G7-Außenminister besorgt
Myanmar: Aung San Suu Kyi soll angeklagt werden

Die Lage in Myanmar spitzt sich zu: Aung San Suu Kyi soll offenbar vor Gericht gestellt werden. Die G7-Staaten äußern sich jetzt gemeinsam - und fordern die umgehende Freilassung der Festgenommen.

Mittwoch, 03.02.2021, 15:38 Uhr aktualisiert: 03.02.2021, 15:40 Uhr
Unter Hausarrest - und Berichten zufolge bald vor Gericht: Aung San Suu Kyi. Foto: Kham

Naypyidaw (dpa) - Die neue Militärführung in Myanmar will die entmachtete Regierungschefin Aung San Suu Kyi nach deren Festsetzung anklagen.

Ein Mitglied ihrer Partei «Nationale Liga für Demokratie» (NLD) schrieb auf Facebook, die 75-Jährige solle wegen Verstößen gegen die Import-Export-Gesetze des Landes zur Verantwortung gezogen werden. Berichten zufolge sollen bei einer Hausdurchsuchung Funkgeräte in Suu Kyis Haus gefunden worden sein. Es werde geprüft, ob diese illegal ins Land gebracht worden seien.

Auch Staatspräsident Win Myint soll dem NLD-Mitglied zufolge in Zusammenhang Verstößen gegen die Corona-Auflagen angeklagt werden. In sozialen Netzwerken hatte es zuvor zahlreiche Berichte gegeben, wonach die Friedensnobelpreisträgerin Suu Kyi wegen Hochverrats vor Gericht gestellt werden sollte. Diese wurden aber nicht bestätigt.

Mratt Kyaw Thu, ein Journalist aus Myanmar, teilte im Internet Kopien von Schriftstücken der Polizei, in denen Einzelheiten zu den Anklagen angeführt sind. Demnach soll Suu Kyi bis zum 15. Februar festgehalten werden, damit Ermittlungen durchgeführt werden können.

Menschenrechtsaktivisten betonten, die Vorwürfe seien haltlos. «Diese Anschuldigungen sind lächerlich. Dies ist ein absurder Schritt der Junta, um zu versuchen, ihre illegale Machtübernahme (...) zu legitimieren», sagte Charles Santiago, ein malaysischer Abgeordneter und Vorsitzender der ASEAN-Parlamentarier für Menschenrechte.

Die G7-Außenminister haben den Putsch in Myanmar gemeinsam verurteilt und sich besorgt über die Festsetzung der entmachteten Regierungschefin Aung San Suu Kyi und anderer Politiker und Aktivisten gezeigt.

«Wir fordern das Militär auf, den Ausnahmezustand unverzüglich zu beenden, der demokratisch gewählten Regierung die Macht zurückzugeben, alle zu Unrecht Inhaftierten freizulassen und die Menschenrechte und die Rechtsstaatlichkeit zu respektieren», heißt es in der am Mittwoch veröffentlichten Erklärung der «Gruppe der Sieben», der neben Deutschland die USA, Frankreich, Großbritannien, Italien, Kanada und Japan angehören.

Das Militär im früheren Birma hatte sich in der Nacht zum Montag zurück an die Macht geputscht, nachdem vor zehn Jahren demokratische Reformen eingeleitet worden waren. Suu Kyi und Dutzende weitere Politiker wurden festgesetzt. Die Friedensnobelpreisträgerin soll sich seither im Hausarrest befinden. Wo sie sich genau aufhält, ist weiter unklar. Laut Militär sollen Vorwürfe des Wahlbetrugs bei der Parlamentswahl im November Grund für den Putsch gewesen sein. Suu Kyi hatte die Wahl mit absoluter Mehrheit gewonnen. Wahlbeobachtern zufolge gab es keine Beweise für die Vorwürfe des Militärs.

Die Streitkräfte haben einen einjährigen Ausnahmezustand über das südostasiatische Land mit knapp 54 Millionen Einwohnern verhängt. Anschließend soll es Wahlen geben, wie die Militärs ankündigten. Beobachter halten dies aber derzeit für unwahrscheinlich. Am Dienstag stellte die Armee ihr neues Kabinett vor, bestehend aus Generälen, ehemaligen hochrangigen Soldaten und Politikern einer vom Militär gestützten Partei.

Die Lage war aber sehr unklar, der Informationsfluss aus dem Land ist schwierig. Das neue Informationsministerium warnte die Bürger und die Medien in einer Mitteilung davor, in sozialen Netzwerken «Gerüchte zu verbreiten», die möglicherweise zu Unruhen führen könnten. Die USA und die EU drohen mit Sanktionen.

Der UN-Sicherheitsrat in New York konnte sich aber zunächst nicht auf eine gemeinsame Haltung einigen. Das mächtigste UN-Gremium konnte bei einer Sitzung am Dienstag in New York nach Angaben aus Ratskreisen zunächst keine entsprechende Stellungnahme aushandeln.

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