Kunst und Natur
Seerosenteich à la Monet: Roland Doschkas Künstlergarten

Roland Doschka liebt die Kunst und die Natur. Sein Künstlergarten im schwäbischen Rottenburg ist eine Hommage an berühmte Maler des 20. Jahrhunderts - etwa mit einem Seerosenteich à la Monet.

Freitag, 16.06.2017, 08:40 Uhr
Veröffentlicht: Freitag, 16.06.2017, 08:35 Uhr
Zuletzt bearbeitet: Freitag, 16.06.2017, 08:40 Uhr
Der Teich soll ein Auge symbolisieren, das dem Maler Claude Monet gewidmet ist. Foto: Marijan Murat

Rottenburg (dpa) - Wie mit dem Pinsel dahingetupft leuchten lilafarbene Blüten von Zierlauch, Präriekerze und Klee auf der Blumenwiese in Roland Doschkas Künstlergarten. «Das ist eine pointillistische Wiese», sagt Doschka.

Im Pointillismus besteht ein Bild aus vielen Punkten, die sich mit etwas Abstand zur Leinwand zum Motiv verbinden. Der 76-Jährige bildet in seinem Garten in Rottenburg-Dettingen bei Tübingen Kunstwerke nach und kultiviert Pflanzen, die große Künstler gemalt haben. «Ich habe die Malerei zurückgeholt in die Landschaft, wo sie herkommt», sagt er. 

Doschkas Projekt hat Seltenheitswert: Der Garten in dem 1700-Einwohner-Dorf ist nach Angaben des Eigentümers fünf Hektar groß, das entspricht etwa sieben Fußballfeldern, und befindet sich auf mehreren Ebenen. Am Eingang zum Garten erwartet den Besucher eine Hommage an Doschkas Lieblingskünstler Claude Monet: ein Seerosenteich.

Hangaufwärts durchquert man französische Garten-Terrassen mit antiken Brunnen und Säulen, bevor man auf die Pointillismus-Wiese gelangt. Auf der anderen Hügelseite stehen Obstbäume - ein Apfelbaum ist von einer Rose umrankt, womit Doschka an das Werk «Obstgarten mit Rosen» von Gustav Klimt erinnern will. Zu einer Talsenke hin erstreckt sich der englische Garten mit seinen klaren Linien. Dort wachsen auch Schwertlilien, wie Vincent van Gogh sie auf Leinwand gebannt hat - und geometrisch zurechtgeschnittene Buchsbäume, die an den Kubismus erinnern. 

«Das Grundprinzip des Gartens ist: Der Künstler kann nichts neu erfinden, er kann nur wiedergeben, was die großartige Natur bietet», erklärt Doschka. Er geht so weit, zu sagen, die ganze Kunstgeschichte des 20. Jahrhunderts spiegle sich in seinem Garten wider. Auf der Terrasse eines verglasten Pavillons sitzt Doschka und blickt auf sein Werk. Wer ist der Mann, der in seinem schwäbischen Heimatdorf einen Privatpark angelegt hat, der es mit Anlagen an Schlössern und von Gutsbesitzern aufnehmen kann?

«Mein Leben ist von zwei Faktoren bestimmt», sagt er. «Vom Garten und der Kunst.» Doschka ist in Dettingen aufgewachsen, hat sich mit Waldarbeit Taschengeld verdient, hat sich in der kargen Nachkriegszeit an blühenden Streuobstwiesen erfreut, wie er erzählt. Als junger Student der Romanistik lernte er bei einem Auslandsaufenthalt in Frankreich die Kunst kennen - in der Austausch-Familie wurden damals Werke des Künstlers Picasso gesammelt. Doschka wusste von da an, wofür er das hart verdiente Taschengeld ausgeben will: «Mit 21 habe ich angefangen, meine Kröten aus dem Wald in Picassos zu investieren.»

Von 1973 bis 2005 hatte Doschka eine Dozentur am romanischen Seminar der Uni Freiburg. Und er machte sich einen Namen als Kurator. Er hat seit den 1980er Jahren Werke und Werkschauen von Pablo Picasso, Claude Monet, Marc Chagall und anderen in der Balinger Stadthalle gezeigt und mehrere Hunderttausend Kunstfreunde auf die Schwäbische Alb gelockt. Seit 2011 kuratiert er jährlich eine Ausstellung in Lindau am Bodensee, aktuell sind dort Werke von Paul Klee zu sehen. 

Seine beiden Leidenschaften, die Kunst und die Natur, verbanden sich in der Idee, seinen Garten wie ein Kunstwerk zu gestalten. Seit 1970 hat Doschka seine Vision Stück für Stück umgesetzt und immer neue Flächen gekauft. Inzwischen hat er drei Mitarbeiter, die den Garten in Schuss halten. Jährlich kommen rund 1500 Besucher, die er in Gruppen durch seinen Privatgarten führt.

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