Bei Demenz
Vorsicht bei bestimmten Harndrang-Medikamenten

Sie lindern den ständigen Drang, auf die Toilette gehen zu müssen, doch können zulasten des Gedächtnisses gehen: Nicht nur Menschen mit Demenz und Parkinson sollten manche Arzneimittel lieber meiden.

Dienstag, 06.10.2020, 12:47 Uhr aktualisiert: 06.10.2020, 12:50 Uhr
Ständig «muss» man: Starker Harndrang ist eine besonders belastende Form der Blasenschwäche. Foto: Andrea Warnecke

Bonn (dpa/tmn) – Verschiedene Medikamente können Harndrang deutlich abmildern. Doch manche bergen für ältere Menschen womöglich unerwünschte Nebenwirkungen. Davor warnt die Deutsche Seniorenliga.

Viele Medikamente aus der Gruppe der sogenannten Anticholinergika beeinflussen die Leistung des Gedächtnisses demzufolge negativ – für Menschen mit Demenz oder Parkinson seien darum nur Anticholinergika geeignet, die nicht ins Hirn gelangen. Dieser Hinweis gelte auch generell für Menschen im hohen Alter.

Der Hintergrund: Um übersteigerten Harndrang zu lindern und das Fassungsvermögen der Blase zu erhöhen, hemmen diese Medikamente den Botenstoff Acetylcholin und beheben so die gestörte Signalübertragung zwischen Blasenmuskel und Gehirn, wie die Seniorenliga erklärt.

Acetylcholin komme aber nicht nur in der Blase, sondern überall vor, wo Nervenzellen sind – also auch im Gehirn: «Anticholinergika, die über die Blut-Hirn-Schranke ins zentrale Nervensystem gelangen, können daher das Denkvermögen beeinträchtigen.»

Für Menschen mit Gedächtnisstörungen, Parkinson oder Demenz eigneten sich deshalb nur Wirkstoffe, die aufgrund ihrer Molekülstruktur die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden. Damit der Arzt das korrekte Medikament gegen Harndrang verschreiben kann, sollten Patienten solche Grunderkrankungen unbedingt ansprechen.

© dpa-infocom, dpa:201006-99-843634/2

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