Ernährung
Produkte mit Lupinenprotein erobern Supermarktregale

Grimmen (dpa) - In Mecklenburg-Vorpommern wird hochwertiges Protein aus der Blauen Lupine gewonnen. Die neue Lebensmittelzutat kann tierische Proteine, Soja oder Fett ersetzen und bietet Allergikern, Veganern und Kalorienbewussten Alternativen. Aber nicht ohne Risiken.

Montag, 17.03.2014, 12:19 Uhr
Veröffentlicht: Montag, 17.03.2014, 11:27 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Montag, 17.03.2014, 12:19 Uhr

Vegane Mayonnaise, laktosefreies Speise-Eis, fettreduzierte Leberwurst und eifreie Nudeln: Hochfunktionelles Lupineneiweiß ist nach Auskunft von Katrin Petersen ein Allrounder. «Es kann in Lebensmitteln tierische Proteine ersetzen, Kalorien senken oder vegane Produktalternativen bieten», sagt Petersen. Die 44-Jährige ist Geschäftsführerin der Prolupin GmbH in Grimmen, die seit einem halben Jahr in industriellem Maßstab das pflanzliche Protein aus der Blauen Lupine gewinnt. Ganz ohne Risiken ist das Lupineneiweiß allerdings auch nicht, wie eine Studie zeigt.

Nach jahrelangen Versuchen in Neubrandenburger Laboren und ersten erfolgreichen Schritten auf den Markt eröffnete das Unternehmen vor einem halben Jahr seine Produktionsstätte in Grimmen. «Der Produktionsstart ist vielversprechend. Die Anlage konnte erfolgreich eingefahren werden», sagt Petersen.

Im August 2013 nahm das Werk am Rande der 12 000-Einwohnerstadt seinen Betrieb auf. In einem Tank vermischt ein überdimensionales Rührwerk die Lupinenflakes - geschälte, plattgewalzte und entölte Lupinensamen - mit Wasser zu einem zähflüssigen Brei. Über verschiedene Produktionsstufen werden durch die Steuerung von pH-Wert und Temperatur unter anderem Kohlenhydrate und Fasern entzogen, bis eine Art Lupinenmilch übrigbleibt. «Zu Pulver getrocknet hat es einen Proteingehalt von über 90 Prozent», sagt die Firmenchefin.

Die Technologie wurde von Experten des Fraunhofer-Instituts für Verfahrenstechnik und Verpackung in Freising entwickelt. Prolupin ist Lizenznehmer der Patente auf diese Technologie. Zunächst fand das Protein als laktosefreier Milchersatz im Speiseeis «Lupinesse» den Weg in die Edeka-Kette. Dann folgten andere Produktzweige: Zusammen mit der Möwe-Teigwarenfabrik haben die Prolupin-Produktentwickler an einer nährwertoptimierten eifreien Nudel getüftelt, die noch 2014 auf den Markt kommen soll.

Der Wursthersteller Greifen Fleisch aus Greifswald ersetzt Fett durch das pflanzliche Eiweiß, um damit den Kaloriengehalt seiner Leberwurst deutlich zu senken. «Mit Hilfe von Lupinenproteinen konnte eine fettreduzierte Leberwurst hergestellt werden, die sich weder in Streichfähigkeit noch im Geschmack von einer herkömmlichen Leberwurst unterscheidet», sagt Petersen.

Doch das Lupineneiweiß ist offenbar nicht frei von Risiken. Das Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) weist in einer Studie unter anderem auf berichtete Fälle von Kreuzallergien mit Erdnuss hin. Die Reaktionen reichen von Atemnot bis zum anaphylaktischen Schock. «Von 107 im Jahre 2002 in Frankreich gemeldeten Lebensmittelallergien, die mit anaphylaktischen Erscheinungen einhergingen, stand Lupinenmehl nach Erdnüssen, Nüssen und Schalentieren an vierter Stelle der allergieauslösenden Lebensmittel», schreibt das BfR mit Verweis auf eine französische Untersuchung.

Prolupin und das Fraunhofer Institut haben die Problematik von Lupineneiweiß-Allergien im Blick. Das Fraunhofer Institut hat in verschiedenen Forschungsprojekten die Frage nach der Häufigkeit an Lupinenallergien zusammen mit der Universitäts-Frauenklinik in Rostock und der Uni Jena untersucht. Bislang seien drei bestätigte Fälle über die Allergiezentren in Deutschland dokumentiert, deutlich weniger als Sojaeiweiß-Allergien. Bei Lupinenprotein seien deutlich geringere Zahlen erwartbar, sagt Petersen. «Allerdings muss weiter im Blick behalten werden, ob eine Zunahme des Konsums auch die Verbreitung von Lupineneiweißallergien fördert.»

Kundenanfragen für das Grimmener Lupineneiweiß kommen inzwischen nicht nur aus Deutschland, sondern auch aus europäischem Ausland und den USA. Der Umsatz der Prolupin GmbH soll 2014 die drei Millionen-Euro-Marke erreichen. Rund 1500 bis 2000 Tonnen Lupinen aus heimischen Anbau sollen in diesem Jahr verarbeitet werden.

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