Frische Frühjahrsware
So startet die PS-Branche ohne Autosalon

Der Genfer Autosalon ist zwar der Pandemie zum Opfer gefallen und noch haben auch die Autohäuser geschlossen. Dennoch bereitetet sich die PS-Branche mit vielen Premieren aufs Autojahr 2021 vor.

Dienstag, 09.03.2021, 04:12 Uhr aktualisiert: 09.03.2021, 04:16 Uhr
M wie Motorsport: Die neue 4er Version von Haustuner M GmbH rollt zum Händler. Foto: Uwe Fischer

Berlin (dpa/tmn) - Eine gesichtslose Halle irgendwo am Stadtrand von Stuttgart. An der Tür Zugangskontrollen wie bei der Bank von England: Statt wie sonst Anfang März vor großem Publikum auf dem Genfer Autosalon zelebriert Mercedes hinter verschlossenen Türen die Weltpremiere des vielleicht wichtigsten Autos der Saison - diesmal digital übertagen. Corona macht auch vor einer neuen C-Klasse nicht Halt. Und das ist nicht das einzig ungewöhnliche an dieser Premiere.

Sondern auch darüber hinaus bricht die Stuttgarter Neuheit mit allen Trends dieser Saison. Denn wo sonst derzeit entweder SUVs oder Elektroautos oder im besten Fall elektrische SUVs enthüllt werden, geht es hier um eine Limousine und einen Kombi - die beide auch noch von einem Verbrenner angetrieben werden. Damit ist die C-Klasse - flankiert vom neuen Skoda Fabia, der im Herbst in die vierte Generation geht, und dem DS9, mit dem sich die Franzosen in der Oberklasse zurückmelden - allerdings eine rare Ausnahme.

SUVs, SUVs, SUVs - und sonst so?

Auch 2021 stehen die SUVs und die E-Autos auf der Premierenbühne in der ersten Reihe. Und im besten Fall kombinieren die Neuheiten beide Trends. So starten in diesem Frühjahr jede Menge elektrischer SUVs: Bei Skoda ist das der Enyag, bei Mercedes der EQA und bei BMW der iX3. Ford macht den Mustang zum elektrischen Reiter - das klassische Sportcoupé bleibt aber im Programm. VW erweitert die ID-Familie um den Vierer. Selbst der Porsche Taycan drängt als Cross Turismo mit mehr Bodenfreiheit und rustikalen Anbauteilen auf Wege abseits des Asphalts.

Außerdem stellt Volvo dem XC40 ein Coupé zur Seite und bietet diesen C40 als Antwort auf den BMW X4 gleich nur noch elektrisch an. Ein paar Newcomer aus China wie Aiways mit dem U5 oder MG mit dem ZS-EV stehen ebenfalls in den Startlöchern. Der neue Nissan Qashqai setzt noch auf Verbrenner, allerdings ausschließlich in elektrifizierten Varianten. Zu den wenigen Elektroautos mit mehr Bodennähe, also ohne SUV-Anleihen, zählen der Audi e-tron GT, der BMW i4 sowie der Ioniq 5, mit dem Hyundai eine neue Submarke für E-Autos einführt.

Bei aller neu entdeckten Liebe zum Elektroantrieb gibt es darüber hinaus allerdings noch eine ganze Reihe neuer SUVs, die weiterhin auf Verbrenner setzen. Dazu zählen die üblichen Verdächtigen mit Kleinwagen: Hyundai mit dem handlichen Bayon und Opel, wo der Mokka im Corsa-Format eben nicht nur als E-Auto zu den Händlern rollt. Und bei Toyota gibt's den Yaris Cross. Aber es gibt auch größere Brummer wie den Renault Arkana als bürgerliche Antwort auf den BMW X6.

Ferrari drängt als eine der letzten Marken ins Gelände

Überraschungsgäste gibt es aber auch: Maserati hat mit dem Grecale einen zweiten, diesmal etwas kleineren Geländewagen angekündigt. Und als einer der letzten Luxus- und Sportwagenhersteller wagt sich selbst Ferrari mit dem Purosangue jetzt bald ins Gelände.

Also gar nichts wirklich neues und richtig spannendes? Doch, denn die Elektromobilität erobert dieses Jahr auch ein neues Segment: Mit dem Artura legt McLaren den ersten Sportwagen für große Stückzahlen an die Leine. Zwar ist das nur ein Plug-in-Hybrid und die elektrische Reichweite liegt bei gerade mal 30 Kilometern. Doch ein Anfang ist damit gemacht und ein Verbrauch von 5,5 Litern für ein 330 km/h schnelles Auto zumindest in der Theorie ist nicht schlecht.

Und wer rein elektrisch auf die Überholspur will, kann sich auf Extremisten wie den Pininfarina Battista und den Rimac C-Two freuen, die mit jeweils knapp 1470 kW/2000 PS und Preisen um die zwei Millionen Euro neue Maßstäbe setzen wollen.

Frische Klassiker für Petrolheads

Trotzdem gibt es auch ein paar sportliche Autos nach konventioneller Machart, die als vielleicht letzte ihrer Art noch einmal der Fahrfreude allein mit der Macht des Verbrenners huldigen: Allen voran BMW M3 und M4, der Cupra Formentor mit dem ersten Fünfzylinder der Marke und der Porsche 911 GT3, der seinen Einstand gleich mit einem Rundenrekord auf der Nordschleife des Nürburgrings gegeben hat. Ach ja, und für Open-Air-Fans gibt es das Comeback des 4er Cabrios mit Stoffmütze und die überfällige Neuauflage des Mercedes SL, der ebenfalls wieder ein Textilverdeck tragen wird.

SUVs soweit das Auge reicht und fast jedes Auto mit Stecker - diesem Trend kann sich auch die Mercedes C-Klasse als Highlight des Frühjahrs nicht verschließen. Deshalb kündigt Mercedes neben dem serienmäßigen Mild-Hybrid für alle Versionen gleich auch einen Plug-in mit mehr als 100 Kilometern Reichweite an. Und weil alle Welt nach Offroad-Optik ruft, gibt’s den Kombi erstmals auch mit erhöhter Bodenfreiheit und neuen Anbauteilen auch als Allterrain.

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