Unsere Lieblingsserien
Inspektor Columbo: Er entlarvt die schlauesten Mörder

Münster -

Früher geschaut und immer wieder gern gesehen: In einer losen Reihe stellen wir unsere Lieblingsserien vor. Den Auftakt macht der schrullige Inspektor Columbo.

Dienstag, 02.02.2021, 10:00 Uhr
„Jetzt habe ich das Händlerkärtchen vergessen!“: Hat Horst Lichter sich rasiert? Nein, es ist Inspektor Columbo, gespielt vom unvergessenen Peter Falk. Foto: picture-alliance/ dpa | eve goldschmidt Universal

Dass ich je in die Trödel-Serie „Bares für Rares“ hineingeschaut habe, ist allein Inspektor Columbo schuld. Der ermittelte nämlich seit Dezember 2014 nachmittags im Digitalsender ZDFneo. An freien Tagen wurde das Zuschauen zum liebgewonnenen Ritual, aber kaum war der Täter überführt, erschien auch schon der gelernte Koch und Schnauzbart-Moderator Horst Lichter mit seinen „Händlerkärtchen“ auf dem Bildschirm. Ein Ritual der anderen Art ...

Mir aber ging es um die Krimi-Kultfigur, den knuddeligen, italienischstämmigen Polizisten in Los Angeles. Viele der Episoden kannte ich natürlich längst, denn in meiner Kindheit trat Columbo erstmals auf den deutschen Bildschirm und blieb für Jahrzehnte dort präsent, zunächst im Ersten, später auch bei anderen Sendern. Und seltsam: Trotz manch altmodischer Ausstattung und des wahrlich langsamen Erzähltempos schienen diese Filme kaum zu altern.

Peter Falk war nicht mal erste Wahl

Was mit ihrer typischen Dramaturgie zusammenhängt, die im ersten, noch separat produzierten Film „Mord nach Rezept“ vorgeführt und dann mit großem Erfolg variiert wurde: Es sind eben keine „Whodun­it?“-Krimis nach jenem Muster, wonach ein schlauer Ermittler den unbekannten Täter sucht und ihn am Ende dem überraschten Publikum präsentiert. Stattdessen sehen die Zuschauer im ersten Film dem raffinierten Psychiater Dr. Flemming dabei zu, wie er seine eifersüchtige Frau erwürgt und sich durch das clevere Schauspiel mit seiner Geliebten ein Alibi verschafft, während alle Indizien auf einen Einbrecher als Täter hindeuten. Dagegen hat der kleine, noch junge und ungelenke Inspektor (im Original: Lieutenant) Columbo, der erst spät auf den Plan tritt, keine Chance – so scheint es.

Der Schauspieler Peter Falk, damals nicht mal erste Wahl und eigentlich zu jung für die im Theater erprobte Rolle, führte hier noch eher dezent jene Charakteristika vor, die später deftig ausgemalt wurden: Der Polizist wittert schnell, wer der Täter sein muss, misst sich scheinbar vergebens mit dessen überragendem Intellekt, muss zudem mit der drohenden Maßregelung durch einen unsichtbaren Vorgesetzten rechnen – und treibt ihn doch mit nervtötender Beharrlichkeit in die Enge, um ihn schließlich mit eigenen Waffen zu schlagen. Im Premierenfilm ist es eine Inszenierung, in die er die Geliebte des Mörders hineinzieht und auf die der Täter hereinfällt.

Vorgeschobene Vergesslichkeit

Zu den Schrullen des Helden, seiner obligatorischen Zigarre und dem zerknitterten Trenchcoat, gesellen sich bald das alte Auto, der liebenswert träge Hund und Mrs. Columbo, die bisweilen sogar in die Handlung eingewoben wird (etwa auf einer Schiffsreise), aber nie auftritt.

Sein Markenzeichen ist die vorgeschobene Vergesslichkeit: Ist womöglich seine typische Bemerkung im Hinausgehen „Eine Sache noch“ („Just one more thing“) das Modell für den Kult-Satz von Apple-Gründer Steve Jobs gewesen?

Auch heute noch laufen Columbo-Krimis im Fernsehen, derzeit etwa bei Sat-1-Gold. Aber natürlich ist der Fan von einst längst auf Nummer sicher gegangen und hat sich die zehn Staffeln auf DVD gegönnt. Und immer wieder frage ich mich, welche Folge in der Wiederholung die schönste ist. Klar, in Staffel 3, bei „Wein ist dicker als Blut“ lernen wir, welchen Wert ein klimatisierter Keller für den Täter hat: Das ist schon geschmackvoll. In Staffel 5 gibt der legendäre Jack Cassidy einen mörderischen Magier, der vom wissbegierigen Inspektor entzaubert wird: großartig. Aber den Höhepunkt liefert Staffel 7: Auch hier gibt es edlen Wein, während der wunderbar chargierende Louis Jourdan zu einem ungewöhnlichen Mordwerkzeug greift. Das Finale dieses Films mit dem deutschen Titel „Mord à la carte“, in dem der Mörder und sein Inspektor gut gelaunt in der Küche werkeln, ist ein echter Klassiker und wird, wenn überhaupt, nur durch den Hundeangriff in „Mord per Telefon“ (Staffel 7) übertroffen. Und wer dem Hingebungsvollen Kochen und Kosten des knuddeligen Inspektors zusieht, der kann den Fernsehkoch Horst Lichter nur noch als zweite Wahl ansehen.

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