Leihgabe an Bundestag?
Künstleraktion gegen Flüchtlingspolitik

Schiffbrüchige waren es, die auf einem Floß ihrem unheilvollen Schicksal entkommen wollten. Zwei Frankfurter Künstler haben das berühmte Gemälde von Théodore Géricault neu interpretiert.

Donnerstag, 13.04.2017, 17:51 Uhr
Veröffentlicht: Donnerstag, 13.04.2017, 17:51 Uhr
Das neue «Floß der Medusa» von Oguz Sen und Justus Becker. Foto: Alex Kraus/Sen und Becker

Frankfurt/Main (dpa) - Vor rund 200 Jahren sorgte der französische Maler Théodore Géricault in Paris mit einem riesengroßen Bild von Schiffbrüchigen für großes Aufsehen.

Die beiden Frankfurter Künstler Oguz Sen und Justus Becker haben jetzt eine moderne Interpretation von Géricaults berühmtem «Floß der Medusa» geschaffen. Damit wollen sie ein Zeichen gegen die EU-Flüchtlingspolitik setzen. Das Bild würden sie gerne dem Bundestag als Dauerleihgabe überlassen.

Géricault hatte sein Gemälde, das 1819 einen Skandal auslöste, in Paris zu einer Ausstellung eingereicht. Die Maler lehnen sich mit ihrer neuen Version, die ebenfalls ein Format von sieben auf fünf Metern hat, eng ans Original an. Doch unter den Schiffbrüchigen sind jetzt auch Schwarze und kopftuchtragende Frauen mit Kindern zu sehen.

Derzeit seien die Flüchtlinge auf dem Mittelmeer zwar aus den Schlagzeilen verschwunden, sagte Aktionskünstler Sen der Deutschen Presse-Agentur. Doch täglich seien Boote unterwegs. Nach Angaben der Künstler hat Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) zugesagt, im Juni eine Entscheidung über das Angebot einer Leihgabe zu treffen. Unterstützung dafür kommt von der Linken-Parteichefin Katja Kipping. Der Bundestag könne damit «ein künstlerisches Mahnmal gegen das Vergessen» setzen, schreibt sie in einem Brief an Lammert.

Sen und Becker hatten im vergangenen Jahr in Frankfurt mit einem großen Wandbild über einen toten syrischen Flüchtlingsjungen Aufsehen erregt.

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