Patienten müssen weiter große Vorsicht walten lassen
Lungenkrankheit COPD und Coronavirus

Die Gefahr, sich mit dem Coronavirus zu infizieren, besteht in Deutschland trotz gesunkener Fallzahlen weiterhin. Wie die jüngsten Entwicklungen zeigen, kann es auch schnell zu regionalen Hotspots kommen. Menschen mit der Lungenkrankheit COPD haben ein höheres Risiko für eine Infektion und auch für einen unter Umständen schwerwiegenden Verlauf. Worauf Patienten achten müssen, beantwortet Professor Claus Franz Vogelmeier von der Uniklinik Marburg.

Donnerstag, 02.07.2020, 04:27 Uhr aktualisiert: 02.07.2020, 14:34 Uhr
Foto: Robina Weermeijer von Unsplash

Die chronisch-obstruktive Lungenkrankheit COPD („Chronic Obstructive Pulmonary Disease“) hängt mit einer chronischen Bronchitis zusammen. Durch andauernde Entzündungsreaktionen kommt es zu Veränderungen und Umbauprozessen, die zu einer bleibenden Verengung (Obstruktion) der Bronchien führen. Durch diese anhaltende Belastung der Atemwege haben Erkrankte ein höheres Risiko, sich mit dem Coronavirus zu infizieren , und müssen auch mit einem schweren Verlauf rechnen. Professor Claus Franz Vogelmeier ist Leiter der Klinik für Innere Medizin mit Schwerpunkt Pneumologie an der Uniklinik Marburg . Er hat in den vergangenen Monaten Daten ausgewertet und Fälle von Betroffenen betreut: „Wir müssen davon ausgehen, dass COPD-Patienten sich tatsächlich leichter infizieren können. Uns liegen auch erste Informationen einer Studie mit 50 Patienten vor, die in Aachen durchgeführt wurde. Mehr als 20 der Infizierten hatten eine COPD.“ Auch bezüglich des Schweregrads einer möglichen Erkrankung gibt es Erkenntnisse: „Die Verläufe scheinen schlimmer zu sein. Der Anteil der Patienten in China, die beatmet werden mussten, lag bei COPD-Patienten höher.“

Erkrankte sollten sich dementsprechend vorsichtig verhalten. Professor Vogelmeier: „Wer von seiner Diagnose weiß, muss jetzt ein wenig mehr auf sich aufpassen. Wenn sich zu den typischen Symptomen – Atemprobleme und Luftnot bei Anstrengung sowie Husten mit Auswurf – auch Fieber hinzugesellt, ist es unbedingt ratsam, sofort den Arzt zu kontaktieren. Es muss geklärt werden, ob eine Infektion mit Corona vorliegt.“ Auch Vorsorge sei wichtig, so der Pneumologe. „Neben den Empfehlungen, die für alle Menschen gelten, ist es wichtig, dass sich COPD-Patienten gegen Pneumokokken impfen lassen. So lassen sich sogenannte Superinfektionen vermindern, die bei mit dem Virus erkrankten COPD-Patienten gehäuft aufgetreten sind. Außerdem sollten sie im Herbst die Grippeimpfung wahrnehmen. Von ganz großer Bedeutung ist zudem körperliche Aktivität.“

Nicht zuletzt ist es für COPD-Patienten, die noch rauchen, ratsam, jetzt einen Stopp ernsthaft anzugehen. Professor Vogelmeier: „Rauchen ist in vielfältiger Hinsicht schädlich. Nach chinesischen Daten können sich Raucher leichter mit dem Corona-Virus infizieren und müssen einen schwereren Verlauf der Erkrankung befürchten. Es gab wohl nie einen besseren Zeitpunkt, mit dem Rauchen aufzuhören.“

Virus
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Therapie unbedingt weiter fortführen

Mit Beginn der Corona-Pandemie gab es Verunsicherungen darüber , ob kortisonhaltige Medikamente, die Asthma- und COPD-Patienten verschrieben werden, Infektionen mit dem Virus und folgende Erkrankungen begünstigen könnten. Professor Claus Franz Vogelmeier sieht dafür keine Veranlassung: „Üblicherweise inhalieren Patienten Medikamente, die ihre Bronchien weit stellen. Bei einem Teil der Patienten wird auch inhalierbares Kortison eingesetzt. Es gab Diskussionen, dass sich dadurch der Krankheitsverlauf bei einer Infektion mit dem Coronavirus verschlimmert. Dafür gibt es aber nach den bisherigen Erkenntnissen keinen Anhalt. Erkrankte sollten und müssen ihre Medikamente weiter einnehmen.“

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