Weiterbildung
Weiterbildungsförderung – Diese Möglichkeiten gibt es

Eine Sprachreise ins Ausland, einen Computerkurs absolvieren, sich für ein Abendstudium entscheiden, den Meistertitel erwerben – die Weiterbildungsmöglichkeiten sind breit gefächert. Ähnlich sieht es bei der Förderung aus. Bildungshungrige haben verschiedene Möglichkeiten, ihre Weiterbildung oder Fortbildung fördern zu lassen. Doch nur die wenigsten wissen über ihre Optionen Bescheid. Wir zeigen, welche Möglichkeiten der Weiterbildungsförderung es gibt und erklären, wer welches Förderprogramm in Anspruch nehmen kann.

Freitag, 04.12.2020, 13:39 Uhr aktualisiert: 04.12.2020, 13:46 Uhr
Foto: Photo by Josefa nDiaz on Unsplash

Die neue Qualifizierungsoffensive

In vielen Branchen hat sich in den letzten Jahren ein Fachkräftemangel auf dem Arbeitsmarkt etabliert. Vor allem der Strukturwandel und die Arbeitswelt 4.0 sorgen für einen erhöhten Weiterbildungsbedarf. Weil Weiterbildung auch mit Kosten einhergeht, haben Arbeitnehmer und Arbeitgeber die Möglichkeit, eines von vielen Förderprogrammen durch Bund und Länder in Anspruch zu nehmen. Bei den Fördermöglichkeiten neu hinzugekommen ist das Qualifizierungschancengesetz. Eine Weiterbildung über das Qualifizierungschancengesetz ist seit dem 1. Januar 2019 möglich. Genau genommen handelt es sich bei dem Qualifizierungschancengesetz jedoch nicht um ein separates Förderprogramm, vielmehr soll die Qualifizierungsoffensive den Zugang zur Weiterbildungsförderung vereinfachen. Konkret bedeutet dies, dass der Zugang zu möglichen Förderungen einfacher gestaltet wird.

Von nun an sollen auch normal Beschäftigte, die im Berufsleben stehen, bei der Weiterbildung unterstützt werden. Die Förderung erfolgt dabei unabhängig von der Qualifikation des Arbeitnehmers, seines Lebensalters und der Betriebsgröße. Während Angestellte in kleineren Betrieben oftmals nicht die Chance hatten, die Aneignung neuer Qualifikationen vom Arbeitgeber fördern zu lassen, sieht dies nun anders aus. Weil Arbeitgeber mit dem Qualifizierungschancengesetz finanziell entlastet werden sollen, sieht das neue Gesetz sowohl die Übernahme der Weiterbildungskosten als auch der Lohnkosten vor. Wie hoch die Förderung ist, hängt von der Unternehmensgröße ab, wobei kleinere Unternehmen größeren Betrieben gegenüber stärker gefördert werden.

Voraussetzungen für die Förderung:

  • Die Ausbildung des Mitarbeiters muss mindestens 4 Jahre zurückliegen
  • Zwischen zwei Weiterbildungen muss ein Abstand von mindestens 4 Jahren liegen
  • Die Weiterbildung geht über eine ausschließlich arbeitsplatzbezogene, kurzfristige Anpassungsfortbildung hinaus
  • Die Weiterbildung muss von einem dafür zugelassenen Bildungsträger durchgeführt werden
  • Die Weiterbildung muss mehr als 160 Stunden umfassen

Weiterbildung fördern lassen – alle Möglichkeiten im Überblick

Nachfolgend stellen wir die einzelnen Förderprogramme für Weiterbildungsinteressierte vor und zeigen, welche Voraussetzungen zur Förderung erfüllt werden müssen.

Der Bildungsgutschein

Wem der Verlust seines Arbeitsplatzes droht oder wer eine bestimmte Weiterbildung benötigt, um einen anerkannten Bildungsabschluss zu erreichen, kann vom Bildungsgutschein profitieren. Auch eine Wiedereingliederung bei Arbeitslosigkeit ist möglich. Damit der Bildungsgutschein genehmigt wird, muss ein konkretes Bildungsziel vorliegen. Wird der Antrag bewilligt, kann man sich über eine Kostenübernahme der Weiterbildung freuen. Außerdem wird weiterhin Arbeitslosengeld gezahlt.

Die Bildungsprämie

Menschen mit einem geringen Einkommen können mit der Bildungsprämie finanzielle Unterstützung bei einer berufsbezogenen Weiterbildung erhalten. Wird der Antrag genehmigt, erhalten Bildungshungrige einen Prämiengutschein und einen Spargutschein. Zum förderfähigen Personenkreis gehört man, wenn man mindestens 15 Stunden pro Woche einer Erwerbstätigkeit nachgeht oder sich in Eltern- oder Pflegezeit befindet. Außerdem darf das zu versteuernde Jahreseinkommen nicht über 20.000 Euro (gemeinsame Veranlagung: 40.000 Euro) liegen.

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein (AVGS)

Der Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein nimmt eine Sonderstellung ein. Er kann nicht für Weiterbildungen verwendet werden. Stattdessen unterstützt er diejenigen finanziell, die ein Coaching absolvieren oder eine andere Qualifizierung erreichen möchten, um so ihre Jobchancen zu verbessern. Davon abgegrenzt werden muss der AVGS für private Arbeitsvermittlung (AVGS MPAV). Möchte man sich bei der Suche nach einem Job von einem entsprechenden Unternehmen unterstützen lassen, ist auch dies förderfähig.

