Kapitalanlage
Karatbars: Gold im Vergleich der Anlageklassen

Wer rechtzeitig auf Gold setzte, ist auf der Gewinnerseite – sagt Karatbars-CEO Harald Seiz

Sein Vermögensportfolio mit Gold zu ergänzen, das wurde lange Spleen abgetan – und vor allem als Renditekiller. Denn Gold zahlt keine Zinsen, hieß es lange. Zudem stagnierte der Goldpreis über Jahre oder sank gar. Doch plötzlich, in der Krise, steht Gold wieder glänzend da. Wie aber schneidet das Edelmetall im Vergleich mit anderen Anlageklassen ab? Antworten gibt Karatbars-CEO Harald Seiz.

Mittwoch, 03.06.2020, 09:23 Uhr aktualisiert: 03.06.2020, 09:32 Uhr
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„Der Euro-Goldpreis erlebt gerade ein Allzeithoch . Damit straft das Edelmetall alle ab, die es als Investmentziel bereits totgesagt hatten“, freut sich Harald Seiz. Eindeutige Vorzeichen also für ein Durchdeklinieren der Anlageobjekte: „Die Krise offenbart die Stärke von Gold, nämlich als stabiler Anker. Wer nur auf Rendite setzte, hat mit anderen Investmentformen nun oft massive Verluste erlitten; vor allem wenn er alles auf eine Karte gesetzt hat“, erklärt Seiz.

Tagesgeld und Sparbuch kommen wegen der Niedrig- und gar Minuszinsen seit Jahren schon als Geldanlage nicht mehr in Frage. Viele Deutsche setzten daher auf Aktien oder Aktienfonds. „Je nach Unternehmen oder Fondsausrichtung konnte man hier ansehnliche Wertsteigerungen erleben, gepaart mit etwaigen Dividenden. Im März haben sich die meisten Kursgewinne und Zukunftsaussichten jedoch in Luft aufgelöst. Erholt haben sich nur jene Titel, deren Produkte und Dienstleistungen jetzt noch gefragt sind.“ Vor allem Aktien von Industriekonzernen, Konsumgüterproduzenten und der Tourismuswirtschaft liegen bis heute im Keller. Manche haben die Kurve bekommen. Andere schnellten nach oben – gerade beflügelt durch die Corona-Umstände. „All dies ist absolut nachvollziehbar und entspricht der Natur der Börse. Es zeigt aber auch schonungslos, dass Aktien schlichtweg Unternehmensbeteiligungen sind. Muss die Firma aufgrund behördlicher Anordnungen schließen oder bleiben die Kunden von heute auf Morgen weg, bricht auch der Kurs ein. Dieser Mechanismus wird in Schönwetterphasen oft vergessen“, urteilt der Karatbars-Chef.

Immobilien: Mehr Beton als Gold

Immobilien werden gern Betongold genannt. Das Kalkül der Investoren: Sie stehen solide da, steigen stetig im Wert und sorgen für regelmäßige Mieteinnahmen. „All dies funktioniert, solange diese Mietzahlungen eingehen. Fallen sie weg – weil der Mieter in einer Krise nicht liquide ist – kann sich das Investment sogar ins Minus drehen. Schließlich laufen auch die Kosten, wie Zinsen, Hausgeld oder Hausmeister, weiter. Gerade wer auf Gewerbeimmobilien gesetzt hat – ob direkt oder über Fonds – könnte je nach Branche der Mieter nun herbe Verluste erleiden“, meint Seiz.

Und wer auf Wertsteigerungen spekuliert hat, erlebt wohl ebenfalls böse Überraschungen: „Gerade Gewerbeimmobilien dürften im Wert deutlich sinken. Geschäfte beispielsweise werden künftig wegen des noch stärkeren Online-Shopping-Aufschwungs noch weniger gebraucht. Bei Büros wiederum werden wir einen dramatischen Einbruch sehen: Viele Mieter werden pleite gehen oder drastisch sparen müssen. Vor allem aber haben etliche Unternehmen während der Corona-Einschränkungen nun entdeckt, wie gut ihre Angestellten von zuhause aus arbeiten können. Die entsprechende Bürofläche werden sie künftig nicht mehr anmieten – ein Effekt, der in meinen Augen noch gar nicht ausreichend diskutiert worden ist“, wundert sich der Unternehmer.

Parallelen zum schweren und greifbaren Gold weist ausgerechnet ein virtuelles Anlageobjekt auf: Kryptowährungen. Je nach Zahlungssystem konnten Käufer hier teils gigantische  Gewinne einfahren. „Kryptowährungen werden – je nach Motivation des Anlegers – ähnlich dem Gold als Ersatz- und Fluchtwährung angesehen, also als Sicherheit und Alternative.

Daneben ziehen Kryptowährungen ihren Wert ebenfalls stark aus dem Glauben einer großen Gemeinschaft an den jeweiligen Preis. Anders als bei Gold aber mit dem Hauptziel von Wertsteigerungen.“ Und da enden für den Goldexperten schon die Gemeinsamkeiten. „Als Technologie und Verrechnungswerkzeug für Transaktionen sind Kryptowährungen – und die dahinterstehenden Blockchains – genial. Hier erfüllen sie nämlich zu allererst ihren Zweck. Wer auf Kurskapriolen setzt, muss damit rechnen, dass die Achterbahn auch einmal in die andere Richtung fährt.“

Das Fazit des Karatbars-Chefs fällt wenig überraschend aus: „Gold wird gerade in der Krise seiner Funktion als Stabilitätsanker gerecht. Jede Investmentklasse hat spezifische Eigenschaften und dazugehörige Anlagemotive, darunter auch regelmäßige Einnahmen. Gold kann all diese Zwecke abdecken, aber sorgt für Sicherheit und durchaus für ansehnliche Wertsteigerungen, wie man derzeit sieht.“ Für Seiz gehört das Edelmetall daher in jedes Portfolio. Angesichts der Krise plädiert er für höhere Anteile als sie früher oft empfohlen wurden. Er hält 15 Prozent für das Mindeste.

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