpa) - Als eine Art «Zuhause» empfindet die Schriftstellerin Sibylle Berg die «Kulturzeit»: «Der Tag, an dem es euch nicht mehr gibt, wird das Ende des Fernsehens sein.»

Für die Filmemacherin Doris Dörrie bedeutet die werktägliche 3sat-Sendung um 19.20 Uhr das Ende ihres Arbeitstages - «jeden Abend wieder werde ich zuverlässig inspiriert und informiert». Regisseur Christian Petzold sieht sie als Lösung für die «grauenhafte Stunde» vor 20 Uhr, wenn der Tag fast zu Ende, aber das Abendessen noch nicht fertig sei.

Vor 25 Jahren - am 2. Oktober 1995 - wurde das Kulturmagazin zum ersten Mal ausgestrahlt. Gesendet wird die «Kulturzeit» aus dem ZDF-Sendezentrum in Mainz. Das transnationale Magazin realisieren ZDF, ARD, ORF (Wien) und SRF (Zürich) zusammen - ganz nach dem 3sat-Motto: drei Länder, vier Sender. Vergangenes Jahr schalteten im Schnitt jede Ausgabe etwa 210.000 Menschen ein, davon 190.000 in Deutschland, wie es vom ZDF heißt.

Im Geburtstagsheftchen für die Presse, aus dem die prominenten Fans anfangs zitiert sind, äußert sich auch die Burgschauspielerin Caroline Peters («Mord mit Aussicht»): «Zeit, sich unvoreingenommen und entspannt informieren zu lassen, was alles passiert in der extrem lebendigen deutschsprachigen Kulturlandschaft.»

In der Tat: Die «Kulturzeit» ist bei den klassischen Kulturterminen wie Berlinale, Buchmesse, Theatertreffen, Salzburger Festspiele oder Bachmannpreis in Klagenfurt zur Stelle, setzt aber auch Akzente mit einem erweiterten Kulturbegriff, in den auch Themen wie Gentechnik, Rassismus, Terrorismus und Nationalismus passen - politisches Feuilleton eben. Kaum eine TV-Produktion verbindet dabei so sehr Deutschland, Österreich und die Schweiz miteinander.

So konnte es in den letzten 25 Jahren geschehen, dass der Philosoph Peter Sloterdijk und der Aktionskünstler Christoph Schlingensief über Ethik und Nietzsche diskutieren, Roger Willemsen über das Nachtleben in Bangkok spricht oder Iris Berben zum Tod ihrer Kollegin Hannelore Elsner interviewt wird.

Zum Start vor 25 Jahren hieß es, die «Kulturzeit» solle Kontrapunkte zur «TV-Einheitskost» setzen. Anfangs war Gerd Scobel das prominente Gesicht der Sendung (1995 bis 2007), viele Jahre auch Ernst A. Grandits (1996-2016) und Tina Mendelsohn (2001 bis 2016). Die aktuelle Moderatorenriege umfasst Cécile Schortmann (ARD, seit 2008) und seit 2017 jeweils Vivian Perkovic (ZDF), Nina Mavis Brunner (SRF) sowie Peter Schneeberger (ORF).

Als Experimente im vergangenen Vierteljahrhundert blieben im Gedächtnis, dass Andrea Meier am 23. August 2008 eine ganze Ausgabe auf Latein moderierte. Studierende und Dozenten der Uni Mainz hatten daran gearbeitet, die Moderationstexte und Beiträge in geeignete lateinische Umschreibungen zu übersetzen. Das Motto lautete: «Lingua latina mortua est, vivat lingua latina» - Die lateinische Sprache ist tot, es lebe Latein. Ein anderes Experiment war erst im Februar, als Schortmann mit dem 1,20 Meter großen Roboter «Pepper» moderierte.

Am 2. Oktober zeigt 3sat um 19.20 Uhr die monothematische Sendung «Kulturzeit extra: Zeitenwende». Sie beleuchtet Konflikte rund um den Globus und fragt: Wird der Glaube an den Fortschritt hin zu einer Politik der Nachhaltigkeit stärker? Oder wird es eine Zeit der Abschottung, Selbstbezogenheit und des grassierenden Populismus?

Am 17. Oktober, einem Samstag, gibt es ab 20.15 Uhr das Jubiläumsquiz «Happy Birthday, Kulturzeit!» mit Promi-Gästen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz.

© dpa-infocom, dpa:200925-99-702738/4

Nachrichten-Ticker