Debatte um Corona-Impfstoff
Curevac und Bayer kooperieren

Die beiden Unternehmen Curevac und Bayer wollen gemeinsam bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs schneller vorankommen. Die Bundesregierung setzt Hoffnung auf die Allianz - und wehrt sich weiter gegen Kritik.

Donnerstag, 07.01.2021, 10:59 Uhr aktualisiert: 07.01.2021, 11:02 Uhr
Die beiden Unternehmen Curevac und Bayer wollen gemeinsam bei der Entwicklung eines Corona-Impfstoffs schneller vorankommen. Foto: Gateau/Gollnow

Berlin (dpa) - Der Pharmakonzern Bayer und das Tübinger Biotech-Unternehmen Curevac ziehen bei einem Corona-Impfstoff an einem Strang.

Die beiden Unternehmen schlossen einen Kooperations- und Servicevertrag, wie sie am Donnerstag mitteilten. Unterdessen klingt die Kritik am Impfstart nicht ab. Die SPD warf Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) abermals vor, zu zögerlich bei der Bestellung gewesen zu sein.

Curevac sitzt schon seit längerem an der Entwicklung eines Impfstoffes, dessen Marktzulassung aber noch nicht absehbar ist. Bayer soll nun bei aufwendigen Arbeiten für die Zulassung und für die dafür nötige Studie mitmachen und zudem die Lieferketten im Blick haben. Dass Bayer auch die Produktion übernimmt, ist im Vertrag nicht enthalten. Zuvor hatte das Nachrichtenportal «The Pioneer» über die Allianz berichtet.

Im Dezember hatte Curevac grünes Licht für den Start seiner zulassungsrelevanten klinischen Phase-III-Studie für den Corona-Impfstoff «CVnCoV» erhalten. In dieser Phase geht es darum, die Sicherheit und Wirksamkeit bei Erwachsenen an Standorten in Europa und Lateinamerika zu prüfen. Auch der Impfstoff CVnCoV basiert auf mRNA - wie die bereits in der EU zugelassenen Produkte von Biontech/Pfizer und Moderna.

Mit ersten Ergebnissen rechnet Curevac Ende des ersten Quartals 2021. Für den Fall einer Zulassung hat sich die EU-Kommission für die EU-Staaten 405 Millionen Dosen gesichert. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) begrüßte die Nachrichten. «Ein weiterer Lichtblick am Horizont. Gut, dass wir starke Pharmaunternehmen im Land haben», schrieb er beim Kurznachrichtendienst Twitter.

Curevac-Chef Franz-Werner Haas zeigte sich erfreut über «einen weiteren starken Partner an unserer Seite». Sein Unternehmen hat nach eigenen Angaben gut 500 Mitarbeiter, Mehrheitseigentümer ist der SAP-Gründer Dietmar Hopp. Knapp ein Viertel (23 Prozent) gehört seit vergangenem Sommer der staatlichen Förderbank KfW und damit indirekt dem Bund. Mit dem Einstieg wollte Berlin das Unternehmen gegen eine mögliche Übernahme aus dem Ausland absichern. Curevac bliebe den Angaben zufolge Inhaber der Marktzulassung. Bayer hätte aber die Option, Inhaber der Zulassung in bestimmten Märkten außerhalb Europas zu werden.

Für die Bundesregierung ist die Kooperation von Curevac und Bayer ein weiteres Standbein, um bis zum Sommer die Impfung aller Bundesbürger zu ermöglichen, die dazu bereit sind. Die derzeit noch knappen Impfkapazitäten könnten sich auch wegen der Allianz Curevac/Bayer in einigen Monaten deutlich erhöhen.

Der bisherige Impfstart ist aus Sicht der SPD zu schleppend verlaufen. SPD-Bundesvize Kevin Kühnert kritisierte die bisherige Impfstoffbeschaffung in der «Rheinischen Post» und dem «General-Anzeiger» (Donnerstag). «Es ist doch so: Wenn ich die Nadel im Heuhaufen noch nicht finden kann, sie aber dringend brauche, dann kaufe ich doch erstmal zur Sicherheit den Heuhaufen, und zwar komplett.» Er bezog sich dabei darauf, dass lange nicht klar war, welche Impfstoff-Entwicklungen erfolgreich sein würden.

Spahn wehrte sich gegen Kritik. Im ZDF bekräftigte er am Mittwochabend: «Es ist am Anfang jetzt knapp. Das war klar, und das ist auch so.» Der neu zugelassene Moderna-Impfstoff werde in den ersten Wochen ebenfalls knapp sein, sagte Spahn. «Und dann ab dem zweiten Quartal wird es Zug um Zug besser.» Die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer verteidigte die Entscheidung für eine europäisch abgestimmte Beschaffung von Impfstoffen. «Der Kampf gegen Corona sei «immer nur so gut, wie wir es europäisch hinbekommen», sagte sie der Deutschen Presse-Agentur.

Während die Politik über den Impfstart diskutiert, wollen sich offenbar ausgerechnet von den Pflegekräften weniger impfen lassen als erwartet. Aus Sicht des Vorsitzenden der Ständigen Impfkommission (Stiko), Thomas Mertens, liegt das vor allem an fehlenden Informationen und Falschinformationen. «Sie dürfen nicht davon ausgehen, dass die Vorkenntnisse hinsichtlich eines mRNA-Impfstoffes beim medizinischen Personal im Durchschnitt so sehr viel besser sind als in der übrigen Bevölkerung», sagte Mertens der Deutschen Presse-Agentur.

Eine Pflicht zur Impfung im Kampf gegen die Pandemie soll es in Deutschland nicht geben. Diese wird von einer Mehrheit der Deutschen auch abgelehnt, wie eine Umfrage des Meinungsforschungsinstitut YouGov im Auftrag der Deutschen Presse-Agentur ergab. Demnach sprachen sich 56 Prozent gegen eine zwingende Immunisierung gegen das gefährliche Virus aus. 33 Prozent befürworteten einen solchen Schritt dagegen. 11 Prozent machten keine Angaben.

Wie das Robert Koch-Institut (RKI) am Donnerstag bekannt gab, meldeten die Gesundheitsämter in Deutschland 26 391 Corona-Neuinfektionen binnen eines Tages. Außerdem wurden 1070 neue Todesfälle innerhalb von 24 Stunden verzeichnet. Eine Interpretation der Daten bleibt schwierig, weil um Weihnachten und den Jahreswechsel Corona-Fälle laut RKI verzögert entdeckt, erfasst und übermittelt wurden.

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