Umwelt
Ausbaukrise in der Windkraft

2019 wurden so wenige neue Windkraftanlagen in Betrieb genommen wie zuletzt vor 20 Jahren. Das entspricht einem Rückgang von 60 Prozent. Die politische Debatte wird dadurch angeheizt.

Dienstag, 21.01.2020, 16:31 Uhr aktualisiert: 21.01.2020, 16:44 Uhr
Foto: Gerard Meindertsma

Eine Auswertung der Fachagentur Windenergie zeigt, dass 2019 nur 276 neue Windkraftanlagen in Deutschland in Betrieb genommen wurden und erreichte damit den tiefsten Stand seit 20 Jahren. Mit 940 Megawatt Gesamtleistung der neuen Anlagen liegt der Zubau damit seit 1998 zum ersten Mal wieder unter 1.000 Megawatt. Rechnet man die 69 stillgelegten Anlagen dazu, beträgt der Nettowert nur 854 Megawatt. Verglichen mit 2018 entspricht dies einem Rückgang in der Leistung um über 60 Prozent.

Klimaschutzziele gefährdet

Der Präsident des Bundesverbands Windenergie , Hermann Albers spricht von einem politisch verursachten Zubaueinbruch und enormen Gefahren für die Erreichung der deutschen Klimaschutzziele. Verbände der Branche hatten Mitte 2019 noch mit einem Zuwachs von mindestens 1.500 Megawatt gerechnet. Gerard Meindertsma, Geschäftsführer des Windkraftbetreibers WestWind Energy kritisiert die politischen Entwicklungen ebenfalls scharf: „Erneuerbare Energien werden dringend benötigt. Hält sich die Bundesregierung jetzt nicht an den Arbeitsplan des Wirtschaftsministeriums, haben wir bald eine große Lücke in der Ökostromversorgung.“ Der Plan des Bundeswirtschaftsministeriums besteht aus 18 Punkten. Unter anderem geht es um eine Beschleunigung der Genehmigungen und um eine größere Rechtssicherheit für die Regionalplanung.

65 – Prozent – Ziel deutlich verfehlt

Bis 2030 sollen laut des Klimaschutzprogramms der Bundesregierung 65 Prozent des gesamten Bruttostromverbrauchs durch erneuerbare Energien gedeckt sein. Laut einer Analyse des Energiewirtschaftliches Instituts an der Universität zu Köln (EWI) könnte Deutschland dieses Ziel deutlich verpassen. Berechnungen zeigten, dass der Stromverbrauch bis 2030 auf circa 735 Terawattstunden (TWh) ansteigen könnte, während die Stromerzeugung aus erneuerbarer Energie nur auf 345 TWh steigen würde. Somit würde der Anteil von Ökostrom statt bei 65 nur bei 46 Prozent liegen. Damit wäre das Ziel weit verfehlt.

Zeit zu handeln

„Strom aus Windkraft ist eine tragende Säule der erneuerbaren Energien. Die große Koalition muss handeln.“, ermahnt der Windkraftexperte Gerard Meindertsma . Problematisch seien vor allem lange Verfahren zu Genehmigung, zu wenig Flächen und die vielen Klagen. Doch die Regierung findet seit Wochen keinen gemeinsamen Nenner. Streitpunkt in der schwarz-roten Koalition ist dabei vor allem die Frage nach der Akzeptanz in der Bevölkerung für Windparks. Der im Entwurf des Kohleausstiegsgesetzes festgelegte Mindestabstand von 1.000 Metern zwischen Windrädern und Wohngebieten steht dabei im Zentrum der Streitigkeiten. Kritisiert wird dabei, dass dieser Mindestabstand schon bei mehr als fünf Häusern greifen soll. Bis Ende März soll eine Arbeitsgruppe erarbeiten, wie windparknahe Gemeinden und Bürger in Zukunft entlohnt werden könnten, um mehr Akzeptanz zu generieren.

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