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Internet-Einkauf – wie funktioniert er, was gilt es zu beachten und welche Probleme warten auf den Verbraucher?

Einzelhändler haben Angst, dass der Online-Handel ihnen das Geschäft kaputtmacht. Etwas begründet ist diese Angst sicherlich, denn viele Kunden tendieren tatsächlich dazu, ihre Einkäufe lieber von Zuhause aus zu tätigen. Das hat mindestens einen großen Vorteil: Es muss nicht vor die Tür gegangen werden. Kein lästiges in die Stadt fahren, kein Umherlaufen in Einkaufszentren, kein Tüten schleppen – kaum Zeitverlust. Stattdessen können sich die Verbraucher einfach an den Computer setzen, in den Schnäppchen stöbern und dabei so manches Mal Artikel finden, die im Einzelhandel wahrscheinlich nicht gefunden worden wären.

Mittwoch, 08.04.2015, 08:50 Uhr
Veröffentlicht: Mittwoch, 08.04.2015, 08:12 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Mittwoch, 08.04.2015, 08:50 Uhr

Doch der Internet-Einkauf ist auch mit Risiken verbunden, im Jahr 2010 wurden zum Beispiel allein in der hessischen Kriminalstatistik über 7700 Fälle von Waren- und Warenkreditbetrug im Internet aufgelistet. Verschiedene Dinge gilt es also zu beachten um Probleme zu verhindern, die beim Einzelhandel-Einkauf in der Form nicht aufgetreten. 

1. 1.      Die Gefahren des Internet-Einkaufs

Laut einer Studie des Branchenverbands Bitkom aus dem Jahr 2012 kaufen neun von zehn Internetnutzern Waren oder Dienstleistungen im Internet. Viele tun dies auch immer wieder, haben sie bisher doch nur gute Erfahrungen gemacht. Wer bei bekannten Onlineversandhäusern bestellt, wird in der Regel tatsächlich eher selten mit Problemen konfrontiert, wer aber unbedingt eine bestimmte Ware oder ein scheinbar großartiges Sonderangebot kaufen möchte, könnte vor allem auf zwei große Gefahren stoßen:

Gefälschte Shops

Online-Händler, die gar keine sind. Hier zahlt der Kunde per Vorkasse, bekommt aber niemals seine Ware. Nach kurzer Zeit ist auch der Shop nicht mehr im Internet verfügbar.

Gefälschte Produkte

Hier erhält der Kunde nach Bezahlung zwar seine Ware, allerdings sind dies dann keine Originale, sondern Fälschungen. Bei extrem günstigen Angeboten von Markenwaren ist also immer Vorsicht geboten, wenn es sich nicht um einen renommierten Versand handelt.

Phishing / Identitätsdiebstahl

Wer auf unseriösen Seiten empfindliche Daten wie Kontonummer usw. angibt, läuft Gefahr, dass diese gestohlen werden und somit andere auf den eigenen Namen – und die eigenen Kosten – Waren bestellen oder gar Geld vom Konto abheben.

1. 2.      Seriöse Anbieter erkennen

Das ist leichter gesagt als getan. Natürlich geben sich auch betrügerische Firmen die größte Mühe, ihren Shop auf den ersten Blick seriös erscheinen zu lassen. Dennoch gibt es einige Anhaltspunkte, an denen sich der Käufer orientieren kann, um einen möglichen Betrug weitestgehend auszuschließen.

Angabe von Daten

Impressum

Wer einen seriösen Versandhandel betreibt, wird sich sicherlich nicht daran stören, wenn die Kunden mit ihm in Kontakt treten möchten. Ein Anbieter sollte eindeutig identifiziert werden können und im Impressum oder auf einer Kontaktseite wichtige Informationen wie Name des Unternehmens, Name des Verantwortlichen, Adresse (kein Postfach), Telefonnummer oder sonstige Kontaktmöglichkeiten bekanntgeben. Auch die Angabe des Unternehmensregisters, in dem der Händler eingetragen ist und die Registernummer wären von Vorteil, um eine mögliche Seriosität erkennbar zu machen.

