Internationaler Frauentag
Büdenbender: Frauen sollen Digitalisierung gestalten

Am Internationalen Frauentag widmen sich der Bundespräsident und seine Frau einem besonderen Zukunftsthema - der Digitalisierung. Klar wird: Sie birgt Chancen, aber auch manche Risiken für Frauen.

Montag, 08.03.2021, 14:21 Uhr aktualisiert: 08.03.2021, 14:24 Uhr
Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender nehmen im Schloss Bellevue zum Internationalen Frauentag an einer Veranstaltung "Digitalisierung ist weiblich!" teil. Foto: Wolfgang Kumm

Berlin (dpa) - Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und seine Frau Elke Büdenbender haben Frauen dazu aufgerufen, die Digitalisierung aktiv mitzugestalten.

«Den Prozess der digitalen Transformation sollen sich jetzt bitteschön nicht auch noch die Männer unter die Nägel reißen», sagte Büdenbender am Montag in Berlin. «Wir haben viel zu gewinnen. Denn Digitalisierung bedeutet Wandel. Verhaltensmuster, Hierarchien, Kommunikationsformen und Entscheidungsprozesse werden aufgebrochen und erneuert. Das kann eine Chance für Frauen sein, die Digitalisierung politisch, technologisch und gesellschaftlich zu gestalten.» Steinmeier betonte: «Digitalisierung wird nur gelingen, wenn sie demokratischer - und wenn sie weiblicher wird.»

Bei der Diskussionsveranstaltung am Internationalen Frauentag zum Thema «Digitalisierung ist weiblich», kritisierte Büdenbender, Frauen seien auch im Jahr 2021 weder gleichgestellt noch gleich bezahlt. Männer und «ihre kulturellen Spielregeln» dominierten nach wie vor in Parlamenten, Parteien, Konzernen, Betrieben, Forschung, Unis, am Theater und Filmset, in der Chefredaktion oder im Verlag. «Dort, wo es um Einfluss geht, findet sich zuallermeist: ein Mann. Deshalb müssen Frauen weiter für die Gleichberechtigung kämpfen.»

Steinmeier nannte es «eines der größten männlichen Missverständnisse», wenn manche noch immer glaubten, die Gleichstellungsdebatte gehe sie nicht viel an. «Nein, es steht uns Männern gut zu Gesicht, wenn wir uns selbst für die Gleichstellung von Frau und Mann einsetzen, mehr noch: Wenn wir selbst aktiv dabei helfen und die Gleichstellung mit umsetzen, wo immer wir können, und zwar jeden Tag im Jahr.» Zudem gelte: «Wir Männer müssen Zivilcourage und Mut zeigen, wann immer Frauen gering geschätzt und für gleiche Arbeit nicht gleich entlohnt werden. Wann immer sie übergangen, missachtet oder angegriffen werden.»

Büdenbender sagte, die Digitalisierung verändere die Welt gerade rapide. «Wir sind mittendrin in dieser Entwicklung, die die Welt von morgen definiert - und damit auch entscheidend ist für die Stellung der Frau in der Welt von morgen.» Frauen hätten viel zu verlieren, insbesondere wenn sie an die Schattenseiten der Digitalisierung denke, sagte Büdenbender. «Verachtung, Hass und Gewaltaufrufe in den sozialen Medien richten sich ganz gezielt gegen Frauen, weil sie Frauen sind.»

Nach Darstellung der Vorsitzenden des Digitalrates der Bundesregierung, Katrin Suder, richten sich 83 Prozent aller Hasskommentare im Internet gegen Frauen. Dies schrecke Frauen ungemein ab. «Wir können als Gesellschaft nicht zulassen, dass dadurch sich systematisch ganze Gruppen verabschieden», sagte Suder in der Diskussionsrunde. Die Riesenchance von Digitalisierung für mehr Teilhabe von Frauen liege darin, dass sie bestehende männlich geprägte Strukturen aufbrechen könne. «Denn auf einmal kann ich meine eigene Reichweite, mein eigenes Netzwerk haben.»

Die Klima- und Meeresforscherin Prof. Antje Boetius sah Digitalisierung als Chance für Unabhängigkeit bei Karrierewegen. Familienfreundliches Arbeiten im Homeoffice könne Frauen helfen, es müsse dafür aber einen sehr klaren Rahmen geben. Denn: «Es besteht auch eine Gefahr im Verdrängen von Frauen an den Rand, ins Unsichtbare, raus aus Netzwerken, raus aus dem Wettbewerb, der nun mal in kreativen Jobs wie der Wissenschaft da ist.»

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