Sinkende Infektionszahlen
Ägypten will Ende der Reisewarnung für seine Urlaubsgebiete

Bis Dienstag galt die Reisewarnung der Bundesregierung noch für alle Regionen außerhalb Europas. Die Aufhebung für vier Provinzen der Türkei weckt nun Begehrlichkeiten bei anderen Ländern. Innerhalb Europas wird das Rad dagegen wieder langsam zurückgedreht.

Donnerstag, 06.08.2020, 05:17 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 05:20 Uhr
«Es ist sehr frustrierend, dass ich keine Antwort darauf bekomme, warum die Reisewarnung nicht aufgehoben wird», sagt Khaled Galal Abdelhamid. Foto: Annette Riedl

Berlin (dpa) - Nach der teilweisen Aufhebung der Reisewarnung für die Türkei verlangt auch Ägypten von der Bundesregierung eine solche Entscheidung für seine Urlaubsgebiete.

Der ägyptische Botschafter in Berlin, Khaled Galal Abdelhamid, begründete die Forderung in einem Interview der Deutschen Presse-Agentur mit sinkenden Corona- Infektionszahlen in seinem Land und weit reichenden Sicherheitsvorkehrungen für Touristen. «Es ist sehr frustrierend, dass ich keine Antwort darauf bekomme, warum die Reisewarnung nicht aufgehoben wird», sagte er.

Innerhalb der EU geht die Entwicklung unterdessen in die andere Richtung: Am Mittwochabend reaktivierte das Auswärtige Amt die Reisewarnung für die Region um die belgische Wirtschaftsmetropole Antwerpen. Zuvor hatte es Luxemburg und vier spanische Regionen getroffen, darunter Katalonien mit der Touristenmetropole Barcelona und den Stränden der Costa Brava.

Eine Reisewarnung ist zwar kein Reiseverbot, soll aber die größtmögliche abschreckende Wirkung haben. Auf der anderen Seite bietet sie Touristen die Möglichkeit, Reisen kostenlos zu stornieren. Während die Mitte März wegen der Corona-Pandemie ausgesprochene weltweite Warnung für Urlauber im Juni für mehr als 30 europäische Länder aufgehoben wurde, galt sie bisher für alle Regionen außerhalb Europas weiter. Am Dienstag hat sich das mit der Aufhebung für vier der beliebtesten türkischen Urlaubsregionen - Antalya, Izmir, Aydin und Mugla - schlagartig ändert.

Das weckt aber Begehrlichkeiten bei einem anderen Land, das ebenfalls auf die Rückkehr der deutschen Touristen hofft: Ägypten ist das zweitbeliebteste Urlaubsland der Deutschen außerhalb der EU. Botschafter Abdelhamid versteht nicht, warum sein Land anders behandelt wird als die Türkei. «Wir bitten nicht um einen Gefallen. Was wir sagen, ist: Schaut Euch die Lage an und trefft eine rationale und angemessene Entscheidung. Alles deutet darauf hin, dass die Reisewarnung nicht gerechtfertigt ist», sagt er der dpa.

In der Türkei müssen Urlauber,die nach Deutschland zurückkehren, nun in den 48 Stunden vor ihrer Ausreise einen Corona-Test machen und dafür 15 bis 30 Euro bezahlen. Abdelhamid sagte, auch Ägypten wäre zu einer solchen Regelung bereit. «Wir haben das vom ersten Tag an angeboten», sagte er. Die Tests wären in Ägypten sogar günstiger als in der Türkei.

Die ägyptische Regierung habe drei Regionen als «sichere Zonen» für deutsche Touristen ausgewiesen: Matruh am Mittelmeer, Hurghada am Roten Meer und Scharm el Scheich auf der Sinai-Halbinsel. «Wir haben null Infektionen in diesen Gebieten», sagt der Botschafter.

Für Ägypten sind die Deutschen die wichtigste Urlaubergruppe aus der EU. Im vergangenen Jahr sind laut Abdelhamid 1,8 Million Deutsche nach Ägypten gekommen. «Das ist sehr wichtig für uns, weil der Tourismus 12 Prozent unserer Wirtschaftsleistung ausmacht.»

Der Botschafter betonte, dass die Infektionszahlen in Ägypten niedriger als in Deutschland und anderen europäischen Ländern seien, für die es keine Reisewarnung gebe. Ägypten habe eine offizielle Delegation aus Deutschland eingeladen, die Lage vor Ort zu prüfen. «Sie würde sehr klar sehen, das es keinen epidemiologischen Grund für die Reisewarnung gibt.»

Der Grund für die Wiedereinführung der Reisewarnung für die Region Antwerpen ist die Überschreitung der Marke von 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen. Die Provinz grenzt nicht direkt an Deutschland.

Wegen steigender Corona-Fallzahlen - zuletzt waren es durchschnittlich mehr als 300 pro Tag - sind die Beschränkungen in Belgien wieder verschärft worden. So gilt eine Maskenpflicht auf öffentlichen Plätzen mit viel Publikum sowie in Bussen und Bahnen, Museen und Geschäften. Gäste in Kneipen und Restaurants müssen Kontaktdaten hinterlassen. Einkaufen gehen darf man nur noch alleine und für maximal 30 Minuten.

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