Deutschrap
Zurück am Block - Haftbefehl mit «schwarzem Album»

Deutsch-Rapper Haftbefehl kommt auf seinem neuem «schwarzen Album» recht düster daher. Der Hesse kehrt zurück zu seinen Ursprüngen, in die kaputten Ecken von Offenbach und Frankfurt.

Sonntag, 02.05.2021, 06:00 Uhr aktualisiert: 02.05.2021, 06:02 Uhr
Haftbefehl kehrt zu seinen Wurzeln zurück. Foto: Ondro

Offenbach (dpa) - Keine zehn Monate nach seinem Comeback bringt Rapper Haftbefehl bereits wieder neue Musik heraus - und kehrt ein Stück weit zu seinen Wurzeln zurück.

«Das schwarze Album» ist sowohl Gegenentwurf als auch Fortführung des Vorgängers «Das weiße Album». Während Haftbefehl, der mit bürgerlichem Namen Aykut Anhan heißt, zuletzt noch eine neue Welt aufmachte, zieht es ihn nun wieder zurück zu seinen Ursprüngen - zu den Blocks und auf die Straße, in die kaputten Ecken von Offenbach und Frankfurt.

In den 13 zumeist düsteren Songs rappt Haftbefehl von kaputten Aufzügen und Crack-Küchen, von Koks-Orgien und dicken Autos. Unterstützung holt er sich auf seinem siebten Studioalbum von anderen prominenten Deutsch-Rappern wie Farid Bang, Bausa oder Kollegin Haiyti. Sein leiblicher Bruder Capo ist ebenso zu hören wie Newcomer Schmyt.

Anhan wurde in Offenbach geboren und lebt heute nach eigenen Angaben in Darmstadt und Stuttgart. Als er 14 Jahre alt war, nahm sich der Vater das Leben. Er kam mit Drogen in Kontakt, wurde kriminell und tauchte vorübergehend im Ausland unter. «Was man sich von mir abgucken könnte, ist, dass man aus nichts etwas erschaffen kann. Aber mich als Vorbild zu nehmen? In der Hinsicht vielleicht, aber in anderen Sachen glaube ich nicht», sagte er dem Hessischen Rundfunk.

Seinen großen Durchbruch hatte Haftbefehl vor bald zehn Jahren mit der Single «Babos wissen wer der Chabo ist» - und prägte damit das Jugendwort des Jahres (Babo: soviel wie Boss). In seinen Songs rappt er immer wieder in genreüblicher Manier (derb, brutal, sexistisch), für seine Sprache und Texte wird er aber auch vom Feuilleton gefeiert. Er selbst sagte gerade im «Spiegel»: «Bei mir ist Poesie dabei. Ich bin einer von wenigen Rappern über dreißig in Deutschland, die man laut im Auto hören kann, ohne sich peinlich zu fühlen.»

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