Kongeniales Duo
Schweres so leicht: Bebel Gilberto und Thomas Bartlett

Die Tochter von Bossanova-Legende João Gilberto ist seit 20 Jahren selbst ein Star im Grenzbereich zwischen brasilianischer Musik, Pop und Jazz. Auf «Agora» arbeitet Bebel Gilberto mit US-Studiocrack Thomas Bartlett zusammen.

Mittwoch, 02.09.2020, 08:00 Uhr aktualisiert: 02.09.2020, 08:02 Uhr
Unendlich sanfte Stimme: Bebel Gilberto. Foto: Label

Berlin (dpa) - Eine sanftere, sinnlichere Stimme als die von Bebel Gilberto ist kaum denkbar. Unendlich entspannt gleitet ihr so schwereloser wie starker Gesang auch auf dem neuen Album «Agora» (Pias) durch warme Harmonien und portugiesischsprachige Texte.

Für den musikalischen Background sorgt auf Gilbertos erster Studioplatte seit sechs Jahren der US-amerikanische Multiinstrumentalist Thomas Bartlett, aus zahllosen Kooperationen im Indiepop-Sektor auch bekannt unter dem Alias-Namen Doveman. Was dieser geniale Musiker an hauchzarten Keyboard-Melodien, federleicht geklöppelten Bossa/Samba-Rhythmen und liebevollen, oft erst unter dem Kopfhörer so richtig wirksamen Soundeffekten um die brasilianische Sängerin herumdrapiert, ist atemberaubend.

Bartlett (38) hat unter anderem mit hoch anerkannten Kollegen wie Sufjan Stevens, St. Vincent, The National, Yoko Ono oder Norah Jones zusammengearbeitet. Die mehrfach für Grammys nominierte Bebel Gilberto (54) wiederum ist eine Tochter von Bossanova-Ikone João Gilberto und Miúcha, der Schwester von Chico Buarque, also zweier Legenden der Musikszene Brasiliens.

«Ich habe viel durchgemacht, während wir diese Platte geschrieben und aufgenommen haben», verrät die Sängerin. «Ich verlor meinen besten Freund, sechs Monate später dann meine Mutter und nochmal sechs Monate danach meinen Vater. Es war sehr schwer - und ist es noch.»

Für «Agora» habe sie daher «mit meinen langjährigen Freund Thomas Bartlett» eine andere Herangehensweise gewählt. «Thomas vertraute mir - und er ließ mich sein, wie ich bin. Das Album ist im Ergebnis ein bisschen verrückter, reifer und extrem ernsthaft.»

Tatsächlich klingen die Rhythmen, die Bebel Gilbertos Songs sonst auch schon mal in Richtung einer prickelnden Cocktailparty-Musik bewegt hatten, auf «Agora» so gedämpft und dezent wie noch nie. Und doch wirkt das Schwere ihrer Melancholie hier ganz leicht. Die traumhaft schöne Stimme der 1966 in New York geborenen Sängerin hat viel Raum, man meint als Hörer direkt neben ihr zu stehen - eine beispielhaft geschmackvolle Produktion.

Bekannt wurde Bebel Gilberto vor 20 Jahren mit ihrem Soloalbum «Tanto Tempo», sie war außerdem Gastsängerin für den großen Caetano Veloso und andere brasilianische Topstars. Auch auf «Bebel Gilberto» (2004), «Momento» (2007), «All In One» (2009) und «Tudo» (2014) bewies sie ihre Fähigkeit, südamerikanische Musik mit Pop und Jazz zu verschmelzen. «Agora» ist nun ein weiteres Highlight dieser außergewöhnlichen «Weltmusik»-Karriere.

© dpa-infocom, dpa:200828-99-348085/4

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