Eine Königin des Kostümfilms: Carey Mulligan
Grübchen und Gräber

Carey Mulligan ist eine der erfolgreichsten britischen Schauspielerinnen. Meist spielt sie in historischen Filmen wie aktuell im Archäologendrama „Die Ausgrabung” – aber sie kann’s auch modern.

Donnerstag, 04.02.2021, 17:14 Uhr
Die junge Witwe (Carey Mulligan) lernt in „Die Ausgrabung“ den Hobby-Archäologen (Ralph Fiennes) kennen. Foto: Netflix

Sutton was? Sutton Hoo. Archäologisch Interessierte und Kenner britischer Geschichte werden den Namen kennen: In dem gleichnamigen Kaff in der Grafschaft Suffolk wurde 1939 ein unberührtes angelsächsisches Bootsgrab entdeckt, es war der vielleicht spektakulärste Fund im England des 20. Jahrhunderts. Über die damaligen Grabungen hat der australische Theaterregisseur Simon Stone nun einen sehenswerten, bedächtig erzählten Netflix-Film gedreht. Ralph Fiennes spielt darin den Hobby-Archäologen Basil Brown, dessen Arbeit von den Fachleuten des British Museum später jahrzehntelang verschwiegen wurde.

Und an Fiennes’ Seite, als von stiller Sehnsucht ergriffene, edel leidende und vor allem todkranke junge Witwe und Landbesitzerin: Carey Mulligan. Das passt, schließlich ist die britische Schauspielerin mit den Audrey-Hepburn-haften Grübchen fast immer in historischen Filmen zu sehen. Ob als Society-Lady in den Roaring Twenties („Der große Gatsby“), frühe Frauenrechtlerin in „Suffragette“ oder Gutsbesitzerin im viktorianischen England in „Am grünen Rand der Welt“: Kaum eine vergangene Epoche ist vor Kostümfilm-Carey sicher. Zur Wahrheit gehört aber die erfreuliche Tatsache, dass die 35-Jährige dabei noch keinen miesen Film gedreht hat.

  • Ihr Durchbruch: Nach ihrer Rolle im vom Kultautor Nick Hornby geschriebenen Coming-of-Age-Drama „An Education“ über eine junge Verführte im London der Sechziger war der Name der zuvor quasi Unbekannten plötzlich in aller Munde. Eine Oscarnominierung folgte prompt.
  • Ihre Highlights: Im Stuntfahrer-Thriller „Drive“ und im Sexsucht-Drama „Shame“ zeigte sie, dass sie auch in in der Gegenwart spielenden Filmen bestens aufgehoben ist. Kurz und gut zudem ihr Part als Folksängerin im Coen­-Film „Inside Llewyn Davis“.
  • Was bald kommt: „Promising Young Woman“. Dieser in trügerischen Pastellfarben gehaltene Stilmix aus romantischer Komödie und #metoo-Thriller, in dem sie als Café-Kellnerin die Vergewaltigung ihrer besten Freundin rächt, ist faszinierend – und geht an die Nieren. Es ist wohl ihre stärkste Rolle bislang, und am Mittwoch wurde sie dafür für den Golden Globe nominiert. Mehr zum Film, wenn er bei uns Ende April – hoffentlich! – im Kino startet.
Nachrichten-Ticker