Internet statt Davos
Experte: Online-Treffen von Weltwirtschaftsforum kein Ersatz

Nicht in Davos, sondern ausschließlich im Internet treffen sich in dieser Woche die Mitglieder des Weltwirtschaftsforums. Damit fallen wichtige Bestandteile wie informelle Gespräche weg. Ein langjähriger Beobachter sieht dennoch Vorteile des Formats.

Sonntag, 24.01.2021, 08:54 Uhr aktualisiert: 24.01.2021, 08:56 Uhr
Erstmals hält das Weltwirtschaftsforum sein traditionelles Jahrestreffen im Internet ab. Foto: Gian Ehrenzeller

Davos/München (dpa) - Das Online-Treffen des Weltwirtschaftsforums (WEF) in dieser Woche bietet nach Ansicht eines Experten keinen vollwertigen Ersatz für eine echte Konferenz.

Das Format könne wirkliche Begegnungen nicht ersetzen, sagte der Verwaltungsratschef der Unternehmensberatung Boston Consulting Group (BCG), Hans-Paul Bürkner, der Deutschen Presse-Agentur. «Dafür bieten persönliche Treffen und informelle Gespräche einen zu großen Mehrwert zur Konsensfindung und Problemlösung.» Das WEF habe immer von direkten Kontakten am Rande offizieller Veranstaltungen gelebt, betonte er.

Von diesem Montag an diskutieren unter dem Namen «Davos Agenda» mehrere Tage lang führende Politiker, Wirtschaftschefs, Wissenschaftler und Gesellschaftsvertreter über aktuelle Herausforderungen. Die Online-Konferenz findet anstelle des traditionellen WEF-Jahrestreffens im Schweizer Alpenort Davos statt, das wegen der Corona-Pandemie abgesagt wurde. Angekündigt sind dabei auch Reden von Top-Politikern wie Kanzlerin Angela Merkel. Ein persönliches WEF-Treffen ist für Ende Mai in Singapur geplant.

Bürkner sieht aber durchaus Vorteile einer Internet-Konferenz. So werde die Umwelt geschont, wenn nicht 3000 Teilnehmer sowie Tausende Mitarbeiter und Journalisten anreisen und dann untergebracht und verpflegt werden müssten. «Zudem werden die Diskussionsrunden und Vorträge einem breiten Publikum zugänglich gemacht, das im klassischen Format diese Chance nicht hätte», sagte Bürkner, der seit Jahren an den Treffen teilnimmt.

Der Berater betonte, es sei wichtig, im Gespräch zu bleiben. «Denn die großen Herausforderungen der Welt verschwinden auch in Zeiten einer Pandemie nicht», sagte Bürkner. «Es ist wichtiger denn je, solch eine Veranstaltung zu nutzen, um den Herausforderungen unserer Zeit mit Mut und Optimismus zu begegnen und Impulse zu setzen.» Als Topthemen stehen die Pandemie-Bekämpfung und der Klimawandel auf dem Programm, aber auch die Frage nach digitaler Transformation.

«All das ist untrennbar verbunden mit einem weiteren Thema, das es zu adressieren gilt: die weltweite Migration, ausgelöst durch Ungleichheit in den Lebensverhältnissen», sagte Bürkner. Um Klimawandel und Wirtschaft anzupassen, müssten etwa weltweite Lieferketten durchleuchtet werden. «Eine neue gemeinsame Studie des WEF mit BCG zeigt, dass rund 40 Prozent der Treibhausgase in den emissionsreichsten Lieferketten durch bereits verfügbare und erschwingliche Hebel verringert werden können», sagte Bürkner.

© dpa-infocom, dpa:210124-99-147202/2

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