Karrieresprungbrett
Wie wird man staatlich geprüfter Techniker?

Vom Meister haben viele schon gehört. Aber auch die Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker kann ein Weg nach der Ausbildung sein. Wer durchhält, profitiert von der Weiterbildung.

Montag, 07.12.2020, 04:36 Uhr aktualisiert: 07.12.2020, 04:43 Uhr
Wenn es auf der Karriereleiter nach oben gehen soll, kann sich die Fortbildung zum staatlich geprüften Techniker anbieten. Foto: Daniel Ingold

Mannheim (dpa/tmn) - Wer beruflich weiterkommen will, kann verschiedene Fortbildungen machen und damit nicht nur eine bessere Position im Unternehmen erreichen. Meist geht das auch mit mehr Verantwortung und sogar mehr Geld einher.

Neben dem Meister gibt es auch die Weiterbildung zum Staatlich geprüften Techniker. Die wichtigsten Fragen und Antworten zur Fortbildung.

Welche Voraussetzungen muss man mitbringen?

Mindestens eine abgeschlossene Berufsausbildung mit Berufsschulabschluss und eine einschlägige Berufstätigkeit von eineinhalb Jahren. Wer die Technikerfortbildung in Teilzeit macht, kann die erforderliche Berufstätigkeit bis zur Hälfte während der Fortbildung ableisten.

Wo kann man die berufliche Fortbildung absolvieren?

An staatlichen beruflichen Schulen sowie bei diversen privaten Bildungsträgern, die allerdings entsprechend zertifiziert sein müssen. Sie kann in Vollzeit- und Teilzeit absolviert werden, auch in Fernlehrgängen. Sie sind meist teurer als staatliche berufliche Schulen.

Wie lange dauert die Fortbildung?

In der Regel sind mindestens 2400 Stunden Unterricht vorgeschrieben, so die Rahmenvereinbarung zu Fachschulen der Kultusministerkonferenz. In Vollzeit an einer beruflichen Schule dauert die Fortbildung dann zwei Jahre, in Teilzeit vier Jahre. Wer die Fortbildung berufsbegleitend absolviert, hat am Abend sowie am Wochenende Unterricht. Manche Schulen organisieren die Kurse auch blockweise.

Am Ende stehen sowohl schriftliche Prüfungen, also auch mindestens eine mündliche Prüfung. Zusätzlich erstellen die angehenden Techniker eine Abschlussarbeit, vergleichbar mit einer Bachelorarbeit.

Was kostet die berufliche Fortbildung?

Das variiert je nach Fachrichtung, Bundesland und Schulform. Staatliche Schulen verlangen in der Regel einen geringen Betrag aus Schulgeld, Kopierkostenauslage oder Materialpauschale. Pro Halbjahr sind mit Kosten zwischen 100 und 500 Euro zu rechnen. Private Schulen oder Bildungsträger verlangen oft deutlich mehr, etwa 100 bis 200 Euro monatlich.

Welche Fachrichtungen gibt es?

Es gibt unterschiedliche Fachrichtungen, die teilweise in Unterschwerpunkte aufgegliedert sind. Bekannt sind zum Beispiel die Technikerausbildungen in den Fachrichtungen Elektrotechnik oder Bautechnik. Es gibt aber auch Fachrichtungen wie Weinbau und Oenologie, Kunststoff und Kautschuk, Vermessung oder Lebensmittel.

Was lernt man während der Fortbildung?

In der Technikerweiterbildung soll den Teilnehmer zum Beispiel interdisziplinäres Denken sowie die Nutzung von Ansätzen, Denkweisen oder zumindest Methoden verschiedener Fachrichtungen beigebracht werden, erklärt Albert Weiß, Leiter der Werner-von-Siemens-Schule in Mannheim.

An der Fachschule werden zum Beispiel staatlich geprüfte Techniker in den Fachrichtungen Elektrotechnik oder Automatisierungstechnik und Mechatronik aus. Staatlich geprüfte Technikerinnen würden unter anderem ausgebildet, um Führungsaufgaben übernehmen. Nicht zuletzt werden auch die Fremdsprachenkenntnisse vertieft.

Kann man danach noch weiterlernen?

Der Abschluss Staatlich geprüfter Techniker steht nach dem Deutschen Qualifikationsrahmen (DQR) auf der gleichen Stufe (Niveaustufe 6) wie die akademischen Abschlüsse «Bachelor of Engineering» und «Bachelor of Science».

Austauschbar sind die Qualifikationen dennoch nicht, wie es auf der Webseite des DQR heißt. Die erforderlichen fachlichen und sozialen Kompetenzen bei Meister, Fachwirt, Techniker und Bachelor würden sich unterscheiden. Daher können sich auch ein Bachelor oder ein Master nach dem Techniker noch lohnen. Die Fachhochschulreife erwirbt in der Regel, wer während der Techniker-Fortbildung eine Zusatz- oder Ergänzungsprüfung ablegt.

Für wen eignet sich die Fortbildung?

Eine absolut hohe Motivation ist laut Schulleiter Weiß Voraussetzung Nummer eins. Die Inhalte seien anspruchsvoll und eher mit denen eines Ingenieurstudiums als mit dem Stoff aus der Berufsausbildung vergleichbar.

Wer seine Ausbildung schon vor einigen Jahren abgeschlossen hat, muss sich oft erstmal wieder ans Lernen gewöhnen. «Zudem hat sich bei vielen die Lebenssituation verändert. Wir haben hier junge Familienväter, für die kann es schon hart sein, neben dem Job die Abende und Wochenenden für die Weiterbildung zu reservieren», sagt Weiß. Seiner Erfahrung nach zeigt es sich in den ersten acht bis zwölf Wochen, ob jemand die angestrebte Fortbildung durchhält.

Gibt es finanzielle Unterstützung?

Alters- und einkommensunabhängig unterstützt der Staat berufliche Fortbildung mit dem Aufstiegs-Bafög . Gefördert werden Voll- und Teilzeitmaßnahmen. Ein Teil der Förderung wird als Zuschuss gezahlt, der andere Teil wird als zinsgünstiges Darlehen von der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) gewährt.

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