Dank an Kirchen
Steinmeier und Büdenbender besuchen Gottesdienst

Der zwangsweise Verzicht auf Gottesdienste wegen der Corona-Pandemie fiel den Gläubigen schwer. In vielen Ländern wird jetzt auch das kirchliche Leben wieder hochgefahren. Zu einem der ersten Gottesdienste in Berlin kommt ein prominentes Paar.

Sonntag, 10.05.2020, 14:05 Uhr aktualisiert: 10.05.2020, 14:08 Uhr
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender stehen mit Mund-Nasen-Schutz in der evangelischen St. Marienkirche in Berlin-Mitte. Foto: Christoph Soeder

Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat den Kirchen und Religionsgemeinschaften für ihre seelsorgerische Arbeit und die Bereitschaft zu Einschränkungen in der Corona-Krise gedankt.

«In der Corona-Pandemie haben sie sich von Anfang an verantwortungsvoll und umsichtig verhalten», sagte er am Sonntag nach dem Besuch eines Gottesdienstes in der St. Marienkirche in der Nähe des Alexanderplatzes in Berlin. «Sie nehmen Einschränkungen des religiösen Lebens in Kauf, um vor der Verbreitung von Corona zu schützen. Und sie sind neue Wege in der Seelsorge gegangen, um auch in dieser krisenhaften Zeit für die Gläubigen da zu sein.»

Der Bundespräsident besuchte den von Bischof Christian Stäblein gehaltenen Gottesdienst zusammen mit seiner Frau Elke Büdenbender. Stäblein erinnerte daran, dass es der erste Gottesdienst mit Gläubigen nach zehn Wochen sei. Für sie galten strenge Regeln. So durften maximal 50 Menschen den Gottesdienst besuchen. Es war verboten zu singen. Nur eine einzelne Sängerin begleitete die Organisten, die Gottesdienstbesucher summten mit. Auch das Abendmahl durfte nicht gefeiert werden. Alle Gläubigen trugen einen Mund-Nase-Schutz - auch Steinmeier und Büdenbender.

«Es war sehr schön, heute erstmals wieder einen Sonntagsgottesdienst zu besuchen», sagte Steinmeier im Anschluss. «Auch unter besonderen Bedingungen, mit Mundschutz und im kleineren Kreis, ist es diese Erfahrung von Gemeinschaft, die uns Menschen mit Zuversicht und Kraft erfüllt. Darauf haben viele Menschen wochenlang gewartet.»

Seit März durften wegen des Ansteckungsrisikos in Deutschland keine herkömmlichen Gottesdienste mehr abgehalten werden. Dies fiel Christen vor allem an Ostern schwer. Im Moment leiden im Fastenmonat Ramadan die Muslime unter den Beschränkungen. Viele Kirchengemeinden entwickelten alternative Formen wie Online-Gottesdienste - so auch die St. Marienkirche in Berlin.

Dort betonte Bischof Stäblein am Sonntag in einem Wort an die Gemeinde, Deutschland habe in den vergangenen Wochen einen Zusammenhalt gezeigt, «wie er fast einmalig ist, ganz gewiss für die jüngere Geschichte». Der für die Evangelische Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz zuständige Bischof betonte: «Mit großer Disziplin und klugen politischen Entscheidungen ist es gelungen, dass die Folgen des Virus eingedämmt, eingegrenzt werden konnten.»

An Abstand, Hygiene, Verzicht auf Kontakte, Verzicht auf Versammlungen hätten sich auch die Kirchen beteiligt und in großer Kreativität Gottesdienst und Glaubensleben in anderen Formen entwickelt. Heute taste man sich wieder zur Feier in körperlicher Anwesenheit vor. «In aller Vorsicht, denn niemand will, dass hieraus Ansteckungsquellen werden. Zugleich müssen wir lernen, mit dem Virus zu leben», sagte Stäblein.

Auch in anderen Bundesländern konnten am Sonntag erstmals wieder richtige Gottesdienste gefeiert werden, wenn auch mit ähnlich strengen Auflagen wie in Berlin. In Hamburg sagte Kirsten Fehrs, Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Norddeutschland, in ihrer Predigt: «Ich bin dankbar, wie glaube ich sehr viele, dass wir wieder Gottesdienst feiern können. Kleiner zwar, anders auch, aber: wir feiern.» Dies sei ein ganz neues Gefühl nach Wochen digitaler Gottesdienste. «Wir freuen uns heute über einen kleinen Teil an zurückgewonnener Gestaltungsfreiheit», sagte Fehrs laut Mitteilung.

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