Weniger Kosten bei E-Autos
VW-Patriarchen geben Diess Rückendeckung

Nicht jeder in der Autobranche und auch bei Volkswagen selbst hält den massiven Hochlauf der E-Mobilität unter Konzernchef Diess für richtig. Die Eigentümerfamilie stützt den Kurs aber ausdrücklich. Die Kosten für die Nutzer reiner E-Autos sollen deutlich sinken.

Donnerstag, 05.03.2020, 14:34 Uhr aktualisiert: 05.03.2020, 14:36 Uhr
Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess. Foto: Tom Weller

Wolfsburg (dpa) - Beim Umbau des VW-Konzerns bekommt Vorstandschef Herbert Diess Rückendeckung von der mächtigen Eigentümerfamilie Porsche/Piëch.

Die Aufsichtsräte Hans-Michel Piëch und Wolfgang Porsche bekräftigten, hinter der Elektro-Offensive des Managers zu stehen. «Unsere Unterstützung hat er», sagte Piëch der «Bild»-Zeitung (Donnerstag). «Er steht vor einer gewaltigen Aufgabe. Dafür braucht er Kraft, aber auch Unterstützung von allen im Konzern.»

Volkswagen investiert Milliarden in die E-Mobilität und setzt dabei vor allem auf reine Elektroantriebe der ID-Fahrzeugfamilie. Daneben werden Hybridmodelle angeboten, die Brennstoffzelle ist derzeit noch kein größeres Thema. Laut einer internen Präsentation rechnet der Konzern damit, dass Autos auf Basis des Modularen Elektrobaukastens (MEB) in den kommenden Jahren für die Nutzer deutlich erschwinglicher werden können - auch wegen der mit dem MEB verbundenen Größenvorteile in der Produktion der Konzernmarken.

Der aktuell im Werk Zwickau anlaufende ID.3 soll - die staatliche Kaufprämie inklusive - demnach nur noch knapp über den Aufwendungen für einen Golf-Diesel liegen. In der zweiten Generation des MEB sollen die Kosten dann schon unter denen eines Fahrzeugs mit Verbrennungsmotor rangieren. Parallel will VW bis 2025 aber auch den Anteil von SUVs an den Gesamtverkäufen auf über die Hälfte steigern, in Europa hält man einen Anteil von bis zu 49 Prozent für machbar.

Wolfgang Porsche betonte: «Wenn auch Herr Diess von vielen Seiten kritisiert wird, er ginge ein wahnsinniges Risiko ein: Es gibt heute keine Alternative zu dem Weg, den er und der Volkswagen-Vorstand eingeschlagen haben.» Beide VW-Patriarchen schlugen sich beim Thema Wasserstoff auf die Seite von Diess. «Allein die Diskussion über eine Entscheidung für Wasserstoff oder Batterien ist unglücklich», meinte Piëch. «Wasserstoff ist auf absehbare Zeit zu teuer und kann eben nicht mit nachhaltiger Energie hergestellt werden.»

Autos mit Brennstoffzellen, in denen Wasserstoff mit Sauerstoff zu Wasser reagiert und so die nötige Antriebsenergie liefert, gelten als Alternative zu reinen Elektroautos mit Batterieantrieb. Die Kosten für solche Fahrzeuge sind - auch wegen der noch sehr geringen Modellstückzahlen und Infrastruktur - aber bislang hoch. Außerdem ist die vorherige Aufspaltung von Wasser energieintensiv. Manche Beobachter sehen die Brennstoffzelle daher eher als Langfristlösung.

Diess will vor allem ausschließliche Elektroantriebe massentauglich machen. Bis 2025 strebt der Konzern 3 Millionen verkaufte E-Autos an, ihr Anteil an allen Auslieferungen soll bis dahin von rund einem Prozent (2019) auf mehr als 20 Prozent zunehmen. Die Kosten aus Anschaffung und Betrieb sollen zudem spürbar sinken - sie sind bisher noch eines der größten Hemmnisse für den Durchbruch der E-Mobilität.

Porsche forderte von der Politik machbare Rahmenbedingungen und kritisierte die EU-Vorgabe, spätestens 2021 im Schnitt einen Ausstoß von 95 Gramm CO2 je gefahrenen Kilometer bei neu verkauften Autos einzuhalten: «Der Flottenwert von 95 Gramm CO2 auf EU-Ebene mag politisch gewünscht sein, aber um das zu erreichen, müssen wir auch eine große Zahl an Kunden finden, die die E-Autos kaufen.» Die Familien Porsche und Piëch halten über die Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE mehr als 52 Prozent der Stimmrechte im VW-Konzern.

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