Theater
Deutschland aus den Augen eines Flüchtlingsmädchens

Heidelberg (dpa) - Besonders für Kinder ist die Flucht in ein anderes Land eine große Herausforderung. Über ihre abenteuerliche Reise und Ankunft in Deutschland hat Mehrnousch Zaeri-Esfahani ein Kinderbuch geschrieben. Dieses wurde nun als Theaterstück in Heidelberg uraufgeführt.

Sonntag, 16.02.2014, 12:15 Uhr
Veröffentlicht: Sonntag, 16.02.2014, 12:15 Uhr

Ein ernstes Thema im Kindertheater gewürzt mit viel Witz, Emotionen und Spannung. Bei der Uraufführung des Stücks «Weil wir kein Deutsch konnten» im Heidelberger Kinder- und Jugendtheater dreht sich alles um das kleine Mädchen Mehrnousch ( Anouk Wagener ). Die Zehnjährige flieht mit ihren Eltern und drei Geschwistern 1985 aus dem Iran über die Türkei nach Deutschland .

Die Familie stellt einen Asylantrag , der einige Jahre später anerkannt wird. Nach 75 abwechslungsreichen Minuten durch deutsche Flüchtlingsheime und Behördenstuben kommt die Familie in Heidelberg an und darf eine Drei-Zimmer-Wohnung beziehen. Die Inszenierung für Kinder ab zehn Jahren beruht auf der wahren Lebensgeschichte der 1974 geborenen Autorin Mehrnousch Zaeri-Esfahani. Vor allem jungen Besucher sind bei der Premiere am Samstag begeistert und spenden großen Beifall.

Die Diplom-Pädagogin Mehrnousch Zaeri-Esfahani lebt mit ihrem deutschen Mann und drei Kindern mittlerweile in Karlsruhe. «Dass das Stück auf die Bühne kommt, ist für die Familie wie eine seelische Reinigung», sagt die Schriftstellerin durchaus stolz. Nach der gelungenen Premiere hofft sie nun, dass ihre Vorlage für das Stück, ein autobiografisches Kinderbuch, rasch in einem Verlag erscheinen kann.

In ihrer Freizeit hatte sie bisher vor allem Gedichte und Kurzgeschichten geschrieben, die schon Preise gewannen. Sie bestand 1994 erfolgreich ihr Abitur an der Internationalen Gesamtschule in Heidelberg und studierte anschließend in Freiburg. Am Premierenabend trifft sie zwei frühere Lehrer, die ihr in der 5. Klasse das Schreiben beigebracht hatten und jeden Tag in der Mittagspause mit ihr und anderen Schülern mit Migrationshintergrund Deutsch lernten.

Unterstützt wird die Autorin bei ihrer Arbeit auch von ihrem vier Jahre älteren Bruder Mehrdad Zaeri, der den Kontakt zum Heidelberger Theater herstellte. Der in Mannheim lebende Zeichner steuerte für die von Franziska-Theresa Schütz inszenierten Uraufführung zahlreiche Bilder bei. Sie geben der Handlung als überdimensionale Bühnenbilder eine besondere Intensität. Dadurch kann das Gefühlsleben der Flüchtlingsfamilie und speziell von Mehrnousch für Kinder besser nachempfunden werden.

Denn die Tochter eines vorher angesehenen Arztes aus dem iranischen Isfahan fühlt sich nach einer 14-monatigen Odyssee durch die Türkei und Flüchtlingsheime in Deutschland anfangs fremd und wird immer wieder von Einheimischen mit ausländerfeindlichen Bemerkungen und Vorurteilen ausgegrenzt. «Als Flüchtlingskind gewöhnt man sich daran, jeden Tag gedemütigt zu werden», sagt Mehrnousch Zaeri-Esfahani. Bei ihr überwiegt im Rückblick aber die «Dankbarkeit», in Deutschland «leben zu dürfen». Eine Reise zu Verwandten in den Iran würde sie sich selbst nicht getrauen. «Zum Glück gibt es Facebook zur Kommunikation. Ich bin mit einem Christen verheiratet. Aus iranischer Sicht ist meine Ehe nicht gültig und ich habe drei uneheliche Kinder», sagt die lebenslustige und in sich ruhende Autorin.

Im Theaterstück verarbeiten die Kinder auch schwierige Situationen durch ihre Fantasie und ihren Wissensdurst. Es geschieht aber wegen der anfänglichen Sprachbarrieren ununterbrochen viel Kurioses und Komisches. Bei ihrer Ankunft als Asylsuchende am 25. Dezember in West-Berlin ist zum Beispiel kein Mensch zu sehen. Die Familie rätselt, wo sich die Menschen an diesem Tag verstecken, was die mit Weihnachten vertrauten Zuschauer amüsiert, aber zugleich nachdenken lässt.

Als die Familie in Heidelberg ihre erste Wohnung bezieht, klingelt es plötzlich an der Tür. Ein Staubsauger-Vertreter ist der erste unerwartete, aber freundlich aufgenommene Besuch. Dieser verschwindet jedoch rasch wieder, als er merkt, dass die Familie kein Bargeld, sondern nur Essensgutscheine und Wertmarken im Haus hat.

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