Film der Woche
"Alles außer gewöhnlich": Aus der Reihe tanzen

„Alles außer gewöhnlich“ ist eine aufrüttelnde Sozialkomödie um zwei Autisten und ihre Schutzbefohlenen. Das Regie-Duo Eric Toledano und Olivier Nakache war bereits für den Welterfolg „Ziemlich beste Freunde“ verantwortlich. Lediglich in einem Punkt muss man bei dem Film Abstriche machen. 

Donnerstag, 05.12.2019, 11:00 Uhr aktualisiert: 05.12.2019, 16:08 Uhr
Zwei beste Pflegekräfte: Bruno (Vincent Cassell, l.) und Malik (Reda Kateb). Foto: Carole Bethuel

Der eine rennt ständig mit dem Kopf gegen die Wand und braucht einen Schutzhelm. Der andere zieht in der Me­tro häufig die Notbremse und wird von der Polizei verfolgt. Valentin und Joseph sind Autisten und zwei der Schutzbefohlenen, die in Non-Profit-Einrichtungen von den zwei besten Freunden Bruno (Vincent Cassel) und Malik (Reta Kateb) betreut werden. Oft im Laufschritt, immer hilfsbereit und ewig mit dem Knopf für den Notruf im Ohr.

Die aufopfernde Arbeit der beiden Helden des Alltags ist Gegenstand der Sozialkomödie des Regie-Duos Eric Toledano und Olivier Nakache, die schon vor ihrem Welterfolg „Ziemlich beste Freunde“ planten, einen Film über verhaltensauffällige Jugendliche zu machen.

Aufrüttelnde Sozialkomödie

Zunächst drehten sie die 26-minütige Dokumentation „Man müsste einen Film daraus machen“, in der sie die Freunde Stéphane Benhamou (reales Vorbild für Bruno) und Daoud Tatou (Vorbild für Malik) vorstellten, die sich für die Förderung von Autisten einseten.

Benhamou hatte 1996 die Organisation „Das Schweigen der Gerechten“ gegründet und Sommercamps organisiert, in denen die Regisseure ehrenamtlich tätig waren. Daoud Tatous Verein „Le Relais Ile-de-France“ forderte soziale Eingliederung. Jetzt also der Spielfilm, der auf dem Feld ackert, auf dem „Der Glanz der Unsichtbaren“ (Tageszentren für obdachlose Frauen) agiert.

Appell an die Menschlichkeit

„Alles außer gewöhnlich“ ist eine aufrüttelnde Sozialkomödie geworden, die auf zwei Ebenen vorgeht. Zunächst die Arbeit, wenn Bruno und Malik zu Notfällen eilen und kein Privatleben haben. Das führt zu netten Running Gags, wenn Brunos Blind Dates mit jüdischen Frauen permanent scheitern. Dann der Kampf mit Behörden und Ministerien, die Gelder verweigern oder mit Schließung drohen, weil die Vereine keine staatliche Genehmigung haben und wie die Autisten aus der Reihe tanzen, was im Rahmen einer superben Tanz-Performance umgesetzt wird.

Bewertung

Alles außer gewöhnlich: Aufrüttelnde Sozialkomödie mit Vincent Cassel und Reda Kateb (115 Minuten).

Bewertung: 4 von 5 Sternen

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Cassel und Kateb spielen das souverän, unaufgeregt und unterstreichen gerade dadurch den Appell an die Menschlichkeit, der „Alles außer gewöhnlich“ trotz unnötig häufigem Einsatz der wackeligen Handkamera auszeichnet. Der Alltag im Film, der auch zu Szenen führt, in denen es im Publikum mucksmäuschenstill war, ist dramatisch genug. Sehenswert.

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