ARD-«Sommerinterview»
Söder: März guter Zeitpunkt für Kür des Kanzlerkandidaten

Wer soll im kommenden Jahr für die Union ins Rennen ums Kanzleramt gehen? Nach Ansicht von Markus Söder sollten die Parteien bei der Beantwortung dieser Frage nichts überstürzen.

Sonntag, 02.08.2020, 16:50 Uhr aktualisiert: 02.08.2020, 22:40 Uhr
Markus Söder steht kurz vor dem Interview vor dem Reichstagsgebäude. Foto: Fabian Sommer

Berlin (dpa) - Wegen der Corona-Krise und aus Respekt gegenüber Kanzlerin Angela Merkel (CDU) kann sich CSU-Chef Markus Söder die Nominierung des Unionskanzlerkandidaten auch erst im März 2021 vorstellen.

«Corona verschiebt alles und führt dazu, dass wir auch alle Zeitachsen überdenken müssen», sagte der bayerische Ministerpräsident am Sonntag im ARD-«Sommerinterview». Zunächst müsse die CDU ihre interne Frage nach dem neuen Parteivorsitzenden klären, dann wäre es gut, wenn sich die Union Zeit nehme, zu überlegen, was die beste Aufstellung sei.

Hinzu komme auch aus Respekt gegenüber Merkel, «dass wir nicht ein halbes oder dreiviertel Jahr vorher eine Nebenregierung platzieren», sagte Söder. Die Union solle sich «möglichst lange Zeit» lassen, «um dann sozusagen aus einem Guss in einen möglichst erfolgreichen Wahlkampf zu gehen».

Ähnlich hatte sich Söder zuvor auch in der «Bild am Sonntag» geäußert: «Wir werden uns nach dem CDU-Parteitag einen Zeitpunkt für die Festlegung des Kanzlerkandidaten überlegen. Das muss nicht unbedingt der Januar sein, das kann auch erst im März 2021 stattfinden.» Ein zu langer Wahlkampf neben einer aktiven Kanzlerin sei wenig sinnvoll.»

Anfang Juni hatte Söder noch erklärt, die Frage, wer als Kanzlerkandidat der Union antrete, werde voraussichtlich im Januar nach der Wahl des neuen CDU-Chefs entschieden. Die Bundestagswahl findet voraussichtlich im Herbst 2021 statt. Die CDU kommt Anfang Dezember zu einem Parteitag in Stuttgart zusammen, um einen neuen Parteivorsitzenden zu wählen. Die CSU trifft sich eine Woche später in Nürnberg.

Um den CDU-Vorsitz - und so indirekt auch um die Kanzlerkandidatur - bewerben sich Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Armin Laschet, der Wirtschaftspolitiker Friedrich Merz und der Außenpolitiker Norbert Röttgen. Bei der Frage nach der Kanzlerkandidatur der Union liegen alle drei in Umfragen aber weit hinter Söder zurück. Der wiederum versichert stetig, sein Platz sei in Bayern. «Das ist nicht nur ein Satz, den man einfach daher sagt», sagte Söder in der ARD.

Natürlich freue es ihn, dass man ihm laut Umfragen auch andere Aufgaben zutraue, bekräftigte Söder in der «Bild am Sonntag». «Aber gleichzeitig wollen mich die Bayern als Ministerpräsidenten behalten.» Das ist für ihn sehr wichtig. «Die CDU hat das Vorschlagsrecht für den Kanzlerkandidaten und war immer die Kanzlerpartei. Es gibt gute Gründe, warum die CSU nie den Kanzler gestellt hat.» Er werde mit voller Kraft mithelfen, dass es Deutschland gut gehe - «aber meine Aufgabe ist in Bayern».

Söder warnte zudem die Union davor, den Wahlsieg angesichts der aktuellen Umfragen bereits als zu sicher anzusehen: «Jeder der glaubt, mit diesen Umfragewerten ins Kanzleramt zu surfen, der muss sich noch genau überlegen, wie es weitergeht.» Die aktuell hohen Werte der Union seien vielmehr dem Krisenmanagement der Kanzlerin geschuldet und es sei nicht sicher, dass das so bleibe. Die CSU werde alles dafür tun, damit die Union geschlossen in den Wahlkampf zieht.

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