Mehr Zuversicht für 2020
Merck bekommt Corona-Folgen zu spüren

Auch der Darmstädter Dax-Konzern kann sich den Folgen der Pandemie nicht entziehen. Einen zweiten Lockdown erwartet Merck im Jahresverlauf aber nicht mehr - und gibt sich etwas optimistischer.

Donnerstag, 06.08.2020, 23:08 Uhr aktualisiert: 06.08.2020, 23:12 Uhr
Das Darmstädter Chemie- und Pharmaunternehmen Merck sieht zuversichtlich ins zweite Halbjahr. Foto: Andreas Arnold

Darmstadt (dpa) - Die Corona-Krise bereitet auch dem Pharma- und Chemiekonzern Merck mehr Probleme. Nach einem starken Jahresstart verlangsamte sich das Wachstum im zweiten Quartal deutlich.

So bekam Merck etwa ein schwächeres Geschäft mit Fruchtbarkeitsbehandlungen sowie eine maue Nachfrage der Auto- und Kosmetikbranche zu spüren. Dafür zahlten sich die Übernahmen in den USA aus. Konzernchef Stefan Oschmann zeigte sich gleichwohl etwas zuversichtlicher und schloss nun einen Rückgang des Betriebsgewinns im Jahresverlauf aus. «Wir legen die Latte etwas höher», sagte er am Donnerstag in Darmstadt.

Während die Corona-Pandemie in China ihren Höhepunkt überschritten habe, sei eine wirtschaftliche Erholung in den USA und Europa im zweiten Halbjahr zu erwarten, sagte Oschmann. Dabei rechnet er mit lokalen Anstiegen der Infektionen, aber nicht mit großflächigen Lockdowns, die Merck im April und Mai hart trafen. Das heiße nicht, dass nun alles wieder gut sei, betonte Oschmann. «Die Pandemie ist noch lange nicht vorbei.»

Im zweiten Quartal stieg der Umsatz von Merck um 3,7 Prozent auf gut 4,1 Milliarden Euro, was vor allem den Übernahmen des US-Halbleiterzulieferers Versum Materials und des kalifornischen Materialspezialisten Intermolecular geschuldet war. Aus eigener Kraft ging der Erlös um 2,5 Prozent zurück. Mit den Zukäufen will sich Merck auf die Elektronikindustrie ausrichten, wo Oschmann im Trend zu vernetzten Industrie und immer leistungsfähigeren Prozessoren Chancen sieht. Der um Sondereffekte bereinigte Betriebsgewinn (Ebitda) sank von April bis Juni um 5,7 Prozent auf gut eine Milliarde Euro.

Die Corona-Krise bekam Merck vor allem bei Arzneien mit einem Umsatzrückgang von fast elf Prozent zu spüren. Einen deutlichen Knick gab es bei Fruchtbarkeitstherapien, da viele Kliniken geschlossen blieben. Neue Mittel gegen Multiple Sklerose und Krebs konnten dagegen zulegen, und auch Diabetes-Arzneien blieben gefragt.

Die Laborsparte konnte abermals zulegen, etwa im Geschäft rund um Produkte und Dienstleistungen für die Arzneiherstellung. Im Geschäft mit akademischen Kunden musste Merck jedoch abermals einen Rückgang verkraften, weil viele Forschungseinrichtungen geschlossen blieben.

Die Spezialmaterialien konnten ihre Erlöse dank der Zukäufe in den USA um fast 40 Prozent steigern, alleine betrachtet sank der Umsatz kräftig. Hier war vor allem die schwache Nachfrage aus der Auto- und Kosmetikindustrie zu spüren. Merck stellt Pigmente etwa für Auto- und Nagellacke her und leidet unter den mauen Geschäften seiner Kunden. Zudem steht seit langem das Geschäft mit Flüssigkristallen etwa für Smartphone-Displays unter Druck durch die Konkurrenz aus Asien.

Merck hatte schon wegen der Pandemie die Prognosen gekürzt. Nun erwartet das Management einen Betriebsgewinn (bereinigtes Ebidta) von 4,45 bis 4,85 Milliarden Euro. Nach rund 4,4 Milliarden im Vorjahr werden Rückgänge also nicht mehr erwartet. Den Umsatz sieht Merck 2020 bei bis zu 17,7 Milliarden Euro nach 16,2 Milliarden im Vorjahr.

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