Kandidaten-Check
CDU und CSU vor der Kanzlerkandidaten-Entscheidung

Zwischen Ostern und Pfingsten soll es passieren: CDU und CSU entscheiden die offene Frage der Kanzlerkandidatur für die Bundestagswahl im September. Armin Laschet strebt, nachdem er im Januar CDU-Vorsitzender geworden ist, ins Kanzleramt; völlig unklar ist, ob Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Söder ähnliche Ziele hegt.

Samstag, 10.04.2021, 13:10 Uhr aktualisiert: 10.04.2021, 13:12 Uhr
Markus Söder (r.) und Armin Laschet im Gedankenaustausch. Foto: dpa

Kandidat Markus Söder:

Was will Markus Söder? Leistet sich der bayerische Ministerpräsident und CSU-Vorsitzende lediglich ein genüssliches Auskosten seiner inzwischen bundesweit hohen Popularität? Gönnt er sich im schwesterlichen Wettstreit mit der CDU das Sonnen auf den Spitzenplätzen aller Umfragen? Seine in den zurückliegenden Tagen geradezu mediale Omnipräsenz lässt diesen Schluss ebenso zu wie einen gänzlich anderen: Die Chance auf die erste CSU-Kanzlerschaft in der Geschichte der Bundesrepublik waren noch nie so gut; und Söder will es jetzt wissen. Nicht Steigbügelhalter für Armin Laschet sein, sondern sich als personelle Alternative profilieren und sich als Konkurrent positionieren.

Klar in der Ansage, plausibel in den Erläuterungen

Niemand hätte dem früheren Wadenbeißer, Scharfmacher und CSU-Intrigenschmied jemals eine solche Popularität zugetraut; sein von Beginn an beinhartes Corona-Management, begleitet von kommunikativ überzeugenden Auftritten, gern auch im Gefolge der Kanzlerin, ließen das Bild eines entschlossenen und kompetenten Machers entstehen. Klar in der Ansage, plausibel in den Erläuterungen. Sein mitunter großjungenhaft wirkendes Kokettieren mit der eigenen Tüchtigkeit übertünchte hier und da die durchaus problematische Corona-Lage im Bayern-Land.

Einerseits die Umfragen, andererseits die in jüngster Zeit zunehmenden Sticheleien gegen Armin Laschet sowie der demonstrative Schulterschluss mit der Bundeskanzlerin nähren den Eindruck, dass Söder sich tatsächlich im Wettstreit mit Laschet sieht und die Kanzlerkandidatur anstrebt. So kontert er die programmatische Rede Laschets zur Zukunft der Republik mit einem Interview im Spiegel, in dem er ein modernes Gesellschaftsbild einfordert: „Die Union muss sexy und solide zugleich sein, wir dürfen nicht altväterlich oder müde wirken.“

Es gibt gute Gründe, Hut nicht in den Ring zu werfen

Eine Bewerbung? Es gibt gleichwohl gute Gründe für Söder, seinen Hut jetzt nicht in den Ring zu werfen. Für die CSU ist der Machterhalt in Bayern das höchste politische Gut. 2023 stehen Landtagswahlen an; ist Söder dann in Berlin, braucht es einen neuen Kandidaten, verlöre er die Bundestagswahl, ginge er beschädigt zurück nach München. In der Summe ein hohes Risiko. Und: Über einen überproportional hohen politischen Einfluss muss sich im Falle einer unionsgeführten Bundesregierung kein CSU-Chef sorgen; bei den Koalitionsrunden ist er an Bord, in der Unionsfraktion ist die CSU-Landesgruppe eine feste Größe.

Außerdem: Warum sollte Söder, gerade 53 Jahre alt, jetzt für die Union bei der Bundestagswahl die Kastanien aus dem Feuer holen – mit dem Risiko einer Niederlage? Dann doch lieber 2023 in Bayern gewinnen, die bundespolitische Entwicklung aus sicherer Distanz beobachten und vielleicht für 2025 eine Kandidatur fürs Bundeskanzleramt ins Auge fassen...

