«Unterschiedliche Situationen»
Söder: Corona-Exitplan muss regionale Unterschiede beachten

Ein Thema dominiert derzeit die politische Debatte in Deutschland: Wann werden die im Zuge der Corona-Krise eingeführten Beschränkungen wieder gelockert oder aufgehoben? Nach Ansicht von Markus Söder könnten sich die Strategien der Bundesländer dabei durchaus unterscheiden.

Donnerstag, 09.04.2020, 14:04 Uhr aktualisiert: 09.04.2020, 14:06 Uhr
Schild unweit der Grenze von Bayern zu Österreich. Foto: Sven Hoppe

München (dpa) - Die Strategien der Bundesländer für den Weg aus dem Corona-Ausnahmezustand müssen nach Ansicht von Bayerns Regierungschef Markus Söder nicht zwingend komplett deckungsgleich sein.

«Tatsächlich ist die Situation regional unterschiedlich - in Bayern und Baden-Württemberg ist sie anders als in Mecklenburg-Vorpommern oder Schleswig-Holstein», sagte der CSU-Chef in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur in München. Im Norden sei von Anfang an das Infektionsgeschehen deutlich niedriger gewesen. «Insofern muss auch das gemeinsame Konzept in Deutschland den unterschiedlichen Situationen gerecht werden.»

«Es sollte so viel gemeinsam geschehen wie möglich. Leider scheren jetzt schon einzelne Länder aus. Wir sollten aber in Deutschland eine Linie behalten», betonte Söder. Generell müsse ohnehin abgewartet werden, ob sich die Zahlen weiter stabilisieren.

Söder warnte erneut davor, dass zu frühe Lockerungen sich später rächen könnten: «Wer aus Ungeduld zu früh und zu viel lockert, riskiert Leben. Das hat die EU in ihrem neuen Corona-Strategiepapier ausdrücklich bestätigt.»

Nach den Erfahrungen aus der Corona-Krise hält Söder überdies eine grundlegende Reform des Gesundheitswesens für unverzichtbar. Zwar glaube er, dass das deutsche Gesundheitssystem viel besser vorbereitet war als viele andere in der Welt. «Aber wir müssen nun noch einen deutlichen Zahn zulegen», sagte der Ministerpräsident.

Deutschland brauche eine Notfall-Versorgung, wenn es um Medikamente, Material und Produktionskapazitäten im eigenen Land gehe sowie eine bessere Bezahlung im gesamten Medizinsektor, betonte Söder. «Dazu gehört auch eine bessere Krankenhausfinanzierung, um für Notfälle und Intensivmedizin besser ausgestattet zu werden.» Söder zeigte sich zuversichtlich, dass sogar noch in der laufenden Legislaturperiode eine solch große Gesundheitsreform zu schaffen sei.

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