Hausen
Schwarzer Schmodder im Plattenbau

Das Haus ist heruntergekommen, aber es lebt. In der stilvoll düsteren Spuk-Story vom Berliner Stadtrand gerät auch Charly Hübner in dessen Bann.

Donnerstag, 05.11.2020, 13:04 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 14:55 Uhr
Hausmeister Jaschek (Charly Hübner) kümmert sich um einen maroden Plattenbau. Foto: Lago Film

Okay, Halloween ist schon rum, doch der Blick auf diese Serie lohnt sich auch jetzt noch. Nicht etwa, weil sie ein Meisterwerk wäre, sondern schlicht, weil Genreproduktionen in Deutschland immer noch etwas Rares sind. Horror oder Fantasy – das gilt in der themenfilmlastigen Förderlandschaft immer noch allzu oft als minderwertig.

Doch das ändert sich gerade, vor allem in Serien. Die Sci-Fi-Mystery „Dark“ etwa hat sich bei Netflix zum internationalen Hit entwickelt. Daran versucht nun auch „Hausen“ anzudocken. Regisseur Thomas Stuber, der zuvor die Lutz-Seiler-Verfilmung „Kruso“ drehte, verlegt darin bekannte Spukhausmotive in einen düsteren Plattenbau am Stadtrand von Berlin.

Dorthin ziehen zu Beginn Hausmeister Jaschek (Charly Hübner) und sein Sohn Juri (Tristan Göbel, „Tschick“). Das schwere Trauma, das die beiden teilen, spiegelt sich im maroden Zustand des Gemäuers, in dem im Grunde alles kaputt ist, jede Lampe flackert und derangierte Gestalten durch die Korridore schleichen. Ein Baby verschwindet, oben wohnen Nazis, und Jugendliche dealen mit schwarzem Schmodder, der aus den Kellerrohren tropft wie frisch verfluchter Lebenssaft. Das Haus ist selbst ein Wesen; es ernährt sich von den Seelen seiner Bewohner.

Das Bemerkenswerte an „Hausen“ ist gewiss nicht der Plot, der lauter Stereotypen des Gruselgenres variiert, dabei Vorbilder wie Lars von Triers „Geister“ oder Andrzej Zulawskis Kultfilm „Possession“ zitiert. Auch keine Stärke sind die Dialoge, obgleich sie von Darstellern wie Alexander „Gundermann“ Scheer oder Lilith Stangenberg („Wild“) serviert werden. Nein, an „Hausen“ fesselt vor allem die Gestaltung, die Düsternis, die Herstellung einer Verrätselungsatmosphäre, die das Klamme und Gottverlassene des Spielorts erfahrbar macht. Und immer dann, wenn Stuber den Gang der Dinge im Unklaren belässt, funktioniert die Serie gut.

Bewertung

Deutsche Mietshaushorrorserie mit schön schauriger Atmosphäre: 3 von 5 Sterne

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