Medizintechnikkonzern
Siemens Healthineers will mit Corona-Antigentests wachsen

Die Corona-Pandemie hat selbst die Geschäftes des Medizintechnik-Konzerns Siemens Healthineers gebremst. Unter anderem mit neuen Antigen-Tests will das Unternehmen aber wieder deutlich wachsen.

Montag, 02.11.2020, 13:44 Uhr aktualisiert: 02.11.2020, 13:46 Uhr
Das Logo und die Schriftzüge am neuen Hauptquartier des Medizintechnikkonzerns Siemens Healthineers. Foto: Daniel Karmann

Erlangen (dpa) - Der Medizintechnikkonzern Siemens Healthineers will im bevorstehenden Geschäftsjahr 2020/21 allein mit Corona-Antigentests einen Umsatz von mindestens 100 Millionen Euro erzielen.

Das kündigte Finanzchef Jochen Schmitz am Montag bei der Vorstellung der Zahlen für das abgelaufene Geschäftsjahr 2019/2020 an. «Das kann in Abhängigkeit von der Nachfrage deutlich mehr werden», sagte Schmitz. Großbritanniens Premierminister Boris Johnson habe erklärt, dass sein Land die Schnell-Tests, die binnen 15 Minuten weitgehend verlässliche Ergebnisse liefern sollen, breit einsetzen wolle. Aus der Slowakei und anderen Ländern kämen ähnliche Signale.

Siemens Healthineers hat einen Antigen-Schnelltest auf das Coronavirus entwickelt und ist dabei, ihn auf den Markt zu bringen. Zuvor hatte das Erlanger Unternehmen PCR-Tests und Antikörper-Tests auf den Markt gebracht und damit nach eigenen Angaben einen höheren zweistelligen Millionenbetrag umgesetzt. Die Antikörper-Tests fänden aber nur sehr zögerliche Nachfrage, sagte Schmitz. Er erwarte, dass sich das nach Einführung eines Impfstoffes ändern werde.

Der Verkauf von Schnelltests soll dazu beitragen, den Umsatz insgesamt wieder auf eine Wachstumskurve zu führen. Nach einer Delle im vergangenen Geschäftsjahr sollen die Einnahmen auf vergleichbarer Basis um 5 bis 8 Prozent zulegen. 2019/20 waren die Erlöse vergleichbar fast stabil geblieben bei 14,5 Milliarden Euro - auch wegen der allgemein schwierigeren Geschäftsstimmung während der Pandemie, vor allem auf dem amerikanischen Kontinent. Unterm Strich hatte Siemens Healthineers 2019/20 mit 428 Millionen Euro weniger als im Vorjahr verdient, als noch 502 Millionen Euro zu Buche standen.

Dabei geht das Management um Konzernchef Bernd Montag davon aus, dass sich das Umfeld für Tests bei Routine-Untersuchungen weiter verbessert und das Investitionsverhalten in den USA ab Januar 2021 wieder anzieht. Gerade Routine-Laboruntersuchungen auf andere Erkrankungen als Corona waren im vergangenen Jahr zurückgegangen.

Das bereinigte Ergebnis je Aktie sieht Healthineers im laufenden Geschäftsjahr (Ende September) in einer Spanne von 1,58 bis 1,72 Euro, nach vergleichbaren 1,61 Euro im Vorjahr. In der Prognose ist die Übernahme des US-Krebsspezialisten Varian nicht enthalten. Healthineers will die im Sommer angekündigte 16,4 Milliarden Dollar schwere Übernahme - die größte Transaktion der Firmengeschichte - in der ersten Jahreshälfte 2021 abschließen. Dafür hat der Konzern im September eine erste Kapitalerhöhung über rund 2,7 Milliarden Euro gestemmt. Eine weitere könnte im kommenden Jahr folgen.

Das vierte Quartal zeigte derweil Verbesserungen gegenüber dem Vorquartal, als gerade das Diagnostikgeschäft deutlich unter niedrigeren Testaufkommen für Routine-Untersuchungen im Zusammenhang mit der Corona-Pandemie litt. Umsatz und Gewinn lagen aber wegen der Einbußen durch Covid-19 unter Vorjahr. Dennoch zeigte sich Chef Montag zufrieden. An den mittelfristigen Zielen hält er fest.

Im Schlussquartal des Geschäftsjahres sank der Umsatz um 6,4 Prozent auf 3,88 Milliarden Euro. Vergleichbar lag das Minus bei 2 Prozent. Dabei sind Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe herausgerechnet. Das Diagnostikgeschäft erholte sich dabei im Vergleich zum Vorquartal deutlich, lag aber mit einem vergleichbaren Umsatzrückgang von einem Prozent immer noch leicht im Minus. Die Margen blieben unter Druck. Auch das Geschäft mit der Bildgebung konnte sich gegenüber dem Vorquartal verbessern, lag aber ebenfalls noch unter dem Vorjahr.

Siemens Healthineers war 2018 an die Börse gegangen und hatte sich damit vom Mutterkonzern Siemens praktisch losgelöst. Allerdings hält Siemens noch 79 Prozent der Healthineers-Aktien.

© dpa-infocom, dpa:201102-99-177983/3

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