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Wie wichtig ist der erste Eindruck?

Der erste Eindruck ist entscheidend. Er ist von bleibender Natur und nur schwer wieder zu korrigieren. Beim Ersteindruck besitzt das Unterbewusstsein die Suprematie über das Bewusstsein. Damit werden die tieferliegenden Gehirnbereiche, die sich evolutionär beim Menschen zuerst entwickelt haben, stärker als im Normalfall beansprucht. Sie entscheiden nun über Sympathie und Antipathie. Die instinktiven ersten Eindrücke helfen uns, mit dem Wust an Informationen über andere Menschen zurechtzukommen, sie können uns aber auch in die Irre leiten

Mittwoch, 05.05.2021, 08:35 Uhr aktualisiert: 05.05.2021, 08:47 Uhr
Foto: Photo by Constantin Wenning on Unsplash

Dennoch haben wir gute Möglichkeiten, den Ersteindruck zu beeinflussen. Dies fängt mit unserem Verhalten an und hört mit unserer Kleidung auf. So bewerten uns Menschen anders, wenn wir zum Beispiel eine hochwertige Rolex Submariner tragen anstelle einer unauffälligen, rein zweckmäßigen Armbanduhr.

Das Tier in uns

Man sieht sofort, wenn sich zwei fremde Tiere mögen, man sieht ebenso deutlich, wenn dies nicht der Fall ist. Hunde zerren, begleitet von wildem Gekläff, wie wild an der Leine, um das unbeliebte Gegenüber anzufallen. Katzen sind zu ausdauernden Belagerungskämpfen bereit, und jeder, der einmal einen Katzenkampf beobachtet hat, weiß, dass es im Konfliktfall um Leben und Tod gehen kann.

Die Menschen unterscheiden sich von Tieren dadurch, dass sie die Ungenauigkeit dieser Form der Urteilsfindung kritisch reflektieren können. Doch selbst wenn sie sich gegen den ersten Eindruck wehren, bekommen sie ihn kaum abgeschüttelt. Andere Menschen nutzen ihre Vernunft wiederum dafür, um ihren Ersteindruck rational zu verbrämen. Doch egal wie intellektuell dies klingen mag, entscheidend ist die Herkunft dieser Zueignung und damit der instinktive Kern. Anfeindungen aufgrund des ersten Eindrucks können bei Menschen so massiv sein wie im Tierreich. Sie können zudem mit Waffen ausgetragen werden, die das Tierreich nicht kennt.

Instinktive Zueignung

Der bekannteste Grundsatz im Kommunikationsmodell von Paul Watzlawick ist sein erstes Axiom: „Man kann nicht nicht kommunizieren“. Für den ersten Eindruck verhält sich die Sachlage ähnlich. Hier gilt die Abwandlung: „Man kann nicht nicht auf andere wirken“. Alles, was wir tun, aber auch das, was wir nicht tun, wird von anderen Menschen bewertet und hat eine Bedeutung dafür, wie sie uns sehen.

Nach einer Studie des Max-Planck-Instituts reichen bereits 150 Millisekunden aus, um den ersten Eindruck zu bilden. Die Länge des Erstkontakts hat hingegen kaum einen Einfluss auf die Prägnanz des Ersteindrucks, sondern allenfalls noch darin, wie viel Sicherheit wir diesem beimessen.

Die vier Seiten der Kommunikation

Der erste Eindruck kann also gar nicht hoch genug geschätzt werden. Besonders beim Vorstellungsgespräch und beim Knüpfen neuer Kontakte hat er einen entscheidenden Einfluss auf den Erfolg oder Misserfolg. Ausdrücklich bezieht sich dies nicht nur auf Kontakte, in denen Emotionen die Hauptrolle spielen, sondern auch auf sachliche Kontakte wie eben das berufliche Vorstellungsgespräch. Denn hangeln wir uns weiter durch das Kommunikationsmodell von Watzlawick, dann bemerken wir schnell, dass jeder Kontakt eine sachliche und eine emotionale Ebene hat.

Im Vierohrenmodell von Friedemann Schulz von Thun sind die Sachebene und die Beziehungsebene noch um die Selbstoffenbarungsebene und die Intentionsebene erweitert. Nach diesem Modell bewerten andere unsere Aussagen auch danach, was diese von uns selbst preisgeben und was wir mit unserem Verhalten eigentlich bezwecken. Menschen unterscheiden sich voneinander dadurch, wie stark sie die einzelnen Punkte gewichten.

Welche Faktoren sind entscheidend?

Eindrücke haben stets einen subjektiven Kern. Dennoch sind die Faktoren, die unser Wirken auf unsere Mitmenschen beeinflussen, heute genau erforscht. So entscheiden über Sympathie und Aversion besonders Faktoren wie Blickkontakt, Gesichtsausdruck, Haltung und Körpersprache, Kleidung und Körperpflege sowie der Körpergeruch. Besonders letzteres ist dem Reich der Instinkte zugeordnet; von seiner Bedeutung beim Ersteindruck zeugt die Redewendung von der Chemie, die stimmen muss.

Erst wenn der erste Eindruck zufriedenstellend verläuft, dann sind Menschen bereit dazu, sich auf eine tiefere Beziehung in Privat- und Berufsleben einzulassen und mehr über den anderen zu erfahren.

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