Coronavirus
Länder wollen Impfkapazitäten stark ausbauen

Langsam kommt mehr Impfstoff in den Bundesländern an. Findet der nun auch schnell den Weg in die Oberarme der Menschen? Eine Umfrage zeigt: Es könnte klappen. Auch die Hoffnung auf Lockerungen wächst.

Donnerstag, 25.02.2021, 17:50 Uhr aktualisiert: 25.02.2021, 17:52 Uhr
Eine Person wird im Impfzentrum in den Emslandhallen in Lingen mit dem Wirkstoff von Biontech/Pfizer gegen Covid-19 geimpft. Foto: Friso Gentsch

Berlin (dpa) - Mit der Ankunft von mehr Impfstoffen rechnen die Bundesländer bis Anfang April mit einem deutlichen Fortschritt bei den Impfungen gegen das Coronavirus.

In mehreren Ländern könnten die Impfkapazitäten bis dahin verdoppelt werden, wie aus einer Umfrage der Deutschen Presse-Agentur hervorgeht. Mehr Impfungen können gleichbedeutend sein mit mehr Freiraum für die Bürger. Ziel müsse es sein, einen Alltag zu ermöglichen, der Sicherheit bietet, aber auch praktikabel ist, sagte Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) «Zeit Online».

Die Länder hoffen auf einen schnellen Ausbau der Impf-Kapazität. In Bayern zum Beispiel soll sie von 46.000 Impfungen pro Tag bis April auf 111.000 steigen. In Baden-Württemberg könnten bis zu 60.000 Impfungen erfolgen. Derzeit sind es 14.000 bis 19.000. Zuwächse bis hin zu einer Verdopplung oder gar Vervielfachung der Möglichkeiten sind nach Länderangaben auch in Bremen, Brandenburg, Rheinland-Pfalz, Mecklenburg-Vorpommern, Schleswig-Holstein oder Thüringen möglich.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier räumte ein, dass der Start der Impfkampagne nicht perfekt gewesen sei. Gleichzeitig forderte er die Bundesbürger auf, beim Impfen gegen das Coronavirus weniger wählerisch zu sein. «Alle von der Europäischen Union zugelassenen Impfstoffe sind wirksam, sind verträglich», sagte Steinmeier am Donnerstag in einer Online-Veranstaltung vor Mitarbeitern aus dem Gesundheitswesen in Bayern.

Mit größeren Impfstoffmengen können die Länder bis Anfang April rechnen. So kündigte der Hersteller Biontech bis Ende März eine Gesamtmenge von mehr als 11,5 Millionen Impfdosen an. Von Moderna sollen bis dahin 1,8 Millionen Dosen an die Länder ausgeliefert werden. Hinzu kommen voraussichtlich rund 5,6 Millionen Dosen des Impfstoffs von Astrazeneca. Insgesamt könnten also bis dahin knapp 19 Millionen Impfdosen ausgeliefert worden sein.

Ob in Kürze auch in Hausarztpraxen flächendeckend geimpft werden kann, ist nach Angaben der Länder noch unklar. Einige wie Bayern, Brandenburg, Niedersachsen oder Rheinland-Pfalz planen erste Pilotprojekte. Brandenburg etwa will in einem Modellversuch bis zu 50 Hausarztpraxen einbinden. In anderen Ländern wie Hessen oder Schleswig-Holstein wollen sich die Verantwortlichen zunächst auf die Impfzentren konzentrieren oder planen noch nicht mit den Hausarztpraxen.

Mehr Impfungen könnte auch mehr Freiraum für die Bürger bedeuten. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) blickt daher zuversichtlich auf die kommenden Monate: «Ich gehe davon aus, dass wir im Sommer wieder im Biergarten sitzen können und die nächste Bundesliga-Saison auch wieder im Stadion verfolgen werden», sagte der Kanzlerkandidat der SPD der «Rheinischen Post».

Auch Spahn hält Lockerungen für möglich - dazu seien flexiblere lokale Lösungen sinnvoll. Das Infektionsgeschehen in den Kommunen sei inzwischen sehr unterschiedlich und erfordere unterschiedliches vorgehen. «Das kann bedeuten, lokal zu öffnen, aber eben auch wieder zu verschärfen, wenn es sein muss.» Ziel müsse es sein, einen Alltag zu ermöglichen, der Sicherheit bietet, aber auch praktikabel ist. Und da kämen auch die Schnell- oder Selbsttests ins Spiel.

Auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) machte am Donnerstag Hoffnung auf Lockerungen. Er sagte dem dem TV-Sender Welt, er persönlich glaube, dass man mit zusätzlichen Sicherheitsvorkehrungen, beispielsweise den Schnelltests, sowie mit neuen Reservierungsmöglichkeiten etwa bei Geschäften Öffnungen machen könne, obwohl die Infektionszahlen noch nicht so weit gesunken seien wie geplant.

Baden-Württemberg dringt auf eine schrittweise Lockerung des Corona-Lockdowns mit Hilfe von Schnelltests. In einem Impulspapier für die Bund-Länder-Beratungen am kommenden Mittwoch, das der Deutschen Presse-Agentur in Stuttgart vorliegt, schlägt das Land vor, unter anderem Teile des Einzelhandels und der Gastronomie sowie Museen auf diese Weise zu öffnen. Die Veranstalter und Betreiber der Einrichtungen «müssen dafür Sorge tragen, dass nur Besucherinnen und Besucher Zutritt erhalten, die einen negativen Test vorweisen können», heißt es in dem Papier.

Hessens Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) stellte der Bevölkerung seines Bundeslandes weitere Corona-Lockerungen im März in Aussicht. Wenn sich die pandemische Entwicklung nicht verschlechtere, sollten sich wieder fünf Personen aus zwei Haushalten treffen dürfen, sagte Bouffier bei der Präsentation eines Stufenplans in Wiesbaden. Kinder bis 14 Jahren werden dabei nicht mitgerechnet.

Deutschlands Intensiv- und Notfallmediziner forderten unterdessen eine Verlängerung des Lockdowns bis Anfang April. Drei Wochen mehr Disziplin seien entscheidend, um durch Impfungen eine schwer bis nicht mehr kontrollierbare dritte Welle zu vermeiden, sagte Gernot Marx, Präsident der Interdisziplinären Vereinigung für Intensiv- und Notfallmedizin (DIVI) am Donnerstag. Nach einem neuen Prognosemodell der Divi könnte ein Öffnen am 7. März die Zahlen schwer kranker Corona-Patienten in Kliniken exorbitant in die Höhe treiben, hieß es.

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