Stimmen zur Legalisierung von Cannabis werden immer lauter
Ist das Ende der Prohibition in Sicht?

Weltweit schreitet die Legalisierung von Cannabisprodukten voran. In Deutschland wird Medizinalcannabis seit 2017 für therapeutische Zwecke zur Schmerzbehandlung verschreibungspflichtig zugelassen. Wirkstoffe wie das rauschfreie CBD (Cannabidiol) unterliegen einem Hype. Allerdings stoßen CBD Hanföle, Kristalle, Kapseln und andere Produkte, wie sie z. B. von Candropharm vertrieben werden, hierzulande immer noch auf einige Barrieren, welche es abzubauen gilt. Die Melange aus Bundesgesetzen wie dem BTM (Betäubungsmittelgesetz) und polizeilichen Vorgaben der Länder sorgen in Verbindung mit unterschiedlichen Auslegungen auf Gemeindeebene für Unsicherheiten und Restriktionen. Diese erscheinen aufgrund der Harmlosigkeit von CBD unverhältnismäßig und altbacken.

Donnerstag, 06.08.2020, 11:01 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 11:37 Uhr
Gewinnt Cannabis in Deutschland an Ansehen? Foto: pixabay.com / NickyPe

Ursachen des Verbots von Cannabis 

Dabei galten Hanf und seine daraus gewonnenen Produkte Jahrtausende lang als Segen für die Menschheit. Er lieferte strapazierfähigen Stoff für Kleidung und seine Öle waren schon den alten Chinesen aufgrund ihrer wohltuenden Wirkung bekannt. In der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts geriet Hanf weltweit in Verruf. Ein Bestandteil von den ca. 100 Wirkstoffen (Cannabinoide), welche sich aus der Cannabispflanze gewinnen lassen, löst eine berauschende Wirkung aus.

In Amerika wurde im Jahre 1933 die Prohibition für Alkohol abgeschafft und das Ministerium für Prohibition suchte ein neues Arbeitsfeld. THC (Tetrahydrocannabinol) mit seinen psychoaktiven Eigenschaften eignete sich hervorragend dafür, dem puritanischen Eifer der damaligen Zeit als neues Übel zu dienen, das es mit allen Mitteln zu bekämpfen galt. Es reichte den damaligen Verantwortlichen jedoch nicht, das Verbot im eigenen Lande einzuführen. Zuerst wurden Nachbarländer wie Mexiko gezwungen, sich der US-amerikanischen Drogenpolitik anzuschließen, was schließlich bis in die heutigen Tage zu einer Unzahl von Drogenkriegen führte. Auch die Verbündeten in Europa übernahmen in der Nachkriegszeit dieses Dogma. Cannabis wurde in Deutschland und weiteren Ländern zu Drogen wie Kokain, Heroin und Chrystal Meth gezählt und unterliegt bis heute zahlreichen Restriktionen.

Vernunft beginnt sich auch in Deutschland durchzusetzen

Die Mühlen der Justiz in Deutschland arbeiten langsam. Trotzdem erscheint mit der Zulassung von medizinischem Cannabis ein Licht am Ende des Tunnels. Diese Entscheidung hat die Potenz, die verhärteten Fronten zwischen Gegnern und Anhängern von Cannabis aufzuweichen. Allerdings bleibt die Situation unübersichtlich, vor allem im Bundestag. Befürworten Grüne, Linke und sogar die FDP einen offeneren Umgang mit Hanfprodukten, waren die Regierungsparteien bisher strikt gegen eine Liberalisierung. Zumindest in der SPD-Fraktion scheint jedoch ein Umdenken begonnen zu haben. Im Februar dieses Jahres wurde ein Positionspapier beschlossen, welche einen neuen Umgang mit Cannabis fordert. Dieses zielt vor allem auf die Entkriminalisierung ab.

Kleinstmengenbesitz soll in Zukunft nicht mehr dem Strafrecht unterliegen, sondern als Ordnungswidrigkeit eingestuft werden. Tausende Konsumenten, die bis heute als Straftäter verfolgt werden müssen, könnten dann mit einem Bußgeld belegt werden, was eine immense Entlastung der Gerichte bedeutet. Zudem plädieren die Initiatoren für eine Vereinheitlichung der Politik der Länder bezüglich der Kleinstbesitzgrenzen und fordern von den Kommunen Modellprojekte, um den besten Weg zur kontrollierten und legalen Abgabe von Cannabis zu erproben.

Als Vorbild wird das Bremer Modell genannt, welches sich an niederländischen Erfahrungen orientiert. Jugendschutz, Hilfen für Süchtige und die Eindämmung des Schwarzmarktes sind dabei die definierten Ziele. Auch die 2019 eröffnete erste staatlich gelenkte Plantage bei Neumünster in Schleswig-Holstein bläst in dieses Horn!

CBD Produkte in der Diskussion

Entschärft werden könnte die Diskussion vielleicht auch dahingehend, wenn das rauschfreie CBD nicht mit THC in einen Topf geworfen würde. So hat die WHO (Weltgesundheitsorganisation) schon 2017 festgestellt, dass CBD keine Nebenwirkungen hat und somit kein Risiko für die Gesundheit der Gesellschaft darstellt. Weder psychische noch physische Abhängigkeiten werden provoziert.

In Anbetracht der vielen positiven Erfahrungen bezüglich Schmerztherapie, Stressabbau bis hin zur Linderung von Demenz- und Krebsleiden könnte somit vielen Bundesbürgern eine erhöhte Lebensqualität zuteil kommen. In Verbindung mit den Versuchen, Cannabisprodukte in ihrer Gesamtheit unter Aufsicht staatlicher Programme zu entkriminalisieren, sind drogenspezifische Hotspots zukünftig vermeidbar.

Schließlich profitieren auch Staat und Wirtschaft von einer Liberalisierung. Eine florierende Cannabisindustrie wie in Kanada oder Kalifornien generiert einen nicht zu vernachlässigenden Anstieg von Steuereinnahmen und Arbeitsplätzen!

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