Toto-Mitglieder
Solo-Trips von Steve Lukather und Joseph Williams

Als Mitglieder von Toto stehen Gitarrist Steve Lukather und Sänger Joseph Williams seit langem gemeinsam auf der Bühne. Nun bringen die beiden Schulfreunde gleichzeitig Soloscheiben raus.

Mittwoch, 03.03.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 03.03.2021, 06:02 Uhr
Toto haben eine kleine Pause eingelegt. Das haben Steve Lukather (l) und Joseph Williams für Soloalben genutzt. Foto: Valentin Flauraud

Los Angeles/London (dpa) - Steve Lukather ist ein Musiker der alten Schule, und zwar im besten Sinne. Der Toto-Bandleader nimmt ein Album immer noch am liebsten live und direkt im Studio auf. So auch sein neues Solowerk.

«Ich hab die Platte gemacht, weil ich mich gefragt habe, ob ich das noch drauf habe», sagt Lukather im Zoom-Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur. «Kann ich noch ins Studio gehen mit ein paar Jungs, ohne vorher zu proben, einfach Noten aufstellen und los?»

Er kann. Das Ergebnis heißt «I Found The Sun Again» und erscheint parallel zur neuen Soloscheibe seines Kumpels und Toto-Sängers Joseph Williams, die «Denizen Tenant» heißt. Man hat sich dabei gegenseitig unterstützt. Obendrein wirken diverse frühere Weggefährten mit.

«Wir wussten, dass Toto ab Ende 2019 sowieso erstmal eine Weile pausieren würden, deswegen hatten wir uns schon darauf eingestellt, zu Hause zu sein», erzählt Williams im dpa-Interview. «Ich hab mir gedacht, das wäre die perfekte Zeit für ein Soloalbum. Durch das Coronavirus hatte ich mehr Zeit, mich darauf zu konzentrieren.»

Lukather hatte mehr zu tun. «Ich bin jetzt 63 Jahre alt und habe ein ziemlich verrücktes Leben gelebt, ohne Unterbrechung», sagt er. «Ich hab die Pause genutzt, um mich in Ordnung zu bringen, mir zu vergeben und die Vergangenheit hinter mir zu lassen.» Er zeigt auf sein alkoholfreies Bier und tippt sich scherzhaft schnupfend an die Nase. «Zu viel, zu laut, zu schnell, bäh, dieser Typ bin ich nicht mehr.»

Wie auf früheren Soloscheiben hat der begnadete Gitarrist, der als Sessionmusiker auf Michael Jacksons «Thriller» und mehr als 1500 Alben mitgewirkt hat, seine Gefühlswelt vertont. «Ich habe mich verliebt», erzählt Lukather fröhlich. Der Titelsong sei eine Liebeserklärung an seine Freundin. «Sie hat mein Leben verändert.»

«I Found The Sun Again» ist das erwartet gitarrenlastige Album - mal funky («Serpent Soul»), mal jazzig-progressiv («The Low Spark Of High Heeled Boys» ist zehn Minuten lang). Bei «Journey Through» fühlt man sich an Jeff Becks «Cause We've Ended As Lovers» erinnert. Beim launigen «Run To Me» sitzt Ex-Beatle Ringo Starr am Schlagzeug. In dessen All-Starr Band ist Lukather seit vielen Jahren Mitglied.

Williams hat nach eigener Aussage einen Haufen Songs aufgenommen, die er gern im Auto hören würde. «Never Saw You Coming» ist eher düster. «Black Dahlia» mit Totos Tastenguru David Paich groovt seicht im Stil des «Yacht Rock» der 70er und 80er Jahre. «Obwohl es sehr nach Steely Dan und so klingt, ist das Lied für mich eine Art Begleitstück zu (Totos 88er Hit) 'Pamela'», berichtet Williams, «denn es geht um dieselbe Person.» Es soll sich um eine frühere Freundin handeln.

Mit Tochter Hannah covert Williams «Don't Give Up» von Peter Gabriel und Kate Bush. «Der Text kann auch ein Gespräch zwischen Vater und Tochter sein», meint der 60-Jährige. «Hannah ist eine wundervolle Sängerin», schwärmt Williams. «Seit ihrer Kindheit ist sie ein echter Profi. Das Witzige ist, dass sie Psychologie studiert.» Musik liegt in der Familie. Williams' Mutter Barbara Ruick war Sängerin, sein Vater ist Filmkomponist John Williams («Star Wars», «Jurassic Park»).

Echtes Toto-Feeling kommt auf «Denizen Tenant» kaum auf. Dafür ist die Mischung zu willkürlich. Aber die US-Band, die in den 70ern und 80ern reihenweise Hits wie «Hold The Line» und «Africa» produzierte, steht kurz vor dem Comeback. «Ich will wieder spielen», sagt Steve Lukather. Tourdaten für Deutschland sind bereits veröffentlicht.

Williams war von 1986 bis 1988 Frontmann und ist seit 2010 durchgängig dabei. David Paich und Steve Porcaro möchten nicht mehr auf Tour gehen. Darum gibt es nun wieder ein neues Line-up. «Wir haben Musiker, die zu den besten in ihrem Fach gehören», betont Joseph Williams. «Und darum geht es in dieser Band.»

Mehr als einmal hatte Lukather das Aus von Toto verkündet. Lange hielt er es allerdings nie ohne seine Band aus. «Ich erzähle viel Mist, und dank des Internets werde ich täglich daran erinnert», scherzt er und versichert: «Ich liebe die Musik immer noch, ich liebe es zu spielen.»

Unzählige Besetzungswechsel haben Toto seit der Bandgründung 1977 überstanden. Nur Steve Lukather war in jeder Inkarnation dabei. «Ich war die einzige Konstante. Und ich atme noch.» Solange das der Fall ist, wird er mit Toto wohl in irgendeiner Form weiter Musik machen.

© dpa-infocom, dpa:210223-99-554401/3

Nachrichten-Ticker