Girokonto
Wie Verbraucher das passende Konto finden

Geldinstitute buhlten um Kunden lange mit kostenlosen Girokonten. Doch inzwischen führen immer mehr Institute Gebühren ein. Welche Kosten sind noch angemessen - und welche nicht?

Mittwoch, 01.07.2020, 04:00 Uhr aktualisiert: 01.07.2020, 05:04 Uhr
Girokonten können teuer sein. Wem die Belastung zu hoch ist, der kann sich nach einer günstigeren Bank umsehen. Foto: Christin Klose

Berlin (dpa/tmn) - Das Girokonto wird im Durchschnitt immer teurer. Zwar gibt es noch viele Banken, die es kostenlos anbieten, doch auch dort lauern versteckte Gebühren. Oder es ist nur kostenlos ab einem bestimmten monatlichen Geldeingang.

Die Stiftung Warentest weiß, was die Kunden für Konten zahlen - sie untersucht seit Jahren regelmäßig die Preise für Kontoführung. Derzeit sind rund 300 Kontomodelle von 127 Banken in ihrer Datenbank. «Die Spanne reicht von gratis bis zu knapp 250 Euro pro Jahr», sagt Kerstin Backofen, Finanzexpertin bei der Stiftung Warentest.

«Bei einem Kunden, der das Konto online nutzt, sollte die Kontoführung nicht mehr als 60 Euro im Jahr kosten», sagt Backofen. Darin sollten dann auch die Girocard - die frühere EC-Karte - und alle Kontobuchungen enthalten sein. Wer mehr zahlt, könnte seine Nutzungsgewohnheiten überprüfen oder über einen Wechsel zu einer anderen Bank nachdenken.

Wie man sparen kann

Bei der Suche nach dem richtigen Preis spielen die eigenen Präferenzen eine große Rolle. «Wer sich bei einer Onlinebank wohlfühlt, der findet dort die preiswertesten Girokonten», sagt Josefine Lietzau von finanztip.de. Ob einem das Onlinebanking liegt, könne man auch erstmal mit einem Onlinekonto bei seiner Filialbank ausprobieren.

Wer den persönlichen Kontakt in der Filiale lieber mag, kann trotzdem sparen - denn nicht überall zahlen Kunden das gleiche. Mit einer Aufstellung aller Gebühren kann man sich einen guten Überblick verschaffen. «Lassen Sie sich eine Entgeltaufstellung von 2019 schicken», rät Niels Nauhauser, von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg. «Darin müssen die Banken sämtliche Kosten, Gebühren und Zinsen aufführen.»

Wenn Sparpotenzial vorhanden ist, kann man zuerst mit seiner Bank darüber sprechen. «Vielleicht gibt ein besseres Kontomodell, das Ihnen angeboten werden kann», sagt Josefine Lietzau.

So wechselt man die Bank

Auch wenn man sich eine neue Bank suchen muss, weil einem die alte nicht entgegenkommen kann oder will, muss man sich ein paar Gedanken machen, bevor man sein neues Konto eröffnet: Wie werde ich das Konto nutzen, wo bekomme ich Bargeld her und was kostet es? Gibt es ein Filialnetz oder komme ich mit Onlinebanking klar?

Wer ein passendes Konto gefunden hat, dem muss seine alte Bank sogar beim Wechsel helfen. «Die bisherige Bank muss eine Übersicht der Buchungen der letzten 13 Monate liefern und die neue Bank soll alle Zahlungspartner von der neuen Bankverbindung schriftlich unterrichten», sagt Kerstin Backofen. Selbst müsse man dann nur die Daueraufträge ändern und die hinterlegten Daten in Onlineportalen wie Amazon, so Backofen.

Altes Konto nicht gleich auflösen

Wichtig sei, das alte Konto nicht gleich aufzulösen, sagt Josefine Lietzau. «Etwa zwei bis drei Monate sollte man sein bisheriges Konto noch behalten. In der Zeit kann man sehen, ob alle die neue Kontoverbindung kennen.» Am besten lässt man auch noch einen kleinen Betrag auf dem Konto, falls doch noch eine Abbuchung kommt.

Noch einfacher und schneller ist ein digitales Konto zu wechseln. Die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg empfiehlt in diesem Fall, alle Dokumente - insbesondere die Kontoauszüge - rechtzeitig auf den eigenen Computer zu speichern. Denn nach Vertragsende ist es nicht mehr möglich auf die Daten im Onlinebanking zuzugreife. Und eine Nacherstellung der Dokumente kostet Gebühren.

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