Gütesiegel

Die sogenannten Gütesiegel bieten einen guten Orientierungspunkt bei der Suche nach einem seriösen Anbieter. Problematisch ist an dieser Stelle allerdings, dass es bisher kein einheitliches Gütesiegel für Internethändler gibt. Dennoch haben sich einige Gütersiegel wie „Trusted Shop“ oder „S@fer Shopping“ etablieren können. Wichtig ist vor allem, dass dieses Siegel anklickbar ist und zu der entsprechenden Siegel-Seite samt Prüfbericht weiterleitet, ansonsten kann bei dem Siegel von einer Fälschung ausgegangen werden. Vorsicht auch vor blindem Vertrauen gegenüber Siegeln: Manch ein dubioser Anbieter hat sein Siegel selbst entworfen, demnach sollte sich ein Käufer auch immer über das entsprechende Siegel informieren. Entwickelt wird eine Vielzahl der bekannten Gütesiegel durch das Monitoring Board der Initiative D21, welche sich auch für die Überwachung einsetzt.

Angaben zur Waren

Händler sind dazu verpflichtet, korrekte Angaben zu der angebotenen Ware zu machen. Das bedeutet, dass eine einfache namentliche Artikelbeschreibung nicht ausreicht, sondern auch die wesentlichen Eigenschaften des Angebotes aufgeführt werden müssen. Nur so kann der Kunde erkennen, was genau er kauft.

Vernünftige Preisangabe

Der Preis muss als Gesamtpreis angegeben werden, also inklusive aller Steuern und Abgaben – oder es muss zumindest auf die Art der Preisberechnung hingewiesen werden. Ein Hinweis auf eventuell anfallende Versandkosten muss ebenfalls vorhanden sein.

Lieferzeitpunkt

Der Händler sollte außerdem angeben, wann die bestellte Ware lieferbar ist. Eine schwammige Formulierung wie „in der Regel innerhalb von 14 Tagen“ ist nicht in Ordnung, eine Höchstfrist – also eine verbindliche Aussage – sollte stattdessen angegeben werden.

Verschlüsselte Datenübertragung

Datenschutz

Um nicht Opfer eines Identitätsdiebstahls zu werden – sprich jemand anders kann mit den eigenen Daten problemlos bestellen – sollte der Händler eine verschlüsselte Datenübertragung anbieten. Diese Möglichkeit ist zum Beispiel in Form eines Vorhängeschlosses im Browser zu sehen.

1. 3.      Die AGBs

Die AGBs (kurz für die Allgemeinen Geschäftsbedingungen) sind ein wesentlicher Bestandteil bei Internet-Geschäften. Diese müssen für den Käufer jederzeit erreichbar, einfach lesbar und speicherbar sein. Bei Lieferung der Ware müssen die AGBs außerdem zusätzlich per E-Mail oder Brief in Textform ausgehändigt werden.

Bevor ein Kunde ein Geschäft im Internet abschließt, sollte er unbedingt die AGBs gelesen haben, denn nur so erfährt der Kunde alles, was es zu wissen gibt und worauf er sich genau einlässt. Gerade in diesen AGBs kommt bei unseriösen Anbieter das „Kleingedruckte“ zum Vorschein, die Klauseln, die im Normalfall kein Kunde freiwillig akzeptieren würde. Da aber leider immer noch sehr viele Personen die AGBs annehmen ohne sie gelesen zu haben, ist es oftmals im Nachhinein sehr schwer – wenn nicht sogar manchmal unmöglich – gegen sie vorzugehen. Die Zeit zum Lesen sollte sich also unbedingt jeder nehmen, um nicht nachher eine böse Überraschung zu erleben. Unter anderem sollten AGBs beispielsweise Informationen bezüglich des Geltungsbereichs, des Zustandekommens des Vertrages, des Vertragsgegenstands oder des Widerrufsrechts beinhalten, so wie sie beispielsweise hier ausführlich aufgeführt werden.

