Kitchen Sink
Nadine Shah: Mit Groove-Rock gegen Genderklischees

Als brave Frau am «Kitchen Sink», dem Spülbecken, sieht sich Nadine Shah ganz gewiss nicht. In elf kraftvollen, selbstbewussten Indie-Rocksongs macht die Engländerin gegen Genderklischees mobil.

Mittwoch, 01.07.2020, 13:51 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 13:54 Uhr
Die Songs von Nadine Sha drehen sich um die Lebenswirklichkeit von Frauen. Foto: Fraser Taylor

Berlin (dpa) - Man hört schon in den ersten lasziv groovenden Takten des Album-Openers «Club Cougar», dass die Talking Heads zu den Lieblingskünstlern von Nadine Shah gehören. Auf dieser Postpunk- und Afro-Funk-Basis macht die britische Singer-Songwriterin mit norwegisch-pakistanischen Wurzeln musikalisch etwas sehr Eigenes.

Auch ihre Texte sind den Hype wert, der spätestens seit dem für den Mercury-Prize nominierten Album «Holiday Destination» (2017) um Shah entstanden ist. «Kitchen Sink» (Infectious Music/BMG/Warner), der Ende Juni erneut unter großem Kritikerbeifall erschienene Nachfolger, ist eine der interessantesten, selbstbewusstesten Frauen-Rockplatten des Jahres. Zumal die 34-Jährige auch noch mit einer Stimme aufwarten kann, die der großartigen Anna Calvi in ihrer dunklen Pracht und dramatischen Kraft in nichts nachsteht.

Immer wieder setzt sich Shah auf dem neuen Album mit Erwartungen an sie als Frau auseinander. Etwa im Stück «Ladies For Babies (Goats For Love)» - nach eigener Aussage «eine direkte Antwort auf «All That She Wants» von Ace of Base. Ich habe das Geschlecht vertauscht und mache mich über einen Ehemann lustig, der von mir als Ehefrau nichts anderes erwartet, als sein Kind zu gebären und die Rolle der unterwürfigen Trophy Wife zu spielen.»

Viele Songs auf «Kitchen Sink» hätten «einen Bezug zu Sexismus und Tradition», sagt Shah. Es geht aber nicht nur um sie selbst - die elf Tracks nehmen Geschichten anderer Frauen und deren unterschiedliche, aber auch sehr ähnlichen Erfahrungen auf. Wer Gesellschaftskritik und Gender-Themen in kraftvolle, treibende Indie-Rocksongs verpackt mag, der liegt bei Nadine Shahs neuer Scheibe definitiv richtig.

© dpa-infocom, dpa:200701-99-633447/3

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