Vieles spricht dafür, dass Söder, der Spieler, nicht antritt, aber mit aller Macht und Popularität möglichst viel für die CSU im Bund herausholen will.


Kandidat Armin Laschet:

Zwei ganz zentrale Fragen treiben in diesen harten Tagen und Wochen den NRW-Ministerpräsidenten Armin Laschet parallel zum ohnehin aufreibenden und tagfüllenden Pandemie-Krisenmanagement um: Welche persönlichen Zukunftspläne hegt sein bayerischer Amtskollege Markus Söder eigentlich; strebt er wie Laschet selbst die Kanzlerkandidatur für die Union an?

Die zweite Frage beschäftigt sich mit ihm selbst, seinen schlechten Umfrage- und Popularitätswerten, die seinen Ambitionen, das Erbe Angela Merkels als Bundeskanzler anzutreten, womöglich im Wege stehen. Laschets Versuche, dieses Tal der Defensive zu verlassen und sich an die Spitze der politischen Bewegung zu setzen, zeitigen bislang aber wenig Erfolg.

Gebremstes Echo auf Vorschläge und Themen

Am Dienstag vor Ostern hielt der neue CDU-Bundesvorsitzende im Konrad-Adenauer-Haus eine programmatische Rede, die sich mit drei Worten kurz zusammenfassen lässt: „Kein Weiter so.“ Laschet bezog sich dabei nicht nur auf das Corona-Krisenmanagement in der Republik, sondern vor allem auch auf die Zeit danach, die Zukunft: Wirtschaft, Staatsfinanzen, Entbürokratisierung, Digitalisierung, Klima, Bildungsgerechtigkeit. Er skizzierte ein Modernisierungs-Jahrzehnt mit breit aufspringendem thematischem Fächer. Das mediale Echo? Mager.

Eine Stunde später gab Söder in München eine viel beachtete Pressekonferenz zu einem Impf-Gipfel, einen Tag später ließ sich Laschet von TV-Moderator Markus Lanz regelrecht vorführen, was ihm insbesondere in den sozialen Medien Hohn und Spott bescherte. Lanz konfrontierte ihn immer wieder mit der Merkel-Kritik vom zurückliegenden Sonntag bezogen auf seine Corona-Öffnungspläne in NRW. Souveräne Auftritte sehen anders aus.

Seine Ankündigung, sich über die Ostertage über die nächsten Schritte der Pandemie-Bekämpfung Gedanken zu machen, löste er mit dem Vorschlag des Brücken-Lockdowns ein, der viele Fragen offenließ und selbst in den CDU-Reihen auf ein eher gebremstes Echo stieß. Den inhaltlichen Ansatz, einen notwendigen Lockdown zum Brechen der dritten Infektionswelle zu kombinieren mit einzelnen Öffnungsszenarien, vermochte er nicht nur nicht überzeugend zu kommunizieren; es entstand einmal mehr der Eindruck des Lavierens und Unentschlossenseins.

Corona-Bonus ist verbraucht

Ein weiteres Problem des CDU-Chefs: Der Corona-Bonus der Partei, der bis Ende vergangenen Jahren kontinuierlich anwuchs, ist verbraucht. Die Union steht bundesweit jetzt da, wo sie vor einem Jahr stand. Bei 28 Prozent, im Dezember waren es fast 40. Im Vergleich der Popularitätswerte zu Markus Söder sowie der Wahlaussichten gegen die Kanzlerkandidaten der anderen Parteien liegt der Aachener deutlich hinten. Das allerdings war auch schon beim Wahlkampf gegen Hannelore Kraft und im Wettstreit um den CDU-Vorsitz so – in beiden Fällen ging Laschet als Sieger vom Platz.

Söder könnte nur dann Kanzlerkandidat der Union werden, wenn der CDU-Chef, der ein Erstzugriff auf dieses Amt hat, verzichtet und es ihm anbietet. Damit ist eher nicht zu rechnen, denn die einflussreichen CDU-Landeschefs scheinen hinter Laschet zu stehen.

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