Je nachdem, um welche Art von Aktivierungs- und Vermittlungsgutschein es sich handelt, übernimmt die Agentur für Arbeit oder das Jobcenter entweder die Kosten für die Bildungsmaßnahme oder die private Arbeitsvermittlung.

Die Weiterbildungsprämie

Bei einigen Weiterbildungen erhalten die Teilnehmer einen Abschluss in einem Ausbildungsberuf. Ist dies der Fall, ist eine Förderung mit der Weiterbildungsprämie möglich. Sowohl Umschulungen als auch Vorbereitungslehrgänge auf die Externenprüfung können jedoch nur dann gefördert werden, wenn die Ausbildungsdauer bei mindestens 2 Jahren liegt. Bei Umschulungen winkt bei erfolgreichem Bestehen der Zwischenprüfung eine Prämie von 1.000 Euro. Wer die Abschlussprüfung von Umschulungen bzw. von Externen-/Nichtschülerprüfungen besteht, kann nochmals 1.500 Euro erhalten.

Das Aufstiegs-BAföG

Alle Weiterbildungen, die einen beruflichen Aufstieg ermöglichen, fallen unter das Aufstiegs-BAföG. Mittlerweile kann aus mehr als 700 rechtlich geregelten Abschlüssen gewählt werden, wie etwa Meister/in, Betriebswirt/in und Erzieher/in. Voraussetzung ist eine abgeschlossene Berufsausbildung mit anschließender Berufspraxis. Auch Absolventen eines Bachelor-Studiums, Abiturienten und Studienabbrecher haben unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, diese Förderung in Anspruch zu nehmen. Dabei kann der jeweilige Vorbereitungslehrgang sowohl in Vollzeit als auch in Teilzeit stattfinden, muss jedoch eine Dauer von mindestens 400 Unterrichtsstunden umfassen.

Das Aufstiegsstipendium

Besonders begabte Fachkräfte mit abgeschlossener Berufsausbildung und Praxiserfahrung, die einen ersten akademischen Hochschulabschluss erwerben möchten, gehören zur Zielgruppe des Aufstiegsstipendiums. Wichtig ist nicht nur der Nachweis einer abgeschlossenen Berufsausbildung oder Aufstiegsfortbildung, es muss auch eine mindestens zweijährige Berufserfahrung vorliegen. Darüber hinaus ist ein Nachweis über die besondere Leistungsfähigkeit in Ausbildung und Beruf zu erbringen. Bei einer Bewilligung erhalten Antragsteller monatliche Stipendienbeträge und Büchergeld.

Das Weiterbildungsstipendium

Auch das Weiterbildungsstipendium richtet sich an begabte Menschen. Diese dürfen bei Aufnahme in das Programm jedoch höchstens 24 Jahre alt sein und müssen entweder arbeitssuchend sein oder eine wöchentliche Arbeitszeit von über 15 Stunden nachweisen. Werden weitere Voraussetzungen wie eine abgeschlossene Berufsausbildung in einem anerkannten dualen Ausbildungsberuf oder einem gesetzlich geregelten Fachberuf im Gesundheitswesen nachgewiesen, erhalten Bildungshungrige attraktive Weiterbildungszuschüsse.

Der Weiterbildungsscheck

In einigen Bundesländern können auch Weiterbildungsschecks, Weiterbildungsboni, QualiSchecks oder Bildungsschecks beantragt werden. Je nach Bundesland werden berufliche Weiterbildungen mit und ohne Abschluss bis zu einer Obergrenze gefördert. In der Regel werden Beschäftigte mit Migrationshintergrund, Ältere, Beschäftigte mit niedrigem Einkommen sowie ohne Schul- und Berufsabschluss bei der Entscheidung bevorzugt. Über das Infotelefon der Weiterbildungsberatung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (Telefonnummer: 0800/2017909) lässt sich Näheres herausfinden.

Fördermöglichkeiten der Bundesländer im Überblick

Finanzielle Unterstützung gibt es auch von einzelnen Bundesländern. Um den jeweiligen Weiterbildungszuschuss zu erhalten, muss man entweder im betreffenden Bundesland wohnen oder arbeiten.

Nachfolgend gewähren wir einen Überblick über einige Förderprogramme der Länder :

  • Bremen: Weiterbildungsscheck für Beschäftigte in Klein- oder Kleinstbetrieben
  • Hamburg: Weiterbildungsbonus für berufliche Qualifizierungen
  • Hessen: Qualifizierungsscheck zur gezielten Förderung bis zum Berufsabschluss
  • Nordrhein-Westfalen: Bildungsscheck für die berufliche Weiterbildung und Entwicklung
  • Rheinland-Pfalz: QualiScheck für die berufliche Weiterbildungen
  • Sachsen: Weiterbildungsscheck für berufliche Weiterbildungen
  • Sachsen-Anhalt: WEITERBILDUNG DIREKT zur Unterstützung von Älteren, Geringverdienern, Alleinerziehenden sowie Menschen mit Behinderungen
  • Schleswig-Holstein: Weiterbildungsbonus für berufliche Weiterbildungen
  • Thüringen: Weiterbildungsscheck für berufliche Weiterbildungsmaßnahmen
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