Emil Nolde
Regierung lässt Rückgabe von zweitem Gemälde unbegründet

Ein Bild aus Merkels Arbeitszimmer soll in eine Ausstellung zur NS-Vergangenheit des Malers Emil Nolde. Ein zweites Werk gibt die Kanzlerin auch gleich zurück. Warum (erst) jetzt, bleibt offen.

Freitag, 05.04.2019, 14:51 Uhr aktualisiert: 05.04.2019, 14:56 Uhr
Bundeskanzlerin Angela Merkel in ihrem Büro - im Hintergrund hängt ein Gemälde von Emil Nolde. Foto: Michael Kappeler

Berlin (dpa) - Die Bundesregierung hat die Rückgabe eines zweiten Gemäldes des NS-belasteten Malers Emil Nolde (1867-1956) aus den Arbeitsräumen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU) nicht weiter begründet.

«Es ist nicht die Sache der Bundeskanzlerin, hier historische Bewertungen vorzunehmen», sagte Regierungssprecher Steffen Seibert am Freitag während der Bundespressekonferenz in Berlin.

Die Stiftung Preußischer Kulturbesitz habe um die Rückgabe gebeten, sagte Seibert. Dabei ging es um das Gemälde «Brecher» von 1936, das von der kommenden Wochen an in der Berliner Ausstellung «Emil Nolde - Eine deutsche Legende. Der Künstler im Nationalsozialismus» (12.4. bis 15.9.) gezeigt werden soll.

Zudem hing Noldes «Blumengarten (Thersens Haus)» (1915) als Leihgabe der Stiftung bei Merkel. «Es gab die Bitte der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Die Bundeskanzlerin ist der Bitte gerne nachgekommen und hat in dem Zusammenhang entschieden, dass sie auch das zweite, in ihrem Arbeitszimmer befindliche Bild an den Eigentümer zurückgibt», sagte Seibert.

Eine Bewertung Noldes vermied Seibert. «Ich denke, dass ich als Regierungssprecher wirklich nicht der Richtige bin, um hier eine fundierte kunsthistorische oder auch historische Diskussion zu führen», sagte Merkels Sprecher. Die neue Ausstellung in Berlin fuße auf neuen wissenschaftlichen Forschungsergebnissen.

Nach der Ausstellung sollen die Noldes nicht wieder ins Kanzleramt. «Die Bilder verbleiben beim Eigentümer, der Stiftung Preußischer Kulturbesitz», sagte Seibert. Merkel umgibt sich künftig mit den zwei Bildern «Haus unter Bäumen» (1910) und «Häuser am Kanal» (1912) des Expressionisten Karl Schmidt-Rottluff (1884-1976). «Das war ein Angebot der Stiftung Preußischer Kulturbesitz», sagte Seibert. «Schmidt-Rottluff war ein von vielen Menschen sehr geliebter expressionistischer deutscher Maler.» Darüber hinaus könne er keine weitere Bewertung geben.

Nolde wurde von den Nazis als «entarteter Künstler» diffamiert. Viele Arbeiten waren beschlagnahmt. Gleichzeitig war der Maler NS-Parteimitglied, Antisemit, Rassist und überzeugter Nationalsozialist. Dies will die Ausstellung weiter ausleuchten.

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