Die Känguru-Chroniken
Mit Schnapspralinen gegen rechts

Marc-Uwe Klings Beuteltier-Bücher sind allesamt Bestseller, jetzt kommt die Kinoversion als Realfilm mit Trickfilm-Känguru. Doch trotz Top-Besetzung unter anderem mit Henry Hübchen fällt das Ergebnis platter aus als die Vorlagen.

Donnerstag, 05.03.2020, 13:18 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 15:31 Uhr
Kluges Känguru: Marc-Uwes kurioser Mitbewohner informiert sich aus der Tageszeitung. Foto: X Verleih

Erst will es nur Eier borgen, dann Mehl – und dann zieht es der Einfachheit halber gleich beim Nachbarn ein. Und bleibt.

Der Einzug des Kängurus beim schluffigen Kreuzberger Kleinkünstler Marc-Uwe ist der Startschuss der „Känguru-Chroniken“ um ein vorlautes Beuteltier, das es zum popkulturellen Phänomen gebracht hat: Zunächst hatte Kabarettist Marc-Uwe Kling die Storys auf Lesebühnen ausprobiert, dann als Radiokolumne etabliert.

Es folgten Buch- und Hörbuch-Bestseller. Nun kommt die von Dani Levy besorgte Kinoversion, die die episodischen, Sketch-artigen Geschichtchen in ein eher notdürftiges Handlungsgerüst packt.

Vom Alltag ins Abendteuer

So geht’s auch hier erst einmal ums Kennenlernen des (digital animierten) Kängurus und seines unfreiwilligen WG-Gastgebers Marc-Uwe.

Die Känguru-Chroniken

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    Eigentlich wollte das Känguru nur die Zutaten für Pfannkuchen leihen - dann zieht es jedoch spontan bei Marc-Uwe Kling ein.

    Foto: X-Filme, X-Verleih
  • In der Verfilmung wird das Känguru digital animiert: Menschengroß und durch und durch kommunistisch.

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  • Gemeinsam mit Marc-Uwe Kling und seinen Freunden gründet das Känguru das "asoziale Netzwerk", um einem demokratiefeindlichem Immobilienmogul die Stirn zu bieten.

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  • Der rechte Immobilienhai Dwigs, gespielt von Henry Hübchen, will in Kreuzberg einen phallusförmigen Tower bauen und steht der Partei "Alternative zur Demokratie" vor.

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  • Auf der Leinwand wird der tagträumende Marc-Uwe Kling von Theaterschauspieler Dimitrij Schaad aus Berlin verkörpert.

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  • Der schluffige Kleinkünstler Kling schärmt seiner Nachbarin Maria (Rosalie Thomass) hinterher. Beide werden von dem Känguru in ein wildes Abendteuer hineingezogen, in dessen Verlauf sie auch eine große Berliner Party kapern.

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  • Zum popkulturellen Phänomen hat es das vorlaute Känguru durch Hörspiele und Bücher  gebracht. Für die deutsche Verfilmung schrieb Marc-Uwe Kling das Drehbuch.

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  • Kabarettist Marc-Uwe Kling hatte die Storys zuerst auf Lesebühnen und als Radiokolummne inszeniert. Auf Buch- und Hörbuch-Bestseller folgt jetzt der Film.

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  • Die sketch-artigen Geschichtsepisoden werden bei der Verfilmung in eine eher notdürftiges Handlungsgerüst gepackt.

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  • Die Szenen im Film neigen häufig zur Flachwitz-Parade: Hier fehlen die pointierten Szenebeschreibung, mit denen Kling im (Hör)Buch-Format sonst die eigene Fantasie anregte.

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  • Trotzdem liefert die Verfilmung mit der orangegesichtigen Trump-Parodie Dwigs oder schwachköpfigen Nazis wie hier komische Subtilität.

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  • Das größte Problem der Verfilmung ist aber die Übertragung des in den Hörbüchern durch Kling zum Leben erweckten Kängurus in eine Trickfilmfigur - eine nur schwer vertraut werdende Setzung.

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Der Hungerkünstler (Kling lässt sich vor der Kamera würdig vom Berliner Theaterstar Dimitrij Schaad vertreten) lebt so in den Tag hinein, schwärmt Nachbarin Maria (Rosalie Thomass) hinterher – und wird vom ebenso schnapspralinensüchtigen wie überzeugt kommunistischen Känguru in ein wildes Abenteuer hineingezogen.

TV-Comedy mit Komik-Momenten

Henry Hübchen spielt den rechten Immobilienhai Dwigs, der nicht nur der Partei „Alternative zur Demokratie“ vorsteht, sondern auch mitten in Kreuzberg einen phallusförmigen Tower hochziehen will. Das Känguru, Marc-Uwe und Maria stellen sich dem als „asoziales Netzwerk“ entgegen.

Die orangegesichtige Trump-Parodie Dwigs ist dabei ein guter Anzeiger für die Sorte komischer Subtilität, die man hier zu erwarten hat. In den besten Momenten liefert Levy den garstigen Klamauk, den man aus seinem Hit „Alles auf Zucker!“ kennt, meistens aber kommt er kaum über gängige deutsche TV-Comedy hinaus – selbst Helge Schneider kann in seinem Kurzauftritt als Fitness-Coach wenig daran ändern.

Die bissige Ironie der Bücher bleibt unerreicht

Das größte Problem des Films ist sicher die Übertragung des vor allem in den Audioformaten durch Kling so herrlich zum Leben erweckten Kängurus in eine Trickfilmfigur, die eben nicht mehr als Absurdität der eigenen Vorstellung existiert, sondern eine optische Setzung ist, an die man sich schwer gewöhnen kann.

Die Texte lebten nicht nur von den Dialogen, sondern auch von den pointierten Szenenbeschreibungen. Im Film bleiben nur die Dialoge übrig, die Szenen selbst neigen zur Flachwitzparade. So schön bissig-ironisch wie in den Büchern wird es daher nie.

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