Konflikte
US-Marine bringt libyschen Öltanker vor Zypern auf

Tripolis/Nikosia (dpa) - Mit einer illegalen Ladung libyschen Öls kreuzte die «Morning Glory» mehrere Tage im Mittelmeer. Nun hat die US-Marine den Tanker geentert. Tripolis bedankt sich für die Aktion.

Montag, 17.03.2014, 16:42 Uhr

Bei einer nächtlichen Kommandoaktion haben Spezialeinsatzkräfte der US-Marine den mit libyschem Öl beladenen Tanker «Morning Glory» im Mittelmeer aufgebracht. Der Einsatz der Navy Seals sei auf Bitten der Regierungen Libyens und Zyperns erfolgt, teilte das US-Verteidigungsministerium morgen mit. Der Tanker sei staatenlos gewesen. Die Führung in Libyen bedankte sich bei den USA und Zypern für die Aktion.

Das Kommando der Navy Seals, das zum Sondereinsatzkommando Europa SOCEUR gehört, habe die «Morning Glory» am Sonntagabend in internationalen Gewässern südöstlich von Zypern geentert, hieß es. Der Einsatz sei von US-Präsident Barack Obama selbst genehmigt worden. Niemand sei verletzt worden.

Der Tanker, der ursprünglich unter nordkoreanischer Flagge fuhr, hatte das Öl Anfang des Monats im ostlibyschen Hafen Al-Sidra geladen. Dieser wird seit Monaten von einer selbsternannten Autonomieregierung kontrolliert. Die Separatisten hatten das Öl aus den von ihr beherrschten Förderanlagen am libyschen Staatskonzern vorbei an dubiose Zwischenhändler aus Ägypten verkauft.

Die libysche Regierung hatte mehrfach damit gedroht, das Schiff zu bombardieren. Die «Morning Glory» konnte aber Al-Sidra ungehindert verlassen. Anschließend irrte das Schiff jedoch im östlichen Mittelmeer umher. Bei den Separatisten handelt es sich um Banden, die sich aus den früheren Wachmannschaften des Ölverladehafens rekrutieren. Sie streben primär danach, Öl auf eigene Rechnung zu verkaufen.

Nordkorea bestreitet jede Verantwortung für den Tanker. Nach einem Vertrag mit dem ägyptischen Unternehmen Golden East Logistics habe das Schiff lediglich das Recht gehabt, die Flagge Nordkoreas «sechs Monate lang zu nutzen». Weil der Reeder den Vertrag gebrochen habe, habe Nordkorea dem Schiff die Registrierung entzogen, hieß es.

Das zyprische Außenministerium bestätigte, dass das Schiff von den Amerikanern geentert wurde. «Es ist unter der Kontrolle der USA. Es bewegt sich in amerikanischer Begleitung Richtung Westen», hieß es. Die Behörden in Nikosia hätten den Tanker das ganze Wochenende über beobachtet.

Die Regierung in Tripolis bedankte sich bei den Beteiligten für die Aufbringung des Tankers. «Öl ist das Rückgrat der Volkswirtschaft Libyens», hieß es in einer Stellungnahme, die in Tripolis veröffentlicht wurde. «Wenn damit - oder mit dem Vermögen oder mit der Zukunft des libyschen Volkes - gespielt wird, kann dies weder hingenommen noch ignoriert werden.»

In Libyen sorgen nicht nur bewaffnete Banden in Ölverladehäfen für Instabilität. In der östlichen Metropole Bengasi kamen bei der Explosion einer Autobombe fünf Menschen ums Leben, wie der Nachrichtensender Libya li kull al-Ahrar berichtete. Nach diesen Angaben wurden elf Menschen verletzt. Der Anschlag ereignete sich in einem Bezirk, in dem eine Kaserne der Armee und eine Oberschule liegen.

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