Solidarität
Corona-Krise: Konzerte, Torten und Basteleien

Es ist ein ungewohntes, ein anderes, ein neues Leben. Trotz der zahlreichen Hiobsbotschaften - vieles macht auch Mut in diesen schweren Zeiten.

Montag, 06.04.2020, 17:53 Uhr aktualisiert: 06.04.2020, 17:56 Uhr
Die Eistorte von Pino Cimino kommt an. Foto: Uli Deck

Berlin (dpa) - Ob bunte Karten für Pflegebedürftige, ein Menü für Klinikpersonal oder kostenlose Lebensmittel für die Ärmsten - in der Corona-Krise fallen vielen Menschen kreative Hilfsprojekte ein. Für gute Stimmung sorgt dabei auch ein berühmter Musiker.

KULINARISCHES DANKESCHÖN

Mit einer liebevollen Geste haben fünf japanische Köche Mitarbeiter einer Klinik im französischen Dijon erfreut. Sie kochten für die etwa 100 Menschen kulinarische Leckerbissen. Auf diesem Weg wollen sie ihre Anerkennung für die harte Arbeit des medizinischen Personals zum Ausdruck zu bringen, meldete die japanische Nachrichtenagentur Kyodo.

Die Idee dazu hatte der Chefkoch eines örtlichen Hotels und Restaurants, Takashi Kinoshita. Bauern und Lieferanten spendierten kostenlos die Zutaten für die erste Kochrunde. Zu Essen gab es für das Klinikpersonal ein Menü aus Spargel und in Rotwein gekochtem Hühnchen und zum Nachtisch Käse und Schokolade.

Kinoshita wolle mit seinem Team nun jedes Wochenende für das Krankenhaus kochen und plane, dies auch für andere Kliniken in der Region zu tun, hieß es. «Wir waren frustriert, dass wir nicht kochen konnten, da die Restaurants geschlossen sind. Daher sind wir glücklich, unsere Dankbarkeit zu zeigen und ein wenig von Hilfe zu sein», sagte der Chefkoch.

SPENDENKÖRBE FÜR BEDÜRFTIGE

Wegen der Corona-Krise dürfen die Italiener ihre Wohnungen kaum verlassen - aber den Ärmsten helfen kann man trotzdem. Also hängen immer mehr Menschen in italienischen Städten kleine Körbe mit Nudeln, Keksen und anderen Waren aus den Fenstern ihrer Wohnungen. Im armen Süden, etwa in Neapel, wurde diese Geste schon gesichtet. Auch in Mailand, der Metropole der Lombardei, versuchen Menschen anderen, denen das Geld ausgeht, mit den Körben etwas Gutes zu tun.

Im Zentrum der Hauptstadt Rom hatten Kinder an einen «Corona-Korb», der aus dem zweiten Stock hing, einen bunten Zettel geheftet mit der Aufschrift: «Wenn du etwas brauchst ... Greif zu!» Daneben war ein Herz gemalt mit dem Positiv-Motto dieser Krise: #Andratuttobene! - Alles wird gut.

TERRASSENKONZERTE VON PROFIMUSIKER

In Zeiten der Kontaktbeschränkungen ist Balkon-Musik eine willkommene Abwechslung. Noch dazu, wenn sie von einem Profi kommt: Geff Harrison singt und musiziert täglich um 17.30 Uhr auf der Terrasse seiner Hamburger Wohnung in der Gustav-Falke-Straße. Die Konzerte sprechen sich rum. «Am Anfang waren zehn bis 15 Leute da. Jetzt sind es 150 bis 200», sagte der 73 Jahre alte Engländer, dessen größte Hits «Death of a Clown» und eine Neuauflage des Barry-McGuire-Songs «Eve of Destruction» waren.

«Die Leute klatschen mit und tanzen. Das macht Freude», sagte der Musiker. Natürlich hielten die Menschen aber Abstand. Harrison, dessen Reibeisenstimme ein unverkennbares Markenzeichen ist und an Rod Stewart erinnert, steht auf seiner Terrasse auf einem Hocker, damit er über die Hecke hinweg gut zu erkennen ist. Seine Ehefrau klatscht im Hintergrund den Rhythmus.

Normalerweise hatte der Sänger, Komponist und Produzent in diesem Jahr 42 Auftritte geplant. Die Corona-Pandemie kam ihm dazwischen. Die Terrassen-Konzerte sieht er als Alternative. «In diesen Corona-Zeiten habe auch ich Angst. Aber das Singen ist wie ein Ventil für mich. Es lenkt ab und gibt mir und anderen Mut.»

KLOPAPIER-TORTE ALS RETTUNG

Die Klopapier-Hamsterei der vergangenen Wochen hat Eiskonditor Pino Cimino in Rastatt in der Corona-Krise das Geschäft gerettet. Der 38-Jährige kam beim Blick auf leere Regale auf die Idee, Eistorten in Form von Toilettenpapier-Rollen auf telefonische Vorbestellung zu verkaufen. Angefangen habe es mit etwa 65 Stück pro Tag, sagte Cimino der Deutschen Presse-Agentur. Zuvor hatten mehrere Medien berichtet. «Es wird immer mehr, es ist kein Halten.» Er wolle den Menschen in der schwierigen Zeit eine Freude machen, sagte aber auch: «Das ist schon meine Rettung momentan».

OSTERHASE TROTZ CORONA

Die neuseeländische Premierministerin Jacinda Ardern hat versichert, dass der Osterhase trotz der Corona-Krise über Ostern im Einsatz sein wird. Der Osterhase biete wie die Zahnfee eine wesentliche Dienstleistung, stellte Ardern am Montag bei einer Pressekonferenz klar. Auch in dem Pazifikstaat herrscht wegen des grassierenden Virus der Ausnahmezustand, die Menschen dürfen nur wenig das Haus verlassen.

Ardern warb bei den Kindern für Verständnis, dass der Osterhase möglicherweise nicht zu jedem kommen kann, weil er dieses Jahr wohl mit seinen eigenen Hasen daheim besonders beschäftigt ist. Ihr Vorschlag für die Kinder in Neuseeland: «Vielleicht malt ihr ein Osterei und hängt es vorne ins Fenster.» So könnten sie den Kindern in der Nachbarschaft bei deren Osterei-Suche helfen.

BASTELN FÜR PFLEGEBEDÜRFTIGE

Karten, Fotos, Bilder und Briefe sollen Pflegebedürftigen im Saarland eine Freude machen. «Kein Besuch von Verwandten, Pflegekräfte am Limit - die Corona-Krise trifft Pflegeheime und ihre Bewohner besonders hart», hieß es in einer Mitteilung des Sozialverbandes VdK. Mit der Aktion «Pinsel-Post» wolle man ein Zeichen gegen Einsamkeit setzen. So soll den Pflegebedürftigen gezeigt werden, dass trotz Besuchsverbot weiter an sie gedacht wird.

«Ob Osterkarten, Deko-Elemente, Fensterbilder, Windspiele, Frühlingsfotos, Gedichte oder Gedanken: Jeder kann etwas basteln, schreiben oder malen, worüber sich Pflegebedürftige freuen.» An wen die Post verteilt wird, entscheiden laut Verband die Pfleger vor Ort. Die Post könne auch anonym verschickt werden.

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