Überschuldung steigt
Experten erwarten Welle von Privatpleiten

Durch die Corona-Krise sind nicht nur Unternehmen in eine Schieflage geraten. Auch auf viele Verbraucher dürften finanzielle Probleme zukommen. Experten rechnen mit einer hohen Zahl an Privatinsolvenzen.

Donnerstag, 03.09.2020, 17:08 Uhr aktualisiert: 03.09.2020, 17:12 Uhr
Rund 6,8 Millionen Verbraucher in Deutschland gelten bereits als überschuldet. Laut Experten werden private Insolvenzen in den nächsten Monaten deutlich zunehmen. Foto: Alexander Heinl

Hamburg (dpa) - Mehr Privatpleiten, aber weniger Firmeninsolvenzen. Nach Einschätzung des Informationsdienstleisters Crifbürgel wird die Zahl der Verbraucherpleiten in den nächsten Monaten deutlich zunehmen.

Durch die Corona-Krise steige die private Verschuldung, teilte Crifbürgel mit. Für viele überschuldete Verbraucher sorge nach seiner Einschätzung ein Schock auf der Einkommensseite in der Corona-Krise für ein erhöhtes Risiko einer Privatpleite. Soloselbstständige und Honorarkräfte aus unterschiedlichsten Branchen hätten von einem Tag auf den anderen ihr komplettes Einkommen verloren und seien unerwartet in eine finanzielle Schieflage geraten.

Crifbürgel geht im laufenden Jahr von bundesweit 85.000 und im nächsten Jahr von 100.000 privaten Insolvenzen aus. Im vergangenen Jahr waren es knapp 87.000. Seit ihrem Höchststand nach der Finanzkrise mit mehr als 139.000 Insolvenzen im Jahr 2010 sind die privaten Pleiten Jahr für Jahr zurückgegangen.

Auch das erste Halbjahr 2020 sah mit knapp 37.000 Privatinsolvenzen und einem Rückgang um 8,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum des Vorjahres noch gut aus. Doch bis Mitte März waren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für die meisten Verbraucher noch intakt. «Die Insolvenzstatistiken bilden vor allem die Vergangenheit ab und sind ein Blick in den Rückspiegel», sagte Crifbürgel-Geschäftsführer Frank Schlein.

Regional sind die nördlichen Bundesländer stärker von privaten Insolvenzen betroffen als die südlichen. Ganz vorn liegt Bremen mit 90 Fällen auf 100.000 Einwohner, vor Niedersachsen mit 68. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei 49 Privatinsolvenzen auf 100.000 Einwohner. Die wenigsten Fälle gibt es in Bayern (30), vor Baden-Württemberg (35) und Thüringen (36).

Trotz des bundesweiten Rückgangs im ersten Halbjahr gab es auch vier Bundesländer mit steigenden Fallzahlen. An der Spitze liegt hier abermals Bremen mit einem Plus von 8,3 Prozent, vor Sachsen (plus 2,5 Prozent), Baden-Württemberg (plus 2,3 Prozent) und Hessen (plus 1,6 Prozent).

© dpa-infocom, dpa:200903-99-413972/3

Nachrichten-Ticker