1. 4.      Die Bezahlung

Bezahlung

Wer im Einzelhandel shoppen geht, bekommt die Ware in der Regel direkt gegen die Bezahlung per Bargeld oder Karte. Wer allerdings im Internet kauft, wird gerade bei unseriösen Angeboten oftmals um Vorkasse gebeten. Damit steigt allerdings das Risiko, dass das Geld weg ist und die Ware nie ankommt.

Ein seriöser Händler hingegen bietet seinen Kunden verschiedene Zahlungsmöglichkeiten an, wie zum Beispiel per Nachnahme, Bankeinzug, Kreditkarte, PayPal (sehr beliebt, da auf diesem Wege der Kunde seine Kontodaten gar nicht direkt an den Händler herausgeben muss) oder Rechnung. Auch werden sogenannte Prepaid-Karten im Internet immer beliebter, allerdings tritt der Kunde dabei wieder in Vorkasse. Der Händler ist nicht verpflichtet, dem Kunden eine Auswahl anzubieten. Manches Mal kann es auch vorkommen, dass renommierte Versandhäuser auf Vorkasse bestehen (z.B. wenn es in der Vergangenheit bei demselben Kunden einen Zahlungsverzug gegeben hat).

Wenn das Geld vor der Warenlieferung fließen soll, besteht aber immer das Risiko, dass die Ware nicht gefällt oder beschädigt ist. Möchte der Kunde dann sein Geld zurück haben, kann es durchaus ein schwieriges Unterfangen werden das Geld tatsächlich zurückzufordern.

Die sicherste Variante der Zahlung ist aber die der Rechnung. Kommt die Ware nämlich gar nicht an oder hat diese einen auffälligen Schaden, muss der Kunde im Zweifel nicht seinem Geld hinterher laufen.

1. 5.      Das Widerrufsrecht

Bei Internet-Käufen hat der Kunde aufgrund der Vorschriften über Fernabsatzverträge die Möglichkeit, einen abgeschlossenen Vertrag innerhalb von zwei Wochen zu widerrufen. Innerhalb dieser Frist kann ein Vertrag ohne Angabe von Gründen gelöst werden.

Abgegeben werden kann dieser Widerruf auf unterschiedlichen Wegen, auch telefonisch, wovon allerdings dringend aufgrund fehlender Beweiskraft im Streitfall abzuraten ist. Der bessere Weg ist die Versendung einer E-Mail oder eines Einschreibens, wobei der Beleg unbedingt aufbewahrt werden sollte.

Einige wenige Ausnahme gibt es allerdings bezüglich des Widerrufsrechts: Wer extra angefertigte Ware (z.B. einen Maßanzug oder individuell bedruckte Ware) oder verderbliche Lebensmittel bestellt hat, der hat kein Recht auf Widerruf.

1. 6.      Bestellungen im Ausland

In Deutschland sind Kaufaktionen im Internet mittlerweile per Gesetz gut geregelt, sodass der Kunde einen gewissen Schutz erwarten darf bzw. sich der Händler strafbar macht und dann angezeigt werden kann, wer allerdings im Ausland bestellt, geht ein höheres Risiko ein. Innerhalb der EU wird es aufgrund der Richtlinien über die Verbraucherrechte eher weniger zu größeren Komplikationen kommen, außerhalb der EU muss aber jeder Fall einzeln auf das anwendbare Recht geprüft werden. Auch sollte bei vermeintlichen Schnäppchen bedacht werden, dass eventuell Zölle oder weitere Abgaben hinzukommen, zudem herrscht für manche Produkte ein Einfuhrverbot. Weitere Fragen werden in einem Beitrag auf Trustedshops.de beantwortet.

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