Aufstieg mit Ausstieg
Kühnert will Juso-Politik in Bundestag tragen

Kevin Kühnert ist aus den Jusos rausgewachsen. Der 31-Jährige will in den Bundestag - trotz namhafter Konkurrenz aus der eigenen Partei.

Dienstag, 04.08.2020, 16:48 Uhr aktualisiert: 04.08.2020, 16:52 Uhr
Kevin Kühnert (SPD) spricht über seine Kandidatur für den Bundestag und die damit verbundene Aufgabe des Juso-Vorsitzes. Foto: Britta Pedersen

Berlin (dpa) - SPD-Vize Kevin Kühnert will die Politik der Jusos 2021 auch in den Bundestag tragen. Für einen Erfolg bei der Bundestagswahl müsse sich jedes SPD-Mitglied bestmöglich an der richtigen Stelle einbringen, sagte der 31-Jährige in Berlin.

Dies könne er als Kandidat für den Bundestag am besten tun. «Ich möchte gern die Veränderung, die wir als Jusos angestoßen haben, auch in die SPD-Bundestagsfraktion und ins Parlament hineinrücken», sagte Kühnert.

Zuvor hatte er angekündigt, das Amt des Juso-Vorsitzenden im Herbst niederzulegen und im Berliner Wahlkreis Tempelhof-Schöneberg für den Bundestag zu kandidieren. In den vergangenen Monaten sei der Entschluss gereift, «zu sagen, dass politische Ämter selbstverständlich keine Pokale sind, die man sich in die Vitrine stellt», sagte Kühnert. Die Jusos seien auch ohne ihn an der Spitze die wirkmächtigste Jugendorganisation in Deutschland und könnten dem SPD-Wahlprogramm ihren Stempel aufdrücken.

Bei seiner Kandidatur kann Kühnert mit Rückenwind im Wahlkreis rechnen. «Ich gehe davon aus, dass er für sein Vorhaben breite Unterstützung im Kreisverband hat», sagte der SPD-Kreischef von Tempelhof-Schöneberg, Lars Rauchfuß, der Deutschen Presse-Agentur. Er rechne damit, dass Kühnert im November als Direktkandidat gewählt werde.

Damit müsste sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller einen anderen Wahlkreis suchen, falls er ebenfalls für den Bundestag kandidieren will. Auch Müller hat seine politische Heimat eigentlich in Tempelhof. «Michael Müller hat bisher keine Kandidatur angekündigt. Ich sehe da keine Konfliktlage», sagte Rauchfuß. In den vergangenen Wochen habe es zahlreiche Gespräche zwischen Kühnert, Müller und ihm gegeben. «Kühnerts Ankündigung kam für niemanden überraschend.»

Offen ist, mit welchem Spitzenkandidaten die Berliner SPD in die Bundestagswahl zieht. Nach derzeitigen Umfrageergebnissen können weder Kühnert noch Müller mit Siegen in ihren möglichen Wahlkreisen rechnen. Beide müssten also auf eine gute Listenplatzierung setzen. «Die SPD Berlin ist gut beraten, für die Landesliste ein Team der besten Köpfe aufzustellen», sagte Kreischef Rauchfuß dazu. «In ein solches Team gehört dann im Falle einer Kandidatur natürlich auch Michael Müller.»

Der Regierende Bürgermeister gibt am 31. Oktober die Parteiführung ab. Die Berliner SPD will dann Bundesfamilienministerin Franziska Giffey und Fraktionschef Raed Saleh als Doppelspitze wählen. Am 19. Dezember soll der Spitzenkandidat für die Abgeordnetenhauswahl feststehen, die voraussichtlich zeitgleich zur Bundestagswahl stattfindet. Momentan hat Giffey die besten Karten.

© dpa-infocom, dpa:200804-99-36745/6

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