The Trial of the Chicago 7
Renitenz auf der Anklagebank

Es waren Polizisten, die die Tumulte anzettelten. Aber Aktivisten standen 1969 vor Gericht. Dialog-Genie Aaron Sorkin macht aus dem historischen Prozess nun einen fesselnden Justizfilm.

Donnerstag, 05.11.2020, 13:06 Uhr aktualisiert: 05.11.2020, 14:54 Uhr
Eddie Redmayne steht vor Gericht. Foto: NETFLIX

Aaron Sorkin ist der Star unter den US-Drehbuchautoren, vor allem wegen seiner geschliffenen Schnellfeuerdialoge. Wer mal „The West Wing“ gesehen hat oder „The Social Network“, wird’s wissen. In seinem neuen Film, den er auch selbst inszenierte, stellt er einen berühmten Prozess ins Zentrum: 1969 hatte Nixons Justizminister sieben Aktivisten bezichtigt, bei Demonstrationen gegen den Vietnamkrieg in Chicago einen gewaltsamen Aufstand ausgelöst zu haben.

Am Ende stellte sich heraus: Die Polizei hatte die Tumulte selbst provoziert, die „Chicago 7“ kamen frei. Wie die Angeklagten – darunter Sacha Baron Cohen („Borat“) und Oscarpreisträger Eddie Redmayne („Die Entdeckung der Unendlichkeit“) – vor Gericht ihren gegenkulturellen Ungehorsam zelebrieren, inszeniert Sorkin sehr unterhaltsam, mit erhellenden Rückblenden und Hinterzimmerszenen dröselt er den Fall clever auf.

Gewiss, am Ende gibt’s viel Pathos, und das Personal wird etwas zu wohlfeil in Schurken (der rassistische Richter) und Ehrenleute (Joseph Gordon-Levitt als Staatsanwalt) geschieden – es ändert nichts daran, dass Sorkin ein packendes Gerichtsdrama gelang, dessen diskursive Parallelen zu heutigen Geschehnissen voll und ganz gewollt sind. Sehenswert.

Bewertung

Mitreißend: 4 von 5 Sterne

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