Generation 14plus
«Kokon»: Kleiner, feiner Film mit Jella Haase

Es ist ein heißer Sommer in Berlin. Für die 14-jährige Nora beginnt so langsam das Erwachsenwerden. Und das ist nicht selten irritierend.

Montag, 10.08.2020, 08:14 Uhr aktualisiert: 10.08.2020, 08:18 Uhr
Nora (Lena Urzendowsky) ist in Romy (Jella Haase) verliebt. Foto: -

Berlin (dpa) - Vielleicht wird man irgendwann im Rückblick auf die 2010er und 2020er Jahre von Jella Haase als einer der prägendsten Jungdarstellerinnen dieser Zeit sprechen.

Wer etwa könnte je den ziemlich kultigen Auftritt der heute 27-Jährigen vergessen im nicht minder kultigen «Fack ju Göhte» von 2013? 2011 bereits war Haase im quietschbunten und ziemlich schrägen «Lollipop Monster» zu sehen, ihrem Kinodebüt.

Zuletzt (2018) agierte sie neben Schauspielern wie Lars Eidinger und Sandra Hüller («25 km/h»); gerade ist sie im Kino die Mieze in der Alfred-Döblin-Adaption «Berlin Alexanderplatz». Geboren ist Jella Haase im Berliner Stadtbezirk Kreuzberg. Und genau in diesen Teil der Hauptstadt nimmt uns auch Regisseurin und Drehbuchautorin Leonie Krippendorff mit in ihrem Spielfilm «Kokon», in dem Haase keine ganz kleine Rolle spielt.

«Kokon», Krippendorffs zweiter Langfilm nach «Looping» von 2016, ist sowohl ein Coming-of-Age als auch ein Coming-out-Film. «Ich finde andere Mädchen manchmal so schön», heißt es an einer Stelle des 94-Minüters aus dem Mund der 14-jährigen Nora (verkörpert von Lena Urzendowsky), die im Film nicht nur ihre erste Periode erlebt, sondern auch die ersten starken Gefühle fürs eigene Geschlecht.

Und ja, sie ist auch verliebt - und zwar in die von Haase verkörperte Romy. «Kokon» nimmt uns mit in einen ziemlich heißen, einen, vor allem für Nora ziemlich irritierenden Kreuzberger Sommer. All die Mädchen, die diesen Film ausmachen, sie sind hier zu sehen beim Eis essen, über den Dächern des Kottbusser Tors, in der Berliner U-Bahn, beim Baden im legendären Kreuzberger «Prinzenbad».

Auch Filmemacherin Krippendorff ist in Berlin geboren; in ihrem Film klammert sie die Fallstricke einer Großstadt-Pubertät nicht aus: das unbedingte Dazu-Gehören-Wollen, den Wahn um ein perfektes Aussehen. Im zurückliegenden Winter durfte der Film bei der Berlinale die Sektion «Generation 14plus» eröffnen. Die hiesige Film- und Medienbewertung (FBW) hat Kokon als «besonders wertvoll» eingestuft.

Kokon, Deutschland 2020, 94 Min., FSK ab 12, von Leonie Krippendorff, mit Lena Urzendowsky, Lena Klenke, Jella Haase

© dpa-infocom, dpa:200806-99-62449/4

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